Türkei
Peter Steudtner, Menschenrechtsaktivist, l

Peter Steudtner ist in der Türkei von Terrorvorwürfen freigesprochen worden. Bild: dpa / Arne Immanuel Bänsch

Nach Terrorvorwürfen: Türkisches Gericht spricht deutschen Menschenrechtler frei

Der deutsche Menschenrechtler Peter Steudtner ist in der Türkei von Terrorvorwürfen freigesprochen worden. Auch sein schwedischer Kollege Ali Gharavi erhielt Freispruch, wie das Gericht am Freitag in Istanbul entschied.

Der Ehrenvorsitzende der Menschenrechtsorganisation Amnesty International in der Türkei, Taner Kilic, wurde allerdings zu einer Gefängnisstrafe von sechs Jahren und drei Monaten wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation verurteilt. Drei der insgesamt elf Angeklagten wurden wegen Terrorunterstützung verurteilt.

Neben Steudtner und Gharavi wurden fünf weitere Menschenrechtler freigesprochen. Die Verteidigung hatten den Freispruch aller Angeklagten gefordert.

Der Prozess wurde unter großer internationaler Aufmerksamkeit verfolgt. Unter anderem beobachtete eine Vertreterin des deutschen Generalkonsulats in Istanbul die Verhandlung. Wegen Corona-Restriktionen wurden allerdings nur wenige Zuschauer in den Gerichtssaal gelassen. Zahlreiche internationale Beobachter und Journalisten mussten draußen bleiben. Die Urteilsverkündung fand ohne Steudtner statt, der zum Prozessauftakt im Oktober 2017 nach vier Monaten Untersuchungshaft ausreisen konnte.

Fall belastete die türkisch-deutschen Beziehungen schwer

Steudtner, Gharavi und acht türkische Menschenrechtler waren Anfang Juli 2017 auf der Insel Büyükada vor der Küste Istanbuls bei einem Workshop, zu dem Steudtner und sein schwedischer Kollege als Referenten geladen waren, unter Terrorverdacht festgenommen worden. Zu Prozessbeginn im Oktober 2017 kamen alle frei, Steudtner und Gharavi reisten aus.

Kilic, dessen Fall später der Anklageschrift hinzugefügt wurde, saß mehr als ein Jahr im westtürkischen Izmir in Untersuchungshaft. Der Fall Steudtner sowie die Inhaftierung weiterer Deutscher hatte ab 2017 die türkisch-deutschen Beziehungen schwer belastet.

Amnesty International hatte den Prozess als politisch motiviert bewertet und kritisiert, dass keinerlei Beweise gegen die elf Menschenrechtler vorlägen. Alle Anschuldigungen seien während des Verfahrens umfassend widerlegt worden. Steudtners Anwalt Murat Boduroglu hatte die Anklage als "ziemlich lächerlich" bezeichnet.

(dpa/pcl)

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Die andere Perspektive

Stuttgarter Sozialarbeiter über Randale: "Das war sicher nicht die Partyszene"

Nach den Krawallen von Stuttgart haben viele Menschen nach mehr staatlicher Härte gerufen – und hart über junge Menschen geurteilt. Watson hat mit Martin Kapler, Sozialarbeiter in Stuttgart, gesprochen, der sagt: So einfach ist es nicht. Er erklärt, was sich aus seiner Sicht in der Stadt zusammengebraut hat, widerspricht der gängigen These, dass es sich bei den Randalierern um die "Partyszene" gehandelt habe – und sagt, weshalb er für mehr Polizei auf den Straßen ist und gegen mehr Videoüberwac

Die Krawalle von Stuttgart haben Menschen in ganz Deutschland schockiert. Viele haben daraufhin harte Urteile über die Jugendlichen in der Hauptstadt Baden-Württembergs gefällt, über die "Partyszene", aus der laut den ersten Aussagen der Polizei die 500 an der Randale beteiligten Menschen stammen sollen. Doch was sagen die Menschen, die seit Jahren Tag für Tag mit jungen Menschen arbeiten?

Was hat sich in Stuttgart vor dem Gewaltausbruch zusammengebraut? Wer sind die Jugendlichen, die …

Artikel lesen
Link zum Artikel