Eine Filiale von Aldi S

Aldi Süd stellt harsche Forderungen an seine Zulieferer. Bild: www.imago-images.de / Christoph Hardt

Hamsterkäufe: Aldi trifft Vorkehrungen

Das Regal mit Toilettenpapier war im ersten Lockdown durchweg leergeräumt, Hamsterkäufe hatten die Supermärkte und ihre Zulieferer überfordert: Aldi Süd will aus den Lieferengpässen lernen und sich frühzeitig auf mögliche unruhige Zeiten vorbereiten. Der Discounter forderte in einem Brief seine Lieferanten auf, genug Vorräte auf Lager zu haben, um Ernstfälle wie Pandemien, sozialen Unruhen, oder Krieg zu überstehen, wie die "Lebensmittelzeitung" berichtet.

Der Brief nenne als Bedingung, "dass Umstände vorliegen, die objektiv die Annahme rechtfertigen, dass sich die Nachfrage nach der vom Verkäufer zu liefernden Ware kurzfristig deutlich erhöhen wird." Hierbei geht es dem Bericht zufolge zwar auch um die Corona-Krise, aber die Supermarktkette holt weiter aus: "Als solche Umstände gelten insbesondere Pandemie, Krieg oder soziale Unruhen".

Händler müssen 130 bis 150 Prozent mehr liefern können

Aldi bestätigt den Schriftverkehr und sagt: "Im Interesse unserer Kunden legen wir in der aktuellen Situation Wert darauf, dass unsere Lieferanten für den Krisenfall bei besonders kritischen Artikeln in bestimmten Warengruppen einen gewissen Vorrat vorhalten". Damit will der Discounter auf die schlimmsten Fälle vorbereitet sein – ein Novum bei den Handelsketten.

Die Forderung des Discounters: Wenn der Händler erhöhten Bedarf anmeldet, muss sich der Zulieferer dazu verpflichten, für drei Monate zwischen 130 und 150 Prozent der üblichen Menge zu liefern. Bei Hamsterkäufen wären die Supermärkte dann besser ausgestattet. Werde diese Auflage nicht erfüllt, könne der Supermarkt Schadenersatz fordern. Die übliche Menge berechnet sich dabie aus dem durchschnittlichen Liefervolumen der jeweils letzten drei Monate.

Zulieferer zweifeln an der Vorgehensweise von Aldi

Die Hersteller reagieren laut "Lebensmittelzeitung" skeptisch und zögern damit, die Forderungen zu unterschreiben. "Wir tun alles, was wir können, um den Handel zu beliefern und haben das auch im vergangenen Jahr gut geschafft", sagt der Manager eines betroffenen Unternehmens. Das Verständnis für die schwierige Situation der Discounter ist vorhanden, die Forderungen von Aldi gingen aber zu weit, so der Manager.

Bei anderen betroffenen Zulieferern löst Aldi mit der Forderung Unmut aus. "Das sind Fragen, die müssen partnerschaftlich gelöst werden", merkt ein Händler an. Es habe außerdem schon vor Corona Vereinbarungen zur Vorratslieferung gegeben.

Aldi selbst betont, niemanden ungerecht behandeln zu wollen. "Unseren Lieferanten sollen durch die Bevorratung keine unangemessenen Benachteiligungen entstehen", so der Konzern.

Corona hatte insgesamt positive Folgen für die Discounter-Ketten

Auch andere deutsche Supermärkte machen sich Sorgen um die Warenverfügbarkeit. Markus Mosa, der Edeka-Vorstand, pochte laut dem Bericht bereits im vergangenen Jahr auf die Liefertreue der Hersteller. Damals kam es zu einem starken Anstieg bei der Nachfrage an Konserven, Tiefkühlartikeln und Fertiggerichten.

Auch am Jahresende riefen die Handelsketten die Zulieferer auf, ihre Vorräte aufzustocken. Die Lager waren dann teilweise so gefüllt, dass bei den Herstellern keine Bestellungen mehr eingingen.

Der Lebensmittelhandel profitierte insgesamt von der Corona-Krise, dennoch schnitt Aldi schwächer ab als manche Konkurrenten.

(lfr)

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Die Corona-Krise sorgte für starke Preissteigerungen in Supermärkten. Klar, wenn die Nachfrage für bestimmte Produkte steigt, wird das Angebot knapper und die Preise höher. Wir alle können uns noch sehr gut an die Bilder von leeren Supermarktregalen im Frühling 2020 erinnern. Doch während sich die hohe Nachfrage zunächst vor allem auf haltbare Lebensmittel, Hygieneartikel und Masken beschränkte, sollen jetzt die Preise für ganz andere Produkte steigen.

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