Dschungelcamp
Daniel Hartwich, Prince Damien und Sonja Zietlow: Im Finale wurde es noch mal emotional, so dass die Moderatorin sogar das eine oder andere Tränchen verdrücken musste.

Daniel Hartwich und Sonja Zietlow mit Dschungelkönig Prince Damien I. Bild: TVNOW

Dschungelcamp

Was RTL blühen würde, wenn der Sender auf das Dschungelcamp verzichtet

"Ich bin ein Star, holt mich hier raus!" – die Frage, die sich in der kommenden Staffel aber stellen wird, ist: woraus genau? Denn ob das RTL-Dschungelcamp aufgrund der andauernden Corona-Pandemie wie gewohnt in Australien stattfinden kann, ist mehr als fraglich.

Bei den britischen TV-Kollegen ist man schon weiter: Deren Pendant "I'm a celebrity, get me out of here!" wird in diesem Jahr erstmals nicht im australischen Busch, sondern auf Gwrych Castle in Wales gedreht, wie Richard Cowles von der verantwortlichen Produktionsfirma ITV in einem Statement bekannt gegeben hatte. Die Sendung soll im Spätherbst anlaufen. RTL hatte das Dschungelcamp bis dato immer von den britischen Kollegen "gemietet". Ob man nun auch für die deutsche "IbeS"-Version 2021 den König oder die Königin der... Burg suchen wird?

RTL soll Alternativen zum australischen Dschungelcamp planen

Wie die "Bild" berichtet, wird von RTL diese Möglichkeit nicht favorisiert, sondern die "sogenannte 'australische Lösung'". Heißt konkret: Die Kandidaten fliegen nach Sydney, begeben sich in Quarantäne und werden dann über den Landweg in den Dschungelcamp-Bundesstaat New South Wales gebracht. Auch die englische Alternative soll laut der Zeitung in Erwägung gezogen werden, allein schon von der Optik her könnte das Promi-Busch-Feeling aber abhandenkommen. Die unliebsamste Lösung soll sein, eine "Highlight-Dschungel-Show" mit Einspielern und Ex-Campern im Kölner Studio zu produzieren. Also so, wie Joey Heindle sich immer vorgestellt hatte, wie die Show gedreht wird.

Tatsächlich wäre aus Sendersicht aber selbst die Umsetzung eines Dschungel-Notfallplans noch eine gute Idee. Denn würde RTL im kommenden Jahr auf sein Trash-Zugpferd verzichten, würden ihm damit auch drei entscheidende Faktoren unter den Händen zerrinnen.

Das Alleinstellungsmerkmal

Natürlich schaut man das Dschungelcamp nur ironisch. Und ganz klar hat man auch von keinem der "Prominenten" vorher je etwas gehört, höchstens den obligatorischen Camp-Dino mal nachts in einer Wiederholung auf Super RTL gesehen. Fakt ist: Im Jahr 2020 lag die durchschnittliche Anzahl der Zuschauer bei rund 5,11 Millionen. Auch, wenn die Zahlen leicht rückläufig sind, produziert RTL mit "IbeS" die wohl aufwändigste und bekannteste Reality-Show Deutschlands.

Laut einer Befragung von "YouGov" schalten die meisten Zuschauer übrigens ein, um sich über die Kandidaten lustig zu machen, gleich dahinter liegt die Faszination an den Dschungelprüfungen. Der Promi-Busch liefert Schadenfreude, Zerstreuung, Gesprächsstoff für Büroküche und Friseurbesuche und irgendwie hat auch jeder seine ganz eigene Meinung zu den Menschen, die er ja ohnehin nicht kennt. Und sagen wir mal so: Wenn sich eine Sendung in unserer kurzlebigen Welt seit vierzehn Staffeln hält, kann sie so ganz langweilig ja nicht sein.

Die Besetzung

In den ersten Staffeln musste man noch Costa Cordalis oder Ingrid van Bergen heißen, um sich einen Platz im Dschungelcamp zu sichern. Heute gehört es wohl zum erklärten Berufsziel vieler D-Sternchen, es zu den Kakerlaken-Kumpels zu schaffen. RTL züchtet seine "IbeS"-Kandidaten in Shows wie dem "Bachelor"-Franchise (Angelina Heger, David Friedrich, Melanie Müller) "Take me out" (Evelyn Burdecki) oder "DSDS" (Prince Damien, Toni Trips). Auch bei den "Goodbye Deutschland"-Kollegen wird sich gerne an ehemaligen Kandidaten bedient, mittlerweile rekrutiert der Sender auch Camper von Konkurrenzsendern.

Elena Miras: Im Dschungel kämpft der Realitystar um die Krone.

Elena Miras schaffte es in der jüngsten Dschungelcamp-Staffel weit nach vorn. Bild: TVNOW

Im Dschungelcamp treffen die skurrilsten, schrägsten und zickigsten Trash-Reality-Sternchen aufeinander, fällt ein Kandidat aus, ist es ein Leichtes, nachzulegen. Auch im umgekehrten Fall geht die Rechnung auf: Ein Dschungelkönig lässt sich bestens in einer neuen RTL-Show (wie aktuell Prince Damien in "Big Performance") platzieren und macht auch bei Promo-Auftritten indirekt Werbung für Show und Sender.

Und, mal ehrlich: Wo könnten sich TV-affine Menschen, die sich für wirklich nichts schämen, besser austoben als im RTL-Busch? Fiele das Dschungelcamp aus, wären auch die D-Promis ohne Ziel. Und das wäre doch wirklich zu schade.

Der Umsatz

Hier mal ein Schoko-Keks-Riegel geschickt in der Dschungel-Schatztruhe platziert, dort den ausgeschiedenen Kandidaten zum Burger-Schnellrestaurant an der Ecke chauffiert: RTL strahlt das Dschungelcamp nicht nur aus, um die Zuschauer zu unterhalten (oder zu nerven), es verdient an jeder Staffel auch ordentlich. Neben satten Margen, die über die mittlerweile erlaubten Produktplatzierungen generiert werden, lassen Firmen auch für eine Werbung im Dschungel-Umfeld einiges springen. So kostete ein 30-sekündiger Werbespot laut "Statista" in diesem Jahr zwischen 78.300 und 126.600 Euro.

Bild

Bild: Statista

Sollte die Show ganz wegfallen, würde RTL Millionenumsätze an Werbung einbüßen. Auch Zusatz-Shows wie der Talk "Die Stunde danach" und damit verbundene Einnahmen würden wegfallen.

Heißt: Es bleibt zu hoffen, dass der Sender 2021 eine 15. Dschungelcamp-Staffel realisieren kann. Für die Liebe zum Trash.

(ab)

1 Kommentar
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Die beliebtesten Kommentare
RoLo43
19.09.2020 12:34registriert April 2018
Frei nach Goethe:
"Vom Alltag hab ich die Natur, des Lebens ernstes Führen,
vom Trash-TV die Frohnatur und Lust zum Fabulieren."
Wo wird bei dieser marktorientierten Unterhaltungsindustrie in unserem Land der Dichter und Denker der Durchschnitts-IQ in der Bevölkerung landen? Die Spaßgesellschaft ist das Ziel! China, Indien Pakistan und Indonesien produzieren doch für uns!
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