Gesundes Leben
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Bild: Getty Images / watson Montage

Gynäkologin erklärt, warum Syphilis auf dem Vormarsch ist – und wie ihr euch schützt

Beethoven hatte sie, Schopenhauer und Oscar Wilde auch: Die Geschlechtskrankheit Syphilis grassierte unter anderem inmitten Intellektueller und Künstler des 19. Jahrhunderts – und sollte heute eigentlich kein Thema mehr sein.

Dennoch hat sich die Zahl der Syphilis-Fälle in Deutschland in diesem Jahrzehnt mehr als verdoppelt. Zwischen 2007 und 2017 stieg die Anzahl der bestätigten Syphilis-Meldungen von durchschnittlich 4 auf 9,1 Fälle pro 100.000 Bürger.

Damit wurden zum ersten Mal seit 2000 mehr Syphilis- als HIV-Neuansteckungen gemeldet. Das geht aus einem kürzlich veröffentlichten Bericht des Europäischen Zentrums für Krankheitsprävention und -kontrolle (ECDC) hervor.

watson hat die Gynäkologin und Autorin Sheila de Liz gefragt, warum die Zahl der registrierten Syphilis-Ansteckungen so stark angestiegen ist.

Was ist Syphilis?

Syphilis ist eine durch Bakterien leicht übertragbare Geschlechtskrankheit, die sich allerdings auf den gesamten Körper ausbreiten kann. Unbehandelt können die Folgen lebensbedrohlich sein, mit Antibiotika lässt sich die Krankheit allerdings gut behandeln. Die Symptome und Verläufe können sehr unterschiedlich sein, manchmal bemerkt man die Krankheit auch gar nicht.

Zu Beginn entstehen erst Wunden und kleine Geschwüre an Genitalien, im Analbereich oder Mund. Diese Symptome klingen meist von selbst wieder ab.

Im zweiten Krankheitsstadium, nach etwa zwei Monaten, kommen Fieber, Grippe-ähnliche Symptome und auch Hautausschläge hinzu.

Jahre später, in der dritten Phase, treten Geschwüre am gesamten Körper auf. Organe und Nervensysteme können betroffen sein, das Gehirn könnte geschädigt werden.

Schutz gegen Syphilis bieten Kondome.

Es stecken sich mehr Männer als Frauen mit Syphilis an

"Sehr viele der großen Geschlechtskrankheiten sind wieder auf dem Vormarsch", sagt de Liz im Telefongespräch. "Das liegt allerdings nicht zwingend an den Frauen."

Fakt ist, dass sich Männer im Alter von 25 bis 34 Jahren im Verhältnis zu Frauen und anderen Altersgruppen besonders häufig mit Syphilis infizieren. Das gilt laut des ECDC-Berichts vor allem für Männer, die mit anderen Männer Sex haben und in Großstädten leben.

Weniger Angst vor HIV: Menschen benutzen seltener Kondome

Mit Syphilis kann man sich anstecken, wenn man ohne Kondom mit anderen Menschen schläft. Nun ist es so: Wer sicheren Sex hat, will sich in der Regel vor Schwangerschaft und HIV schützen. Dass das Gummi auch vor anderen Krankheiten bewahrt, haben viele möglicherweise nicht auf dem Schirm.

Frauen können natürlich auch mit der Pille oder Spirale verhüten – und HIV ist durch die stark gesunkenen Neuansteckungen sowie fortgeschrittenen Möglichkeiten nicht mehr so bedrohlich, wie es früher einmal war. Den Satz "HIV ist kein Todesurteil mehr" hat wahrscheinlich jeder schon einmal gehört.

Auch de Liz sagt dazu:

"HIV ist heutzutage durch Medikamente so gut in den Griff zu bekommen, dass man bei guter Einstellung den Virus im Blut kaum noch nachweisen kann. Da hat die Medizin enorme Fortschritte gemacht."

Das hat allerdings zu einer Lockerung des Verhütungsverhaltens geführt, meint die Ärztin – und das fördert natürlich die Ausbreitung anderer Krankheiten:

"Bei allen, die vorher große Angst vor AIDS hatten und deswegen Kondome benutzten, ist diese Furcht nun abgeklungen. So können sich Syphilis und andere Krankheiten schneller ausbreiten."

Somit haben eigentlich positive Entwicklungen – die Freiheit für Frauen, andere Verhütungsmittel zu wählen als Kondome und der Rückgang der Neuansteckungen mit HIV – einen bitteren Beigeschmack. Viele Menschen fühlen sich nun sicher genug, Kondome wegzulassen – für manche ein folgenreicher Trugschluss.

Beim Analsex reißt das Kondom häufiger

Ein weiterer Grund für den Anstieg der Syphilis-Fälle ist laut de Liz auch Analsex – eine Praktik, die in den letzten Jahren zunehmend an Beliebtheit gewonnen hat, auch unter Heterosexuellen.

"Analsex ist der neue Oralsex."

"Viele Frauen bieten Analsex schon beim ersten sexuellen Kontakt mit einem neuen Partner an", meint de Liz. "Das Problem ist allerdings, dass gerade beim Analverkehr das Kondom gerne reißt. Da lassen sich Geschlechtskrankheiten ratz-fatz übertragen."

Viele Menschen sind über Syphilis nicht aufgeklärt – selbst Ärzte nicht

Weiterhin bemängelt de Liz auch die fehlende Aufklärung über Geschlechtskrankheiten wie Syphilis in der Gesellschaft. Denn viele Menschen kennen diese Krankheit einfach gar nicht mehr. Dabei kann gerade Syphilis sehr tückisch sein:

"Syphilis kann wahnsinnig viele Formen annehmen und sich über das ganze Leben hin ziehen – mit immer wieder neuen Schüben mysteriöser Erkrankungen bis hin zu Gehirnerweichnungen, also dem Abbau von Nervengewebe im Gehirn. Das braucht kein Mensch."

Im Prinzip sollte man jede Wunde im Genitalbereich, jede Afte mit dem Arzt abklären – und nicht einfach warten, bis sie wieder verheilt. Denn Syphilis ist vielleicht zwischenzeitlich nicht mehr sichtbar, wütete allerdings weiterhin im Körper.

"Selbst viele Ärzte sind nicht genügend aufgeklärt über Syphilis", kritisiert de Liz. "Als Patient muss man konkret nachfragen, um einen Test zu machen." Einen Abstrich machen zu lassen reicht laut der Gynäkologin übrigens nicht aus – immer das Blut testen lassen! Außer, man sieht bereits offene, nässende Stellen im Genitalbereich. Dann lässt sich die Syphilis auch so nachweisen.

Um sich vor Syphilis zu schützen: Kondome benutzen!

Wie lässt sich das Problem mit der Syphilis nun lösen? De Liz sagt:

"Ganz klar: Indem man einfach Kondome verwendet."

Gerade bei losen sexuellen Begegnungen sollte man nie auf das Gummi verzichten. Wer ansonsten Symptome wie Wunden im Genitalbereich an sich feststellt: Bitte gleich zum Arzt gehen.

Wer zum Beispiel mit seinem festen Partner auf die Verhütung mit dem Kondom verzichten will, kann sich vorher auf Syphilis testen lassen. Dafür kann man seinen Arzt ansprechen oder sich bei kostenlosen Stellen in jeder größeren Stadt anonym beraten lassen.

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