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Bodo Ramelow (oben rechts) sprach bereits zum zweiten Mal auf Clubhouse. Bild: screenshot clubhouse

Clubhouse: Ramelow will nach Kritik an Auftritt anders mit neuer App umgehen

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow will nach der Kritik an seinem Auftritt in der neuen App Clubhouse künftig vorsichtiger mit dem Audio-Portal umgehen. "Ab sofort, wenn ich jetzt dieses Format anmache, merke ich, im Hinterkopf habe ich jetzt die Lernkurve von vorgestern und gestern", sagte der Linke-Politiker am Sonntag bei einem erneuten Auftritt bei Clubhouse. Die Analyse eines Mediendienstes, dass der Feind stets mithöre, habe er nun hinsichtlich der App verinnerlicht.

Ramelow hatte in der Nacht zu Samstag in einem Talkformat der App erzählt, dass er bei den stundenlangen und immer wieder auch mal unterbrochenen Treffen der Landesregierungschefs mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zur Corona-Krise das Smartphone-Spiel Candy Crush spielt. Auch soll er die Kanzlerin dort als "Merkelchen" bezeichnet haben. Der Deutschen Presse-Agentur sagte Ramelow, dass diese Äußerung aus dem Kontext gerissen worden sei.

Der Chefredakteur der "Welt am Sonntag" hatte daraus einen Artikel gemacht. Dabei hat er laut Ramelow einige Aussagen falsch dargestellt. Teilnehmer wie Kevin Kühnert und Lilly Blaudszun (beide SPD) bestätigten auf Clubhouse die Darstellung von Ramelow, dass ihm in dem Artikel auch Aussagen in den Mund gelegt wurden, die nicht gefallen seien.

Auch andere Minister spielen während der Sitzung auf dem Smartphone

Ramelow sagte der dpa zudem, dass seine Spielerei am Handy seiner Ansicht nach kein Aufreger sei. Es sei auch kein Geheimnis. Andere Teilnehmer spielten Sudoku oder Scrabble auf ihren Smartphones. Bei seinem neuerlichen Clubhouse-Auftritt ging Ramelow darauf erneut ein: Wenn man wisse, dass eine Ministerpräsidentenkonferenz zurzeit um die zehn Stunden dauere und viel Leerzeit beinhalte, "dann gebe ich gerne zu, dass der eine Sudoku spielt, der andere strickt oder häkelt oder sonst was macht – und ich eben Candy Crush spiele."

Das Thema der Clubhouse-Runde sei "Trash und Feuilleton" gewesen, sagte Ramelow der dpa. "Wenn man über Trash redet, dann ist es trashig", so der Ministerpräsident. Wenn man das in einer anschließenden Debatte weglasse, finde er das komisch. "Wenn man daraus eine tiefernste Sache macht, dass es zeigt, wie die Politiker denken, wenn sie privat sind - das finde ich schwierig", sagte Ramelow, der sehr affin für neue Medien ist und ihre unterschiedlichen Kanäle gerne für seine Kommunikation nutzt.

Clubhouse ist eine Social-Media-App aus den USA, die in Deutschland derzeit einen Hype erlebt. Man kann sich damit an Talkrunden beteiligen, es gibt aber auch geschlossene Gesprächsrunden. Sehen kann man sich in der App nicht, es ist ein Audio-Format.

Trotz Kritik: Ramelow kann sich weitere Teilnahmen vorstellen

Organisiert hatte die Runde, in die sich Ramelow dann einklinkte, die 19 Jahre alte SPD-Nachwuchshoffnung Lilly Blaudszun aus Mecklenburg-Vorpommern, zusammen mit fünf Freundinnen und Freunden. Es ging um Promis, Klatsch und Tratsch, wie sie der dpa berichtete. "Dann kam auf einmal Bodo Ramelow dazu, völlig ungeplant." Als er und andere Politiker dabei waren, sei grundsätzlich gesagt worden, dass dies kein Raum sei, um über politische Inhalte zu diskutieren. Es sei von Anfang an als "Trash Talk" bezeichnet worden und habe auch auf der Ebene bleiben sollen.

Mit Blick auf Clubhouse äußerte Ramelow Datenschutzbedenken, weil Nutzer dazu aufgefordert würden, Zugriff auf ihre Kontakte zu erlauben. Auch, dass es die App bislang nur für iPhone-Nutzer gebe, stört ihn. "Und das darf nicht so bleiben, sonst wird das nicht mein Medium, wenn das so elitär bleibt."

Trotz der Kritik an seinem Auftritt bei der Audio-App kann sich Ramelow die Teilnahme an weiteren solchen Talkrunden vorstellen. "Ich habe da auch zwei andere Nummern einfach als Zuhörer begleitet und fand das total spannend, junge Leute zu hören, die bestimmte Fragen debattieren", sagte er. Blaudszun wünschte sich, dass die Diskussion über Ramelows Beitrag sachlicher verlaufe. Natürlich könnten seine Aussagen kritisiert werden, aber gleichzeitig solle man sich auch überlegen, welche die Rolle der Journalismus auf dieser Plattform spiele. Es sei ein Unterschied, ob ein Politiker an einer solchen Diskussion teilnehme oder einem Journalisten ein Interview gebe. Jeder solle sich überlegen, was die eigene Rolle auf der Plattform sei – sie als Moderatorin könne keine Verantwortung dafür übernehmen.

Amthor weicht Fragen aus – und singt

Der Ministerpräsident von Thüringen war indes nicht der einzige Politiker, der einen vieldiskutierten Auftritt auf Clubhouse hatte. Der junge CDUler Philipp Amthor etwa sang in einer Diskussion in der Nacht zu Sonntag das Pommern-Lied – und wich unangenehmen Fragen nach seiner Beziehung zu Augustus Intelligence damit wohlweislich aus.

(lfr/dpa)

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