Coronavirus
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Schauspieler Ron Williams (li.) und Trump-Fan George Weinberg zoffen sich bei Sandra Maischberger. bild: screenshot ard

"Lindenstraße"-Star rechnet in der ARD mit Trump ab

dirk Krampitz

In der Nacht auf Mittwoch fand in den USA das erste TV-Duell zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem Herausforderer Joe Biden statt. Und natürlich ist das eines der Themen, um die es bei "Maischberger. Die Woche" geht.

Es ging hoch her im TV-Duell. Trump unterbrach seinen Herausforderer oft und warf ihm Dinge wie "an ihnen ist nichts schlau, Joe" an den Kopf. Biden war nur wenig besser. Konterte, indem er Trump "Clown" nannte und sagte: "Alles, was er sagt, ist gelogen".

Im Studio von Sandra Maischberger sollen der Republikaner George Weinberg und der Biden-Unterstützer Ron Williams eigentlich das Duell bewerten. Aber sie spielen den Schlagabtausch fast 1:1 nach.

"Selbst ins Bein geschossen"

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Schauspieler Ron Williams findet, Trump ist ein "Bluffer". bild: screenshot ard

Der Schauspieler Ron Williams ("Lindenstraße"), der 1961 als amerikanischer Soldat nach Deutschland kam, findet mit diesem TV-Duell hat sich "Herr Trump selbst ins Bein geschossen – wie er es oft macht". Der wirtschaftliche Aufschwung, den Trump für sich reklamiert, sei ihm von Obama "in den Schoß gefallen". Er sei dem Amt nicht gewachsen.

"Er ist ein Mann, der gar nicht weiß, was es bedeutet Präsident zu sein."

Ron Williams

Besonders deutlich werde das Versagen in der Corona-Krise: "Trump hat Blut an den Händen", findet Williams, weil Trump die Gefahr durch das Virus lange bewusst runtergespielt hatte, wie er im Interview mit Journalist Bob Woodward zugegeben hat. Trump sei ein "Bluffer, und das war er schon als Geschäftsmann" und außerdem "ein Rassist". Aber das seien auch schon andere Präsidenten wie Reagan oder Nixon gewesen.

"Wenn der Krebs Rassismus endlich mal offen und ehrlich angesprochen wird", erst dann könne Amerika wieder zusammenwachsen. Ron Williams spricht dabei so engagiert, dass es verwundert, wie sicher er die ganze Zeit seine Basecap auf seinem Knie jongliert.

Joe Biden kein netter Onkel

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George Weinberg verteidigt Donald Trump bedingungslos. bild: screenshot ard

Der Immobilienunternehmer George Weinberg ist Sprecher der Republicans Overseas und beurteilt das Duell komplett entgegengesetzt. In mehreren Talkshows hat er sich als bedingungslos-treuer Trump-Verteidiger und Anhänger erwiesen. Er rückt auch diesmal nicht von dieser Position ab.

Joe Biden habe "erstaunlicherweise die 1,5 Stunden durchgehalten", zielt er wie Trump auf das hohe Alter des 77-jährigen Herausforderers ab. Das Duell sei "ein Spiel zwischen Bayern München und einem Drittligisten" gewesen. "Er war nicht der nette Onkel Biden, er war ausfällig", moniert er verbale Angriffe von Biden. Maischberger merkt an, dass Trump ja auch nicht gerade für vornehme Formulierungen bekannt sei. Doch das lässt Weinberg nicht gelten: Trump werde seit der ersten Stunde im Amt attackiert.

"Der Trump ist nun mal Trump, wenn er einen auf die Nase bekommt, schlägt er zurück."

George Weinberg

Eine Diskussion zwischen den beiden kommt nicht zustande. Auf Rede folgt Gegenrede. Auf Behauptung Gegenbehauptung. Trump habe Corona zum Beispiel "hervorragend gemanaged". Angesichts von mehr als 200.000 Todesfällen in den USA eine anfechtbare Aussage. Vielleicht weiß das Weinberg auch selbst.

Als ihn Ron Williams mal wieder unterbrechen will wird er laut. Und ruft: "Respektieren sie meine Meinung. Lassen sie ihre Unterstellungen von Lügen."

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Die Kommentatoren Werner Bartens und Susan Link. null / screenshot ard

Auch bei den drei Kommentatoren im Studio geht es hoch her in Sachen Trump und Biden. ARD-Moderatorin Susan Link findet: "Der Verlierer ist das Amt." Werner Bartens, "SZ"-Wissenschaftsredakteur, bewertet die Diskussion ganz ähnlich: "Trump hat verloren und Biden nicht gewonnen." Nur Bild-Journalist Alexander von Schönburg fand die nächtliche TV-Diskussion "anregend und unterhaltsam". Und er mahnt, vor einem schnellen Urteil über Trump genau hinzusehen.

"Es ist unerträglich was er sagt und wie er es sagt – was er macht, muss man anerkennen."

Alexander von Schönburg

Von der Börse (vor Corona) bis zu einer "Reihe von historischen Friedensabkommen" und dem politischen Gegenwind für China und Iran reichen die Meriten für Trump nach Schönburgs Einschätzung.

Drohmails für die Ministerpräsidentin

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Malu Dreyer (SPD) bekommt Drohmails. bild: screenshot ard

Seit mehr als einem halben Jahr bestimmt Corona die Schlagzeilen. Und auch in dieser Woche ist die Pandemie natürlich Thema. Am Dienstag haben sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Landeschefs aufs weitere Vorhergehen in Sachen Corona geeinigt. Corona-Hardliner Markus Söder (CSU) hatte in der Videokonferenz einige Drohbriefe vorgetragen, die ihn im Zuge von Corona erreicht hatten. Auch Rheinland-Pfalz‘ Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) erzählt, dass sie Hass-Mails bekommt: "Die bekommen wir alle. Hass und Hetze sind etwas, mit dem wir zu tun haben."

Das sei aber schon vor Corona so gewesen. Denn eigentlich laufe die Pandemie-Bekämpfung ja gut. "Die große Mehrheit hält alles ein. Es ist doch immer noch ein kleiner Teil der Bevölkerung, der dagegen rebelliert."

Zum Beispiel bei den Gästelisten in Restaurants, wo sich einige Besucher gar nicht oder mit falschem Namen eintragen. Das soll nun 50 Euro Strafe kosten. "Gästelisten sind für viele Leute echt lästig, aber wir brauchen sie", wirbt Dreyer um Verständnis. Nur so könne man Infektionswege effektiv nachverfolgen. Gleichzeitig nimmt sie den Wirten die Sorge, dass sie nun alle Gäste einer Ausweiskontrolle unterziehen müssen. Es gebe keine Kontrollpflicht, nur auf Plausibilität sollten die Restaurantbesitzer achten und bei Namen von etwa Comicfiguren stutzig werden. Selbst habe sie keine Angst vor einer Ansteckung mit Corona.

"Ich halte mich sehr streng an alle Regeln – ich achte sehr auf Abstand, Maske auf, alles, was vorgeschrieben ist, ich habe keine Angst."

Malu Dreyer

Und zum Thema Corona kocht es auch bei den drei Kommentatoren noch etwas hoch. Susan Link ist, angesichts illegal feiernder Jugendlicher "ein bisschen enttäuscht". Schließlich würden sich viele Menschen an die Regeln halten, sogar ihr 10-jähriger Sohn gehe mit Maske zur Schule, sein Kindergeburtstag musste verschoben werden.

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Alexander von Schönburg staunt über manche Radfahrer. bild: screenshot ard

Schönburg mahnt hingegen Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen an. Und mokiert sich über Fahrradfahrer, die ohne Helm, aber mit Maske radeln, wo doch im Straßenverkehr sehr viel gefährlicher für Radfahrer sei.

Wissenschaftsredakteur Werner Bartens ist das zu verharmlosend. Er warnt, trotz der noch immer relativ guten Corona-Situation in Deutschland: "Wenn eine bestimmte Grenze überschritten ist, ist das ein Flächenbrand, den man nicht mehr so einfach austreten kann."

Und Corona sei 15 bis 20 mal gefährlicher als Grippe, was Sterblichkeit angeht. Für Erkrankte, die älter als 65 Jahre sind, betrage das Sterberisiko schon zwei Prozent.

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