Die FFP2-Maskenpflicht gilt für öffentliche Nahverkehrsmittel wie Busse und Bahnen einschließlich Bahnhöfe und Haltestellen sowie für den Einzelhandel in Bayern. Im Bild U-Bahn Haltestelle Schoppershof Symbolbild, Themenbild, Model Release Nürnberg, 14.01.2021 *** The FFP2 mask obligation applies to public means of transport such as buses and trains including railway stations and stops as well as to the retail trade in Bavaria In the picture U Bahn stop Schoppershof symbol picture, theme picture, model release Nuremberg, 14 01 2021 Foto:xD.xAnoraganingrumx/xFuturexImage

Im bayerischen Nürnberg gilt sogar eine FFP2-Maskenpflicht. Bild: www.imago-images.de / Dwi Anoraganingrum

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Maskenpflicht im Nahverkehr: Das gilt ab jetzt in Bus und Bahn

Die selbstgenähte Baumwollmaske von Mama oder der rasch hochgezogene Schal – all das reicht nicht mehr aus, wenn du in Zukunft für ein paar Stationen in die Tram steigen willst. Denn von den verschärften Corona-Verordnungen der Bundesregierung ist auch der öffentliche Personennahverkehr betroffen. Bundesweit gilt jetzt: Medizinische Masken sind in Bus und Bahn Pflicht. In Bayern müssen es sogar FFP2-Modelle sein.

Für die Verkehrsbetriebe bedeutet das wieder eine Aufgabe mehr. Denn nun muss nicht nur geschaut werden, ob die Fahrgäste Mund und Nase bedecken, sondern auch, mit welchem Modell. Watson fragte bei ihnen nach, was sie für die kommende Verschärfung erwarten und wie sie die Kontrollen umsetzen wollen.

Was jetzt noch als Maske durchgeht – und was nicht

"Community-Masken aus Stoff, beziehungsweise Tücher und Schals werden künftig nicht mehr ausreichen", erläutert Christoph Kreienbaum, Sprecher der Hamburger Hochbahn AG (HVV), die Neuerung. "Stattdessen müssen medizinische Masken im öffentlichen Personennahverkehr getragen werden, zu ihnen zählen OP-Masken und FFP2-Masken." Die Bundesregierung führt auch KN95- und N95-Masken als genehmigt auf, da diese in ihrer Schutzwirkung mit FFP2-Masken vergleichbar wären. Das Problem: Diese Modelle sind mit einem Stückpreis von drei bis sechs Euro relativ teuer.

"Community-Masken aus Stoff, beziehungsweise Tücher und Schals werden künftig nicht mehr ausreichen."

HVV-Sprecher Christoph Kreienbaum

Die dünnen OP-Masken, die – mit Ausnahme von Bayern – weiterhin in Bus und Bahn erlaubt sind, sehen Behelfsmasken zwar ähnlich, sind aber trotzdem sicherer, da sie aus mehrlagigem Kunststoff bestehen und ein Filtervlies enthalten. In Hamburg sieht man den Vorteil dieser Masken vor allem im Preis, der einkommensschwachen Menschen entgegenkommt: "Die zumeist blauen OP-Masken, die in der aktuellen Regelung ausdrücklich eingeschlossen sind, sind fast überall kostengünstig zu erhalten", so Kreienbaum.

Vor allem Polizei und Ordnungsämter werden die Kontrollen durchführen

Da es sich bei der verschärften Maskenpflicht um eine Anordnung der Bundesregierung handelt, wird sie vor allem durch Ordnungsämter und Polizei kontrolliert, wie Ulrike Reimann, Konzern-Sprecherin der Stadtwerke Saarbrücken, erklärt: "Für die Saarbahn gilt wie für alle Verkehrsunternehmen im öffentlichen Personennahverkehr, dass wir zwar durch Plakate an Haltestellen, Aushänge in Bus und Bahn und auf der Website auf die Maskenpflicht hinweisen, wir können sie aber nicht durchsetzen. Das kann nur die Polizei oder das Ordnungsamt."

"Der Fahrgast kann dann von der Beförderung ausgeschlossen werden, das entscheidet der Fahrer."

Ulrike Reimann, Sprecherin der Stadtwerke Saarbrücken

Das Verkehrs-Personal müsse im Einzelfall selbst entscheiden, wie es Verstöße gegen die Pflicht im Sinne des Hausrechts handhabt. "Der Fahrgast kann dann von der Beförderung ausgeschlossen werden, das entscheidet der Fahrer", so Reimann weiter.

Bei der Rheinbahn in Nordrhein-Westfalen kontrollieren hingegen schon seit April auch Bahn-Mitarbeiter die Einhaltung der Maskenpflicht, zumindest "im Rahmen ihrer Möglichkeiten", wie Sprecherin Katharina Natus sagt. Bußgelder können allerdings nur Mitarbeiter des Ordnungsamts erheben, die "uns auch bei Schwerpunktkontrollen unterstützen".

Um genau das zu vermeiden und eine direkte Handhabe gegen Verstöße zu haben, wurde die Maskenpflicht in der Hauptstadt schon im Juli in die Hausordnung der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) eingetragen. So können BVG-Mitarbeiter Verstöße selbstständig mit 50 Euro Bußgeld ahnden. Wobei das Unternehmen damals gegenüber watson angab, in vielen Fällen kulant zu sein und einsichtigen Gästen erst einmal einen Behelfschutz zu reichen.

 BVG führt eigene Masken-Kontrolle ein, Nach wie vor gilt die Maskenpflicht im ÖPNV in Berlin. Wer keine Maske aufhat und auch nach Aufforderung partout keine Maske Mund-Nase-Schutz aufziehen will, dem droht eine sofortige Strafe von 50 Euro. Die BVG setzt dies mit eigenen Kontrolleuren durch. Berlin Berlin Deutschland *** BVG introduces its own mask control, masks are still mandatory in public transport in Berlin Anyone who does not wear a mask and refuses to put on a mask, mouth and nose protection, even after being asked to do so, is liable to an immediate fine of 50 euros BVG is implementing this with its own inspectors through Berlin Berlin Deutschland

Die BVG erhob ein eigenes Bußgeld von 50 Euro. Bild: www.imago-images.de / Andreas Friedrichs

Auf einen so netten "Service" sollte man sich als Passagier nun nicht mehr verlassen, wie Christian Schlemper, Sprecher des Verkehsverbunds Oberelbe (VVO) aus Dresden, gegenüber watson klarstellt: "Weder der VVO noch die Unternehmen planen derzeit die Ausgabe von medizinischen Masken."

Verkehrsbetriebe hoffen auf gesunden Menschenverstand

In Bayern, wo die derzeit strengste Maskenpflicht herrscht, ist die sogenannte "Kulanzwoche" vorbei gegangen. Ab heute muss jeder Fahrgast dort eine FFP2-, N95- oder KN95-Maske tragen, sonst droht ein Bußgeld. Ausnahmen bestehen nur für Kinder unter 14 Jahren und gesundheitlich beeinträchtigte Personen, "wenn sie dies glaubhaft machen können", wie Franziska Hartmann, Sprecherin des Münchner Verkehrs- und Tarifverbund GmbH (MVV), gegenüber watson erklärt.

"Natürlich setzen wir aber auch dabei weiterhin auf gegenseitige Rücksichtnahme und den gesunden Menschenverstand."

Franziska Hartmann, MVV-Sprecherin

Wer sich nicht an die Regeln hält, kann vom Fahrpersonal "im Rahmen des Hausrechts des Fahrzeugs" verwiesen werden, sagt sie weiter. Doch trotz all der Regeln müsse man ein gewisses Augenmaß behalten, zum Beispiel, wenn kurz die Maske abgesetzt würde. "Wenn ein Fahrgast während der Fahrt gesundheitliche Probleme bekommt – etwa Schwindelgefühle oder Ähnliches – wird das Fahrpersonal ihn nicht aus dem Fahrzeug werfen, wenn er einen Schluck aus der Wasserflasche nimmt", so die MVV-Sprecherin. Das sei eine Frage von "gegenseitiger Rücksichtnahme" und nicht zuletzt "gesundem Menschenverstand."

Die Verbände glauben an das Verantwortungsgefühl der Gäste

Die Verkehrsverbände sind optimistisch, dass auch die verschärfte Maskenpflicht größtenteils eingehalten wird. Auch, weil sich viele Deutsche schon in den vergangenen Wochen medizinische Masken zugelegt hatten. "Viele Fahrgäste verfügen schon heute über diese Masken und nutzen sie bei ihren Fahrten im öffentlichen Personennahverkehr", so Christoph Kreienbaum vom HVV. "Wir gehen deshalb von einer breiten Akzeptanz der neuen Regelung aus und sind sicher, dass auch künftig die derzeit sehr hohe Masken-Tragequote von über 95 Prozent erreicht wird."

Auch bei der Rheinbahn ist man diesbezüglich guter Dinge, wie Sprecherin Katharina Natus sagt: "Die große Mehrheit unserer Fahrgäste hält sich eigenverantwortlich an die Maskenpflicht. Das ist wichtig, denn genau auf dieses umsichtige Verhalten aller Fahrgäste sind wir angewiesen, um die Fahrt mit Bus und Bahn auch weiterhin sicher zu machen."

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