Politik
Bild

Wer hat die beste Chance, die Demokraten in den Wahlkampf zu führen? Bild: dpa

Demokraten suchen Trump-Bezwinger: Wer die besten Chancen hat

Wer wird Donald Trump im Herbst herausfordern? Vor der ersten Vorwahl in Iowa am 3. Februar sind noch zwölf Demokraten im Rennen. Nur wenige haben eine realistische Chance auf die Kandidatur. Der watson-Check.

Peter Blunschi / watson.ch

Das einst fast unüberschaubare Bewerberfeld der Demokraten ist auf zwölf Namen geschrumpft. Im US-Bundesstaat Iowa beginnt am 3. Februar, also in weniger als zwei Wochen, der Vorwahl-Zirkus zur Ermittlung der Kandidatur für die US-Präsidentschaft.

Endlich, möchte man nach dem quälend langen Vorgeplänkel ausrufen. Doch die Begeisterung über die Auswahl bei den Demokraten hält sich bislang in Grenzen. Niemand vermag so richtig aus der Masse herauszuragen. Und nach dem Rückzug von Kamala Harris, Julian Castro und Cory Booker hat auch die ethnische Vielfalt gelitten, und das in einer Partei, die gerade darauf stolz ist.

Der US-Vorwahlkampf beginnt

Nur zwei Frauen und vier Männer erfüllten die Kriterien für die Teilnahme an der Fernsehdebatte am Dienstag vergangener Woche – alle davon sind weiß.

Wer hat vor der ersten Vorwahl die besten Chancen? Die Kandidaten im watson-Check.

Die Favoriten

Joe Biden: Der frühere Vizepräsident liegt in den nationalen Umfragen nach wie vor klar in Führung. Doch die Zweifel, ob er mit seinen 77 Jahren fit genug für die Präsidentschaft ist, wollen nicht verschwinden. Seine Performance in der TV-Debatte kürzlich war wie immer: Solide, aber nicht berauschend. So musste er sich für eine Unterstützung des Irak-Kriegs 2003 rechtfertigen.

Bild

Joe Biden gilt als Favorit. Bild: dpa

Biden hat aber einen großen Vorteil: Niemand aus dem Bewerberfeld genießt bei der schwarzen Bevölkerung annähernd so viel Rückhalt wie Barack Obamas Vizepräsident. Das wird ihm in den Südstaaten helfen. Vorerst aber wird im vorwiegend weißen Iowa gewählt. US-Medien gehen davon aus, dass Bidens Kandidatur in Rücklage geraten könnte, wenn er dort keinen Spitzenplatz belegt.

Elizabeth Warren: Im vergangenen Herbst erlebte die Senatorin aus Massachusetts einen Höhenflug, doch die Kontroverse um ihren sehr teuren Plan für eine staatliche Einheitskrankenkasse hat ihr geschadet. Nun könnte Warren ein Comeback gelingen, dank ihrem Streit mit Bernie Sanders. Er habe ihr letztes Jahr gesagt, eine Frau könne Donald Trump nicht schlagen, behauptet Warren.

Sanders bestreitet dies vehement, doch der "Frauenbonus" könnte Elizabeth Warren helfen. In der TV-Debatte gelang ihr der beste Spruch des Abends, als sie darauf verwies, dass die vier an der Debatte beteiligten Männer zusammen zehn Wahlen verloren hätten: "Die Einzigen auf dieser Bühne, die jede Wahl gewonnen haben, zu der sie antraten, sind die beiden Frauen."

Bernie Sanders: Bislang haben sich der parteilose Senator aus Vermont und Elizabeth Warren auffällig geschont. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich dies ändern würde, denn beide jagen sich gegenseitig die Stimmen im linken Lager ab. Sanders sieht dabei nicht vorteilhaft aus, dabei genoss er zuletzt Aufwind wegen seines Rufs als Pazifist und vehementer Kriegsgegner.

Bild

Sanders Bild: dpa

Sanders hat einen Vorteil: Er verfügt über eine ansehnliche und ihm treu ergebene Anhängerschaft. Sie könnte ihn im Verlauf der Vorwahlen zahlreiche Delegiertenstimmen einbringen, mit denen er das Prozedere beeinflussen kann, auch wenn er die Nominierung selber kaum schaffen dürfte.

Pete Buttigieg: Der 37-jährige Bürgermeister von South Bend in Indiana erwies sich bisher als der wohl begabteste Debattierer im Feld. Sein Höhenflug vom Dezember ist aber bereits vorbei. Auch in Iowa, wo er zeitweise klar in Führung lag, ist er abgerutscht. Nun dominieren wieder die Zweifel, ob er nicht zu jung und unerfahren ist für das Weiße Haus.

Sein Schwachpunkt bleibt die praktisch inexistente Unterstützung durch Schwarze und Latinos. Ohne die hat er kaum keine Chance, als Herausforderer von Donald Trump nominiert zu werden. Buttigiegs größte Hoffnung beruht auf den Zweifeln moderater Wähler an Joe Bidens Eignung für das Präsidentenamt. Aber er ist auf ein starkes Ergebnis in Iowa angewiesen.

Die Verfolger

Amy Klobuchar: Die Senatorin aus Minnesota nahm Elizabeth Warrens Verweis auf die Erfolge der Frauen dankbar auf. Trotz guter Debatten-Auftritte ist es ihr bislang nicht gelungen, zu den vier Favoriten aufzuschließen. Dabei verfügt sie über ein moderates Profil, und mit ihrer Herkunft kann sie Menschen aus dem "Rust Belt" erreichen, die vor vier Jahren Trump gewählt haben.

Laut "Washington Post" könnte Klobuchar jene Wähler überzeugen, für die Buttigieg zu jung, Biden zu alt und Warren und Sanders zu links sind. Dafür braucht sie ein gutes Resultat in Iowa, sonst ist sie wohl bald weg vom Fenster. Mangelnden Einsatz kann man ihr nicht vorwerfen: Sie hat 96 der 99 Bezirke von Iowa abgeklappert.

Tom Steyer: Der 62-jährige Milliardär, Philanthrop und Umweltschützer hat sich beim vergangenen TV-Duell keinen Gefallen getan. Seine fehlende politische Erfahrung war nicht nur in der Außenpolitik deutlich zu erkennen. Neben den anderen Fünf habe Steyer wie ein Fremdkörper gewirkt, bilanzierte etwa CNN.

Bild

Steyer Bild: dpa

Die Außenseiter

Sechs weitere Männer und Frauen halten bislang an ihrer Kandidatur fest. Gewisse Chancen können sich nur zwei von ihnen ausrechnen. Der Unternehmer Andrew Yang versucht nicht zuletzt mit seinem Profil als "nichtweißer" Kandidat zu punkten.

Bild

Yang Bild: dpa

Der frühere New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg hat sich als Späteinsteiger ins Rennen geworfen, weil er daran zweifelt, dass die anderen Bewerberinnen und Bewerber Donald Trump schlagen können. Der Milliardär will seinen Wahlkampf überwiegend aus der eigenen, üppig gefüllten Tasche finanzieren, doch in den Umfragen zahlt sich das bislang nicht aus.

Bild

Bloomberg Bild: dpa

Weil die Parteiführung eine große Zahl von Einzelspendern verlangt, hat Bloomberg kaum eine Chance, an den kommenden Fernsehdebatten teilzunehmen. Im Februar werden drei weitere Vorwahlen in New Hampshire, Nevada und South Carolina stattfinden. Im Vorfeld kommt es jeweils zu einem TV-Duell, bevor am 3. März der große Showdown am Super Tuesday ansteht.

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Mathe-Abi in Bayern: Erste Auswertung scheint Befürchtung der Schüler zu bestätigen

Mathe ist doof. Da sind sich Schüler bundesweit wohl ziemlich einig. Besonders doof fanden viele Schüler Mathe jedoch, als sie kürzlich an den diesjährigen Abiturprüfungen verzweifelten. Der Aufschrei war groß (wir berichteten darüber).

Doch trotz der Proteste von zehntausenden Schülern gegen das Mathe-Abitur sieht Bayerns Kultusminister Michael Piazolo keinen Anlass zum Eingreifen. Zumindest derzeit. Und das, obwohl sich die Befürchtung der Schüler zu bestätigen scheint, dass das Mathe-Abi …

Artikel lesen
Link zum Artikel