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Haarig: Das Outfit von Jorge González. bild: TVNOW / Stefan Gregorowius

"Let's Dance": Durch die Waschstraße mit Jorge González – Partnertausch bei Laura Müller

Seltsame Frisuren, Partnertausch, Beschimpfungen, Rebellion, #MeToo und eine zotensichere Jury: Diese Woche war bei "Let's Dance" alles dabei.

marie von den benken

Auch diese Woche findet "Let's Dance" unter Ausschluss der Öffentlichkeit als Geistershow statt. Leere Tribünen und ausbleibende Standing Ovations verleihen der Dynamik des vor Publikum sonst immer hoch emotionalen Tanzabends in Köln-Ossendorf den Charme einer menschenleeren Western-Stadt, bei der hinten einsam ein paar Fetzen verdorrtes Stroh durch das Bild wehen. Tanz mir das Lied vom Tod.

Passend zu dieser dystopischen Stimmung eröffnen die beiden Profis Andrzej Cibis und Kathrin Menzinger den Abend mit einem Tanz, wie eine Metapher auf die Zukunft von Clubs und Diskotheken in der Post-Corona-Ära: Sie tanzen, zwischen ihnen steht jedoch stets eine Schaufensterscheibe, die jegliche Berührung verhindert. Lasziv werfen sie sich gegen die Scheibe, bleiben aber dennoch alleine. So nah und doch so fern.

Schlechter als für Diskothekenbesitzer sieht die berufliche Zukunft eigentlich nur noch für die Hairstylisten von Jorge González aus. Ich könnte die gesamte Kolumne ausschließlich über das Outfit dieser Woche schreiben. Die erste Vermutung ist: Jorge hat einen neuen Werbevertrag mit einer Autowaschanlage. Da Schleichwerbung bei RTL aber untersagt ist, außer man heißt zufällig wie ein Hersteller von geschliffenem Kristallglas, ist das unwahrscheinlich.

So ist der zweite Gedanke: Jorge hat das Brett vor seinem Kopf heute neu justiert, etwas hochgeschoben und zur Tarnung einen Perserteppich drüber geworfen. Auch das würde erklären, warum er aussieht, wie Zorro, dem jemand versehentlich einen Besen durch die Schädeldecke gerammt hat.

Wenn es als Juror bei "Let's Dance" irgendwann nicht mehr klappt, kann er so aber wenigstens noch locker bis ins hohe Alter als Vorhang in jedem Theater oder Kinobetrieb anfangen. Also, sofern es davon nach Corona noch welche geben sollte. Social Distancing als Frisur – ein Konzept, das hoffentlich Schule macht. Wenn irgendwann jeder von uns den Jorge-González-Wischmob in Form (und Größe) des Brandenburger Tores auf dem Kopf trägt, können wir endlich die Ausgangssperren wieder aufheben. Eine Ansteckung über die knapp acht Meter, die wir dann automatisch voneinander entfernt sind, scheint ausgeschlossen.

Zahnfee Christina Luft

Den besten Tanz des Abends liefern Lili Paul-Roncalli und Massimo Sinató ab, dazu später mehr.

Luca Hänni und Christina Luft, die in der Vorwoche 30 Punkte bekommen hatten, kriegen dieses Mal 22. 52 Punkte in zwei Wochen: ordentlich. 52 ist übrigens auch die Anzahl an Whatsapp-Nachrichten, die Hänni und Luft pro Minute von Investigativ-Reportern der Boulevard-Medien erhalten, in denen um Details zu ihren Liebesgerüchten, sagen wir mal, gebeten werden.

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Christina Luft und Luca Hänni. Bild: TVNOW / Stefan Gregorowius

Schrotttänzer… oh, Entschuldigung, Schrotthändler Sükrü Pehlivan klärt die Nation anschließend darüber auf, welche philosophischen Gedanken er sich so den ganzen Tag zum Thema Tanzen macht: "Der Wiener Walzer ist wie Schach. Jeder sollte Schach spielen können, und Wiener Walzer auch."

Wie er darauf kommt, bleibt unklar, aber wenn man ihn so tanzen sieht, ist eines jedenfalls klar: Beim Schach wie beim Wiener Walzer mit ihm ist auf jeden Fall immer die Dame in akuter Gefahr. Bei Sükrü ist das seine Profipartnerin Alona Uehlin. Ich höre bei "Alona" ja immer "Aioli", weswegen ich während einer Staffel "Let's Dance" immer extrem viel zunehme, aber das ist eine andere Geschichte.

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Sükrü Pehlivan und Alona Uehrlin. Bild: TVNOW / Stefan Gregorowius

#MeToo auf dem Tanzflur

Die ähnlich wie Sükrü nicht gerade als Tanzmonster bekannte Ulrike von der Groeben und ihr Profi Valentin Lusin tanzen dann zu "Do You Believe In Love After Love". Und was soll ich sagen: Das klappt nicht Cher gut.

Besser läuft es für Moritz Hans und Valentins Frau Renata Lusin. Der Wiedererkennungswert von Moritz (Promifaktor: Ninja Warrior) ist trotzdem nicht in erster Linie seine Tanzleistung, sondern seine Frisur.

Anders als Jorge verzichtet er auf umfangreiche Baumaßnahmen auf seiner Schädeldecke, schläft dafür aber offensichtlich jede Nacht mit dem Finger in der Steckdose. Das elektrisiert nicht nur seine Haarspitzen, sondern auch Jurorin Motsi Mabuse. Sie fühlt eine "Vibration in meinem ganzen Körper". Bei so viel knisternder Erotik erinnert sich sogar Joachim Llambi an seine wilde Zeit und attestiert: "Du hast schön Heben und Senken gezeigt." Er scheint vom Fach zu sein. Ob das daher rührt, dass er früher mal Pornofilm-Regisseur war, ist nicht überliefert.

Moritz Hans und Renata Lusin tanzen Quickstep.   

Die Verwendung des sendungsbezogenen Materials ist nur mit dem Hinweis und Verlinkung auf TVNOW gestattet.

Moritz Hans und Renata Lusin. bild: TVNOW / Stefan Gregorowius

Stichwort heben: Was ist der Unterschied zwischen David Hasselhoff und Massimo Sinató? Genau: Keiner! Beide heben gerne einen. Sinató (anders als Hasselhoff) allerdings weniger Hochprozentiges, sondern vor allem Lili Paul-Roncalli.

Als feuriger Italiener liebt er den vollen Körperkontakt. Und da glücklicherweise durch die Corona-Publikums-Sperre mittlerweile auch seine Ehefrau Rebecca Mir nicht mehr im Studio weilen darf, nutzt der lebendig gewordene Italo-Western natürlich jede Chance, auf Tuchfühlung zu gehen. Beim Training, beim Tanz, beim Interview, bei der Punktevergabe: Fast meint man zu ahnen, dass Lili kommende Woche womöglich ein #MeToo-Shirt tragen wird, um eine subtile Botschaft an ihre Fans und die Zuschauer zu senden. Rettet mich vor dem Mann ohne Oberhemden.

Dramassimo Sinató hat in der Show aber nicht nur Augen für Lili, sondern nutzt die Chance seines Live-TV-Auftritts direkt noch dafür, eine weitere Frau glücklich zu machen: Er grüßt seine Oma auf Sizilien. Sizilien ist übrigens eine italienische Insel und kein Latino-Lover.

Partnertausch, Llambi-Diss und Rebellion

Während der Bewertungs-Zeremonie der Jury zum Tanz von Lili und Massimo zeigt sich Joachim Llambi dann begeistert und lässt sich sogar zu der Aussage hinreißen: "Frau Bessin, Sie sagen ja, ich kann nicht ausrasten. Doch, ich kann ausrasten!" Ich bin keine Lippenleserin, aber am Fernseher sah es ein bisschen so aus, als quittiere TAFKACAM (The Artist Formerly Known As Cindy Aus Marzahn) diese kleine Spitze mit einem beherzten: "So ein Asi."

Noch weniger Berührungsängste als Sinató zeigt hingegen Laura Müller. Zwar führt der erste Partnertausch ihres Lebens sie nicht weg vom Wendler, sondern nur von Tanzpartner Christian Polanc (krank zu Hause) zu Tanzpartner Robert Beitsch. Von dem lässt sie sich dafür aber ausführlich berühren. Wenn das mal keinen Ärger gibt, später im Hotel. Vor allem, weil Beitsch offensichtlich Massimo Sinatós VHS-Kurs für "Textilfreien Oberkörpereinsatz beim Nahtanz" besucht hat und sich weitestgehend nackt präsentiert.

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Laura Müller und Robert Beitsch. Bild: TVNOW / Stefan Gregorowius

Polanc übrigens, so heißt es zumindest gerüchteweise aus Kreisen der Produktion, hatte Kontakt zu einer positiv auf Covid-19 getesteten Person und wartet in Quarantäne auf sein eigenes Testergebnis. Ob die Polanc-Theorie stimmt, kann ich nicht beurteilen. Möglich ist in diesen Zeiten alles. Sogar eine Rebellion. Unter der Woche kamen ja bereits Gerüchte auf, einige Tanz-Profis würden aus Angst vor Corona auf eine Unterbrechung von "Let's Dance" drängen, der Sender das aber brüsk ablehnen. Vor allem Erich Klann wirkt in dieser Show erstmals tatsächlich sehr viel weniger euphorisch, als man das von ihm gewohnt ist.

Danach passiert nicht mehr viel. Favorit Tijan Njie tanzt noch seine Samba mit Kathrin Menzinger zur Musik von "König der Löwen". Quasi Samba zu Simba. Am Ende darf Ulrike von der Groeben bleiben, was kaum jemand nachvollziehen kann. Am wenigsten sie selber. Stattdessen wählen die Zuschauer Sükrü Pehlivan raus. Für ihn ist die "Let's Dance"-Reise beendet. Ob die verbliebenen acht Paare nächsten Freitag wie geplant ran dürfen, wird sich in der aktuellen Corona-Situation wohl erst sehr kurzfristig entscheiden. Falls getanzt wird, bin ich wieder hier! Versprochen!

Bis dahin: See you on the Dancefloor!

Korrektur:

In einer früheren Version dieses Textes hieß es, Luca Hänni und Christina Luft hätten 30 Punkte bekommen. Wir haben den Fehler verbessert.

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