China
In this May 23, 2014 photo, armed paramilitary policemen patrol on a street in Urumqi, northwest China's Xinjiang Uygur Autonomous Region. So far this month, police in China's restive western region of Xinjiang have broken up 23 terror and religious extremism groups and caught over 200 suspects, state media reported Monday, May 26. (AP Photo/Andy Wong) |

Chinesische Polizei in der uigurischen Stadt Ürümqi Bild: AP/Andy Wong

Hält China über eine Million Uiguren gefangen? Neue Lager im Westen des Landes entdeckt

Zwingt die chinesische Regierung Millionen von Uiguren dazu, ihrer Kultur zu entsagen? Peking bestreitet diesen Vorwurf vehement – doch Satellitenbilder zeigen, dass die Volksrepublik offenbar Hunderte Umerziehungslager betreibt.

US-Aktivisten haben in China nach eigenen Angaben hunderte bislang unbekannte Lager zur Inhaftierung von Angehörigen der muslimischen Minderheit der Uiguren entdeckt. Die in Washington ansässige Gruppe East Turkistan National Awakening Movement (ETNAM) erklärte am Dienstag, mehr als 450 Orte lokalisiert zu haben, an denen China Uiguren festhalte. Die Regierung in Peking wies die Anschuldigungen zurück.

Die Aktivistengruppe, die für die Unabhängigkeit der größtenteils muslimischen Region Xinjiang in China eintritt, erklärte, die geografischen Koordinaten von rund 180 Lagern ausfindig gemacht zu haben, in denen Uiguren zum Verzicht auf ihre Kultur gezwungen würden. Zudem seien sie auf rund 200 weitere mutmaßliche Gefängnisse sowie rund 70 mutmaßliche Arbeitslager gestoßen.

Ein Großteil der Orte sei bislang unbekannt gewesen, sagte der Aktivist Kyle Olbert, weshalb die Organisation davon ausgehe, dass die Gesamtzahl der von China inhaftierten Uiguren weitaus höher sei als die bislang genannten eine Million. Der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Andres Corr, der die Aktivistengruppe berät, sagte, rund 40 Prozent der erwähnten Standorte seien zuvor nicht offiziell als Gefängnisorte bekannt gewesen.

Das chinesische Außenministerium bezeichnete die Vorwürfe als "unbegründet". Uigurische Aktivisten seien "seit langem Aktivitäten nachgegangen, die der nationalen Sicherheit Chinas schaden", sagte ein Sprecher des Ministeriums in Peking. Es sei "für alle klar zu sehen", dass die Regierung in den vergangenen Jahren die "ethnische Einheit und soziale Harmonie" in der Provinz Xinjiang gefördert habe.

Die mehr als zehn Millionen Uiguren sind eine turkstämmige muslimische Minderheit und leben mehrheitlich in der Region Xinjiang im Nordwesten Chinas. Nach wiederholten gewaltsamen Angriffen von Uiguren hat China in den vergangenen Jahren auch mit Hilfe modernster Technologie die Überwachung der Minderheit massiv ausgeweitet.

Zehntel der Bevölkerung in Lagern

Menschenrechtsorganisationen prangern die Unterdrückung der Uiguren an. Demnach sind mehr als eine Million Uiguren und Angehörige anderer muslimischer Minderheiten in sogenannten Umerziehungslagern inhaftiert, wo sie zur Aufgabe ihrer Religion, Kultur und Sprache gezwungen werden. Die chinesische Führung bestreitet die Vorwürfe und spricht von "Bildungszentren", die dem Kampf gegen islamistische Radikalisierung dienten.

Die USA hatten Anfang Oktober wegen Chinas Umgang mit den Uiguren 28 chinesische Regierungsorganisationen und Unternehmen auf eine schwarze Liste gesetzt. Zudem schränkte Washington die Vergabe von US-Visa an Mitarbeiter der chinesischen Regierung und der Kommunistischen Partei ein.

(dpa/afp)

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