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Auffällig viele Männer verlassen das Land nach einer Beziehung mit unserer Autorin – was das wohl bedeutet? (Symbolbild) Bild: iStockphoto / kieferpix

Sobald Männer eine Beziehung mit mir eingehen, wollen sie das Land verlassen: Über schlechte Dating-Muster

"Bett halbvoll/halbleer" – die Dating-Kolumne von watson

Die meisten Menschen verfolgen wohl gewisse Muster beim Daten. Meine beste Freundin zum Beispiel mag am liebsten grummelige, großen Typen mit blonden Locken und einem Hang dazu, ihr Leben nicht im Griff zu haben. Momentan datet sie zum Beispiel einen deutlich jüngeren Handballspieler, der noch bei seinen Eltern wohnt.

Eine andere Freundin mag am liebsten depressive Künstlertypen. Und ein Bekannter von mir hat sich von seiner langjährigen Beziehung und Verlobten getrennt, nur um kurze Zeit später eine exakte Kopie von ihr zu heiraten.

Auf den ersten Blick verfolge ich keinen bestimmten Typen, wenn man sich meine ehemaligen Partner anschaut. Zumindest optisch sind sie sich nicht ähnlich. Eine Gemeinsamkeit haben die meisten meiner Ex-Freunde und Affären allerdings:

Sobald sie eine Liaison mit mir eingehen, wollen sie das Land verlassen. Und zwar möglichst weit weg. Auf Dauer ist es schwierig, das nicht persönlich zu nehmen.

"Sobald sie eine Liaison mit mir eingehen, wollen sie das Land verlassen. Und zwar möglichst weit weg."

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Bild: emmy lupin studio

Unsere Autorin...

... ist Single, Anfang 30 und lebt in Berlin. Bei ersten Dates wird sie regelmäßig gefragt, ob sie darüber schreiben wird. Sie antwortet dann meist: "Das hängt davon ab, ob du schon etwas ganz Großartiges im Leben gemacht hast – oder gleich etwas richtig Bescheuertes tust."

Es fing an mit einer Fernbeziehung

Angefangen hat es, als ich mit meinem damaligen Freund aus Israel zusammengekommen bin. Das war noch ziemlich unverdächtig: Idan und ich haben uns in Deutschland kennengelernt, als er auf einer längeren Reise hier war, haben uns in Amsterdam wiedergetroffen, kurz darauf habe ich ihn in Israel besucht. Nur wenige Zeit später beschloss Idan, in einer Hauruck-Aktion zum Arbeiten nach Deutschland zu kommen. Die Beziehung ging nur wenige Monate später in die Brüche, Idan kehrte nach Israel zurück.

Dieses Erlebnis schien damals eine Welle loszutreten von versuchten Fernbeziehungen über interkontinentale Affären bis hin zu Partnerschaften, die aufgrund von Reisevorhaben ans andere Ende der Welt auf Eis gelegt wurden.

Da war Jae, mit dem ich ein halbes Jahr lang eine intensive Affäre hatte, die ihr jähes Ende fand, weil er ein Jobangebot in Südkorea bekommen hat.

Da war Thomas, der für längere Zeit in den Iran gehen wollte und eine feste Beziehung dabei hinderlich fand.

"Es war wie ein Fluch. Es ging so weit, dass meine Freunde jedes Mal, wenn ich sagte, ich habe jemand Neues kennengelernt, ermattet fragten: 'Und, wo geht er diesmal hin?' – 'Nirgends.' – 'Sicher?' – 'Na okay, Argentinien.'"

Da war Leif, der für mindestens ein halbes Jahr nach Neuseeland gehen wollte und glaubte, dass er das nur tun könne, wenn er die Sache mit mir beendet. Obwohl ich gesagt habe, für mich ist das kein Problem, er kann ja verreisen, wiederkommen und gucken, wie es um uns steht. Spoiler: Wir haben nicht geguckt.

Da waren ein Comedian aus Ruanda, ein BWLer aus England und ein zuckersüßer Tänzer aus Quebec, mit dem ich einen Monat durch Spanien gereist bin und in den ich schwer verliebt war. Ein Koch, der sich selbst in Australien finden wollte ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als wir uns näher kennenlernten. Und ein Wirtschaftsingenieur, der zwar verhältnismäßig nahe in Tübingen lebte, während ich in München war – der allerdings emotional so erreichbar war, als wäre er in Ghana (wo er dann übrigens auch für ein längeres Praktikum hinzog).

Es war wie ein Fluch. Es ging so weit, dass meine Freunde jedes Mal, wenn ich sagte, ich habe jemand Neues kennengelernt, ermattet fragten: "Und, wo geht er diesmal hin?" – "Nirgends." – "Sicher?" – "Na okay, Argentinien."

"Vielleicht ist es dieser Hauch von Abenteuer, der solche Menschen umweht – und die Aussicht darauf, mich mitreißen zu lassen."

Ich habe keine Ahnung, warum mich diese Art von Männern so anzieht. Ich glaube nicht, dass das an irgendeiner Art von Bindungsangst liegt – ich fände es an sich auch nicht schlimm, eine Fernbeziehung zu führen, zumindest eine Zeit lang nicht. Vielleicht ist es dieser Hauch von Abenteuer, der solche Menschen umweht – und die Aussicht darauf, mich mitreißen zu lassen.

Vielleicht ist das aber auch nur ein ganz, ganz unglücklicher Zufall in einer globalisierten Welt, die bevölkert wird von jungen Menschen, denen ganz doll die Füße zappeln.

Während der Pandemie hatte ich emotionale Fernbeziehungen

Bevor ich jetzt allerdings in tiefenpsychologische Selbstanalysen verfalle: Die Pandemie hat in den vergangenen fast eineinhalb Jahren nicht nur meinen abenteuerlustigen Partnern, sondern uns allen einen Strich durch die Rechnung gemacht, was das Reisen angeht. Tatsächlich konnte Corona-bedingt schon länger kein Mann vor mir fliehen.

Um von meinem bisherigen Dating-Muster allerdings nicht zu weit abzuweichen, habe ich mir deswegen zumindest Partner gesucht, die, wenn schon nicht körperlich, dann zumindest emotional distanziert waren. Für die Fernbeziehung auf Gefühlsebene.

Vielleicht sollte ich doch mal meine Therapeutin fragen, was das bedeutet.

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