Donald Trump
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Der Hamburger Professor Stefan Kluge plädiert fürs Maske-Tragen. bild: screenshot zdf

"Markus Lanz": Mediziner nennt "banale Erklärung" für die steigenden Corona-Zahlen

dirk krampitz

Die Corona-Infektionszahlen in Deutschland haben zum ersten Mal die 10.000er-Marke überschritten und Donald Trump stand in der Nacht sein letztes TV-Duell gegen Herausforderer Joe Biden bevor. Das sind die Themen von Markus Lanz, über die er mit folgenden Gästen spricht.

Einmal nicht aufgepasst

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Kristina Dunz hatte Angst, andere angesteckt zu haben. bild: screenshot zdf

Die Journalistin Kristina Dunz war über die Monate sehr vorsichtig und sorgfältig, was die Corona-Maßnahmen angeht. Doch bei einem Treffen der Familie trug sie einmal einen Tisch vom Garten ins Haus, ohne Maske und Sicherheitsabstand zusammen mit ihrer Schwester und ihrem Schwager. Danach waren alle drei infiziert. Ihr Krankheitsverlauf war mild. Das Schlimmste sei für sie die Angst gewesen, "andere angesteckt zu haben".

Obwohl sie selbst weiß, dass ein einziger Moment der Unachtsamkeit reichen kann, um sich zu infizieren, sieht Dunz es skeptisch, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) positiv auf Corona getestet wurde. "Als Signal ist das nicht so gut, dass es gerade ‚Mr. Corona-Bekämpfung‘ bekommen hat." Aus Spahns Umfeld hat sie gehört: "Er ist zu Hause und es geht ihm wohl relativ gut."

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Stefan Kluge weiß: "Die Sterblichkeit ist gleich geblieben." bild: screenshot zdf

Prof. Stefan Kluge ist Direktor der Intensivmedizin am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf und auch er staunt über die rasch angewachsenen Infektionszahlen.

"Wir sind alle überrascht worden, ganz Europa ist überrascht worden."

Stefan Kluge

Mediziner hat "banale Erklärung" für die steigenden Corona-Zahlen

Warum es so sei, fragt Lanz. Und der Mediziner hat eine ganz klare Erklärung.

"Es ist der enge Kontakt, wir sind über Monate alle etwas müde geworden und halten uns nicht mehr genug an die AHA-Regeln. Das ist die banale Erklärung."

Stefan Kluge

Und das sei gefährlich. Zwar sind von 700 bis 900 Intensivbetten in Hamburg zurzeit nur 70 bis 80 Prozent ausgelastet. Und das bei weitem nicht nur von Corona-Patienten. Aber wenn nun mehr Corona-Patienten kämen, hätte das eine "massive Verschiebung von Pflegepersonal" zur Folge. Und damit auch eine schlechtere Situation zumindest für alle anderen Kranken.

Prozentual habe Deutschland zwar die meisten Intensivbetten weltweit. Aber es mangele vor allem an Pflegekräften und auch ein bisschen an Ärzten, wenn die schweren Fälle zunehmen. Und er rechnet ganz einfach vor: Fünf Prozent der positiv Getesteten müssten in die Klinik, 2 Prozent der positiv Getesteten müssten auf die Intensivstation. Zwar stünden im Vergleich zum Beginn der Pandemie in Deutschland viel mehr Tests zur Verfügung und die Symptome würden mittlerweile besser erkannt, aber eine "Wunderpille" gebe es noch nicht.

"Die Sterblichkeit bei intensivmedizinisch Betreuten ist gleich geblieben."

Stefan Kluge

Ein 80-Jähriger mit Vorerkrankung habe eine 10-prozentige Gefährdung, auf der Intensivstation zu landen und zu versterben. Fast jeder zweite Intensivpatient muss beatmet werden, und jeder dritte Beatmete sterbe dann. "In der älteren Altersgruppe ist es nochmal deutlich höher."

Am Ende macht er nochmal deutlich, was für ein gutes Gesundheitssystem wir doch haben. Dass sich Ärzte irgendwann wegen Überlastung der Krankenhäuser entscheiden müssten, wen sie behandeln und wen sie sterben lassen, wie es zu Anfang der Corona-Krise beispielsweise in Italien vorgekommen ist, hält er für "extrem unwahrscheinlich". Auch weil die Politik vorher reagieren würde. Damit es aber gar nicht erst noch schlimmer wird, wirbt er fürs Masketragen auch draußen an belebten Orten. "Es ist wissenschaftlich klar beweisen, dass die Masken helfen."

Blick zu Trump und Biden

Wissenschaftliche Fakten beeindrucken US-Präsident Donald Trump wenig, glaubt der zugeschaltete Leiter des ZDF-Studios Washington, Elmar Theveßen. "Wissenschaft spielt keine Rolle für das, was der Präsident tut." Die Corona-Bekämpfung sei noch immer eine "ideologische Debatte". Aber langsam werde sie von der Realität eingeholt. "Es gibt immer mehr Staaten wo die Zahlen in die Höhe schnellen und es werden die ersten Feldlazarette aufgestellt."

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Klaus Brinkbäumer hat ein Buch über Trumps Amerika geschirieben. bild: screenshot zdf

Ex-"Spiegel"-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer hat mit "Im Wahn" ein Buch über Trumps Amerika geschrieben und sich dafür intensiv mit dem Präsidenten auseinandergesetzt.

"Die Republikaner haben sich Donald Trump unterworfen. Sie haben alles mitgetragen, jeden Gesetzesbruch, jede Lüge."

Klaus Brinkbäumer

So lautet seine Einschätzung des Rückhalts von Donald Trump in der eigenen Partei. Dann erzählt er, wie er als Journalist bei Trump-Veranstaltungen in eine Art "Gehege" geschickt wird, das er nicht verlassen darf. Und wie der Präsident und seine Anhänger die meist missliebigen Journalisten beschimpfen. Bekannte Kollegen wie Jim Acosta (CNN) würden nicht ohne Leibwächter zu Trump-Veranstaltungen gehen. Amerika hingegen sei gespalten. "Und diese Spaltung ist seine Politik, sein Programm."

Sogar Trump-Verteidiger äußert Kritik am Präsidenten

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Ralph Freund verteidigt lieber Trumps Politik als den Präsidenten. bild: screenshot zdf

Als Verteidiger von Trump ist der Unternehmensberater und gebürtige Frankfurter Ralph Freund eingeladen. Er ist CDU-Mitglied und Vizepräsident der "Republicans Overseas Germany". Er meint, diese Spaltung Amerikas gebe es schon viel länger als Donald Trump. Auch auf die jüngste Enthüllung der "New York Times", dass Donald Trump ein bisher geheimes Konto in China hat und dort 188.000 Dollar Steuern gezahlt hat, während er in Amerika nur 750 Dollar abgeführt hat, findet er nicht anrüchig. Das sei bei Geschäftsleuten „nichts Ungewöhnliches“, man müsse erst einmal die Umstände klären. Außerdem sei es vom amerikanischen Steuerrecht "begünstigt und gestützt".

Dass Trump, der sich ja gern als erfolgreicher Geschäftsmann inszeniert, in Wahrheit hoch verschuldet ist, sei ja "nur eine Stichtagsbetrachtung" und das Sachvermögen sei ja noch nicht gegen gerechnet. Und was Corona angeht, da habe Trump ja gar nichts machen können, das sei Verantwortung der jeweiligen Gouverneure der Staaten.

Da reicht es dann Markus Lanz und er greift ein: "Herr Freund bitte, wir können doch hier nicht so komische Geschichtsklitterung betreiben", das klinge ja fast so, als habe Trump als Präsident keine Macht. Freund entgegnet unbeirrt: "Donald Trump kann bestenfalls Empfehlungen aussprechen. Er hätte mehr draus machen können. Die Verantwortung tragen die Gouverneure."

Aber trotz allem ist er kein ganz so treuer Anhänger von Trump wie beispielsweise George Weinberg von den "Republicans Overseas", der sonst oft als gerade zu liebesblinder Verteidiger Trumps in Talkshows eingeladen ist. Verdächtig oft wird Freund von der Kamera eingefangen wie er ganz leicht nickt, wenn Lanz‘ andere Gäste Kritik an Trump äußern. Er lässt sich dann entlocken, dass er mehr Anhänger der Republikaner sei als vom Präsidenten selbst.

"Rhetorisch übertritt der Präsident oft rote Linien, die ich nicht mitgehe. Sein Wording finde ich inakzeptabel."

Ralph Freund

Aber seine Ziele und Politik seinen ehrenwert. Und es gelte auch: "Wenn sie was bewegen wollen, müssen sie übers Ziel hinausschießen." Ob das bei Trump, der in den Umfragen zurzeit deutlich hinten liegt, etwas bringt, werden wir dann bei den Präsidentschaftswahlen am 3. November sehen.

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