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Bushido im Gerichtssaal mit seinem Anwalt Steffen Tzschoppe. Bild: imago images/ Olaf Wagner

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Bushido-Prozess geht weiter – doch nicht mit den Vorwürfen gegen Arafat

Der Prozess gegen Arafat Abou-Chaker sowie drei seiner Brüder, bei dem Rapper Bushido als Zeuge sowie als Nebenkläger auftritt, hält immer wieder Überraschungen bereit. Das galt auch am mittlerweile neunten Prozesstag am Mittwoch. Um den eigentlichen Anklagepunkt – Arafat soll seinen ehemaligen Geschäftspartner eingesperrt, bedroht und erpresst haben – ging es überhaupt nicht.

Stattdessen rückte ein Ereignis von vergangener Woche in den Fokus: Am Dienstag, dem 22. September, wurde das Anwesen von Arafat in Kleinmachnow durchsucht. Dahinter steckte die Steuerfahndung, es ging um den Verdacht der Steuerhinterziehung. Das Pikante: Bushidos Anwalt Steffen Tzschoppe war dabei vor Ort, wie Bilder einer Überwachungskamera zeigen, die im Netz verbreitet wurden.

Die Verteidiger der Abou-Chaker-Brüder fanden das vorsichtig ausgedrückt ungewöhnlich. Sie sprachen vom Verdacht der Weitergabe von Dienstgeheimnissen, da nicht nur Bushidos Anwalt, sondern auch Bushido selbst sowie die Presse von der Durchsuchung schon vorher gewusst hätten.

Außerdem beklagten sie, dass die Steuerfahnder ihrem Mandanten, also Arafat, handschriftliche Notizen entwenden wollten, die dieser während des laufenden Prozesses angefertigt habe. Auf seinen Protest hin hätten sie Fotos der Aufzeichnungen angefertigt – wogegen die Verteidiger empört protestierten. Sie sahen den Grundsatz des "Fair Trial" verletzt und forderten, den Prozess gegen ihren Mandanten einzustellen, mindestens aber bis zu einer Klärung der Angelegenheit auszusetzen. Ein faires, rechtsstaatliches Verfahren sei unter diesen Umständen nicht mehr gegeben. Die Durchsuchung bei Arafat mit 300 Beamten sowie einem Sondereinsatzkommando (SEK) bezeichneten sie als "Inszenierung" mit dem Zweck, den Angeklagten als gewaltbereit darzustellen.

Darum geht es im Prozess

Laut Anklage soll es zu Straftaten gekommen sein, nachdem Bushido 2017 die geschäftlichen Beziehungen aufgelöst hatte. Arafat Abou-Chaker habe dies nicht akzeptieren wollen und von Bushido unberechtigt eine Millionen-Zahlung sowie die Beteiligung an dessen Musikgeschäften für 15 Jahre gefordert. Der Rapper sei bedroht, beschimpft, eingesperrt und verletzt worden. Die Brüder im Alter von 39, 42 und 49 Jahren sind als Gehilfen oder Mittäter angeklagt.

Bushidos Anwalt Tzschoppe widersprach. Er erklärte, er sei vor Ort gewesen, um die Ermittler in das Haus von Bushido zu lassen, das nach wie vor auf dem einst gemeinsam mit Arafat erworbenen Grundstück steht. Er habe nicht vorher von der Durchsuchung gewusst, sondern sei von Bushido erst morgens gegen 7 Uhr darüber informiert worden. "Das Grundstück liegt auf meinem Arbeitsweg", fügte er hinzu.

Richter hat "Bauchschmerzen"

Der Richter erklärte, die Vorgänge in Kleinmachnow müssten aufgeklärt werden. "Ich habe Bauchschmerzen", sagte er. Dann wollte er wissen, ob es denn eine Durchsuchung in Bushidos Haus auf dem fraglichen Grundstück gegeben habe. Die Verteidiger der Abou-Chakers erklärten, nach ihren Informationen sei dies nicht der Fall. Zudem räumte die Staatsanwältin ein, dass es sehr ärgerlich sei, dass die Presse offenbar vorab informiert gewesen sei. Es liefen bereits Ermittlungen wegen des Verrats von Dienstgeheimnissen. Es ging ein Raunen durch den Saal.

Das Gericht zog sich erstmal zur Beratung zurück, ohnehin war es Zeit für eine Mittagspause. Nach dieser folgte dann Bushidos Aussage – allerdings nicht zum Gegenstand der Verhandlung, sondern zur Durchsuchung in Kleinmachnow.

Bevor er befragt wurde, kam allerdings noch die Staatsanwältin zu Wort. Sie habe sich in der Pause erkundigt, ob es eine Durchsuchung in Bushidos Haus gegeben habe. Die zuständige Steuerfahnderin habe ihr gesagt: Nein. Die Verteidigung frohlockte, Staatsanwältin Leistner schaute dagegen säuerlich. Schließlich passte das nicht ganz zu den Angaben von Anwalt Tzschoppe, nach denen der ja vor Ort gewesen sein will, um die Fahnder in das Anwesen zu lassen.

17.08.2020, Berlin: Anis Mohamed Youssef Ferchichi, bekannt als Rapper Bushido, setzt sich zu Beginn eines Prozesses gegen den Chef einer bekannten arabischstämmigen Großfamilie in einem Gerichtssaal des Landgerichts auf seinen Platz. Dem ehemaligen Geschäftspartner von Rapper Bushido werden mehrere Straftaten zum Nachteil von Bushido zur Last gelegt. Mitangeklagt sind drei Brüder von Arafat A.-Ch. Bushido ist in dem Verfahren am Landgericht in Berlin Nebenkläger. Foto: Paul Zinken/dpa-Zentralbild/Pool/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Bushido mit seinem Anwalt. Bild: dpa-Zentralbild/Pool / Paul Zinken

Bushido: "Ich hatte nichts zu verbergen"

Dann war Bushido an der Reihe. Der Vorsitzende Richter wollte von ihm wissen, wann er der Steuerfahndung den Schlüssel zu seinem Haus auf dem Grundstück übergeben habe. Bushido erklärte, er habe am 10. September eine Mail von der Steuerfahndung bekommen. "Da war irgendwie die Rede von einer Inaugenscheinnahme in Kleinmachnow." Am 14. September habe er dann die Schlüssel übergeben.

Ob er nachgefragt habe, worum es ging? "Nein." Verwunderung machte sich auf dem Gesicht des Richters breit. "Ich habe ja nie da gewohnt und hatte nichts zu verbergen", rechtfertigte sich Bushido.

Von wem er von der Durchsuchung am 22. September erfahren habe, wollte Birkhoff wissen. "Aus der Presse", antwortete Bushido. Daraufhin habe er seinen Anwalt kontaktiert. Dieser habe ihm den Schlüssel am vergangenen Montag dann wieder zurückgegeben.

Die Beisitzerin fragte nochmal nach, was er denn gedacht habe, was die Steuerfahndung in seinem Haus wolle. "Nichts", erwiderte Bushido. Und weiter: "Ich wusste nicht, dass das Haus von Arafat Abou-Chaker durchsucht werden soll." Die Beisitzerin entgegnete: "Und dann geben Sie einfach so Ihren Schlüssel raus?" Bushidos Antwort: "Bei der Steuerfahndung auf jeden Fall."

Die Beisitzerin blieb hartnäckig und legte noch mal mit der Frage nach, ob er sich gar keine Gedanken gemacht habe. "Natürlich. Aber besser, als noch eine neue Tür zu bezahlen", sagte Bushido trocken. Den Steuerfahnder, der ihn kontaktiert habe, kenne er aus einem früheren Verfahren – als gegen ihn selbst wegen Steuerhinterziehung ermittelt worden sei.

Viele offene Fragen

Nun waren die Verteidiger an der Reihe. Sie zeigten sich von Bushidos Erklärung, er habe von der Durchsuchung erst am Morgen aus der Presse erfahren, nicht so recht überzeugt. Ihre Nachfragen, auf welchem Portal er die Information gefunden habe, brachten jedoch kein konkretes Ergebnis. Immerhin erklärte er, er lese regelmäßig den Onlineauftritt der "Bild"-Zeitung, sowie die "B.Z." und "T-Online".

"Ja, ich bin auch am Aussterben der Printmedien schuld."

Auch auf Twitter informiere er sich, so Bushido weiter. Ein Verteidiger war überrascht: "Ich wusste gar nicht, dass das ein Nachrichtenportal ist", erklärte er. Ob das denn dann auch für Instagram gelte? Bushido darauf: "Ich habe gehört, Instagram ist für die Models, Twitter für die Schlauen." Er machte eine Kunstpause. "Deswegen sind Sie auch bei Instagram." Der Verteidiger musste lachen.

So endete auch der neunte Prozesstag mit jeder Menge offener Fragen. Die kommenden Verhandlungen werden sich wohl weiter nicht um die Anklage, sondern um die Durchsuchung in Kleinmachnow drehen. Das Gericht will zunächst mal klären, ob es denn nun einen Durchsuchungsbefehl der Steuerfahndung für Bushidos Haus gegeben hat oder nicht. Dazu werden voraussichtlich mehrere Zeugen geladen, auf jeden Fall aber eine Steuerfahnderin.

Ob und wann Bushido mit seiner Aussage zu den eigentlich zur Verhandlung stehenden Vorwürfen fortfahren kann, ist dagegen unklar. Es könnte durchaus sein, dass das Gericht dem Antrag der Verteidigung, den Prozess einzustellen, zustimmen wird.

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