Coronavirus
U.S. President Donald Trump holds a campaign rally in Phoenix, Arizona, February 19, 2020. REUTERS/Kevin Lamarque

Das neuartige Coronavirus hat längst die USA erreicht – und gefährdet nicht nur die Gesundheit der US-Amerikaner. Bild: reuters

Warum Donald Trump die Coronavirus-Krise fürchtet

Donald Trump gerät für seinen Umgang mit der Coronavirus-Krise in die Kritik – und versucht in einem seltenen Auftritt das Land zu beruhigen. Er weiß: Es geht auch um seine Wiederwahl.

Fabian Reinbold, Washington / t-online

Jetzt grassiert auch in den USA die Furcht vor dem Coronavirus. Bislang sind gerade einmal 60 Krankheitsfälle im Land bekannt, nach bisherigen Erkenntnissen ist kein Amerikaner daran gestorben. Doch die vergangenen Tage haben die Börsen in New York, die amerikanische Öffentlichkeit und insbesondere auch Donald Trump nervös werden lassen.

Und so betrat der US-Präsident am Mittwochabend einen Raum im Weißen Haus, den er sonst im Gegensatz zu seinen Amtsvorgängern, strikt meidet: den Pressesaal. Trump gab eine richtige Pressekonferenz.

Bei dem Auftritt hatte Trump, umrahmt von Behördenleitern, Gesundheitsminister Alex Azar und Vizepräsident Mike Pence , vor allem eine Botschaft: Keine Panik! "Das Risiko für das amerikanische Volk bleibt sehr gering." Diesen Satz wiederholte Trump beim einstündigen Auftritt in allerlei Variationen. Man habe die "großartigsten Experten der Welt" versammelt, so Trump.

Trump vs. Experten

Die Optik des Auftritts sollte in erster Linie suggerieren, dass die Regierung bei der Bekämpfung des Coronavirus an einem Strang ziehe. Denn genau daran gibt es erhebliche Zweifel. Trump gab bekannt, dass von nun an Vize Pence den Kampf gegen das Virus leiten werde.

Und selbst in diesem Moment widersprachen die Sachverständigen, die mit ihm die Bühne teilten, den Botschaften der Entwarnung, die der Präsident verbreitete. Während Trump sagte, es sei noch unklar, ob es wirklich zu einem Ausbruch komme, sagte die Vize-Leiterin der US-Gesundheitsbehörde, man rechne mit neuen Fällen. Kollegen von ihr hatten zuvor etwa Schulen gewarnt, sich auf einen Ausbruch einzustellen.

Das ist ein grundlegendes Problem, wenn es darum geht, ob und wie die Amerikaner dabei helfen werden, die drohende globale Coronavirus- Pandemie und die Ausbreitung in ihrem 320-Millionen-Einwohner-Land in den Griff zu bekommen. Trump widerspricht immer wieder den Experten, doch im Präsidialsystem entscheidet letztlich der Präsident, was getan wird – und was nicht.

Virus ist für Trump auch eine politische Gefahr

Anders ausgedrückt: Wie gut können die USA die Corona-Krise meistern, sollte der Präsident die grundlegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse ignorieren? Zuletzt behauptete der Präsident, das Problem würde sich ganz von selbst erledigen, wenn der Frühling wärmere Temperaturen bringe.

Trump beklagte in den vergangenen Tagen immer wieder, die Medien hätten das Problem mit dem tödlichen Virus aufgebauscht. Diese Äußerungen haben auch damit zu tun, dass das Coronavirus zwar in erster Linie ein Problem der öffentlichen Gesundheit ist, aber für Trump auch ein politisches Problem zu werden droht.

Posten gestrichen, Haushalt gekürzt

Für den Präsidenten steht viel auf dem Spiel. Zum einen gibt es deutliche Kritik an den Kürzungen in jenen Bereichen, die sich der Bekämpfung von Pandemien widmen, wie sie nun mit dem Coronavirus drohen. Trump strich etwa im Nationalen Sicherheitsrat die Position des Koordinators für Bekämpfung von Pandemien. In einem aktuellen Entwurf ist der jährliche Haushalt der US-Seuchenschutzbehörde CDC um ein Sechstel gekürzt und jener des Gesundheitsministeriums um ein Zehntel. Der Haushaltsvorschlag kam vor zwei Wochen, als die Corona-Krise längst tobte. Im Kongress wird dagegen Widerstand erwartet.

Zur Bekämpfung des Coronavirus hat das Weiße Haus die Summe von 2,5 Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro) beim Kongress beantragt – die Summe ist Vertretern beider Parteien zu gering veranschlagt. Trump selbst sagte bei seinem Auftritt über die Krankheit: "Behandeln wir sie wie die Grippe."

Bei den Demokraten setzt es heftige Kritik an Trumps Umgang mit der Krise. Der bissigste Kommentar kam von Nancy Pelosi, der Sprecherin des Repräsentantenhauses: "Ich denke nicht, dass der Präsident weiß, wovon er spricht. Wieder einmal."

Rezession würde Trumps Wahlstrategie durchkreuzen

Zum anderen treibt den US-Präsidenten die Sorge vor wirtschaftlichem Einbruch infolge einer Coronavirus-Pandemie um. Der Dow Jones war am Montag und Dienstag in die Tiefe geschossen und büßte innerhalb von fünf Tagen acht Prozent ein. Am Mittwoch teilte die Rating-Agentur Moody's mit, sie gehe von einer Wahrscheinlichkeit von 40 Prozent aus, dass das Coronavirus eine globale Pandemie verursache.

Wenn so es käme, würden die Welt- und die US-Wirtschaft im ersten Halbjahr 2020 in die Rezession abrutschen – das wäre für Trump ein massives Problem. Schließlich will er vor allem mit Verweis auf die Wirtschaft seine Wiederwahl im November sichern. "Das kann sich auf das BIP auswirken", sagte Trump auf eine Frage nach den Folgen für das Bruttoinlandsprodukt.

Eine Rezession würde nicht nur die Strategie Trumps durchkreuzen, sondern wird im Weißen Haus auch als eine Gefahr für dessen Wiederwahl gesehen.

Nur Minuten, nachdem Trump die Bühne im Weißen Haus verlassen hatte, meldete die US-Gesundheitsbehörde einen neuen Fall in Kalifornien – es handelt sich offenbar um den ersten Patienten in den USA, der weder in ein Gebiet mit Infektionen gereist sei, noch Kontakt zu einem der bislang bekannten Infizierten gehabt habe.

Dieser Artikel erschien zuerst bei t-online.de

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