USA
President Donald Trump talks with ABC News anchor George Stephanopoulos before a town hall at National Constitution Center, Tuesday, Sept. 15, 2020, in Philadelphia. (AP Photo/Evan Vucci)

"Der Präsident und die Bürger", war der Titel der Titel der Sendung, bei der sich Donald Trump den Fragen von Bürgerinnen und Bürgern stellte. Bild: AP / Evan Vucci

Wählerin weist Trump bei Bürgergespräch zurecht: "Hören Sie auf"

Bei einem Bürgergespräch in Philadelphia ist US-Präsident Donald Trump von Fragestellern scharf kritisiert worden. Im zwischen Republikanern und Demokraten hart umkämpften Bundesstaat Pennsylvania fand das vom TV-Sender ABC News veranstaltete "Town Hall Meeting" statt. Dabei konnten ausgewählte Bürgerinnen und Bürger dem US-Präsidenten Fragen stellen. Allerdings scheiterte das Gespräch zum Teil schon an der Fragestellung, denn der Präsident stritt gleich bei den ersten Fragen die Prämissen der Fragesteller ab.

Zu Beginn stand die Corona-Politik des Präsidenten im Mittelpunkt. Zuletzt waren Interview-Mitschnitte vom März aufgetaucht, in denen Trump dem bekannten Investigativjournalisten Bob Woodward sagte, er habe das Coronavirus heruntergespielt. Wörtlich sagte er: "Ich wollte es immer herunterspielen. Ich spiele es auch immer noch gern herunter, weil ich keine Panik erzeugen will."

Im Bürgergespräch im National Constitution Center wollte die Zuschauerin Ajani Powell nun wissen, warum er das Virus heruntergespielt habe. Die Antwort Trumps klingt vor dem Hintergrund seiner letzten Aussagen absurd: "Ich habe es nicht heruntergespielt. Eigentlich habe ich es in vielerlei Hinsicht hochgespielt, was das Handeln betrifft", behauptete der Präsident. In diesem Stil gingen die Antworten Trumps dann weiter.

Trump will Zuschauerin unterbrechen – diese reagiert energisch: "Lassen Sie mich meine Frage beenden"

Die angespannte Atmosphäre entlud sich vor allem bei der Frage der Zuschauerin Ellesia Blaque. Zunächst berichtete sie, dass sie mit einer Krankheit namens Sarkoidose geboren wurde. Die Behandlung koste sie jährlich fast 7000 Dollar an zusätzlichen Versicherungsbeiträgen, erklärte die Professorin.

"Diese Krankheit begann in meiner Haut, wanderte in meine Augen, in meine Sehnerven und, als ich die Graduiertenschule besuchte, in mein Gehirn", schildert sie die Auswirkungen der Krankheit. Dann will sie den Präsidenten auf dessen Plan ansprechen, die von Barack Obama eingeführte Gesundheitsreform "Obamacare" abzuschaffen. Doch Trump versucht zu intervenieren.

"Sollte die Regelung zu Vorerkrankungen, die Obamacare eingeführt hat, abgeschafft werden ...", formulierte Blaque ihre Frage, als Trump ihr ins Wort fiel. "Nein...", setzte der Präsident an.

Doch Blaque ließ sich nicht beirren: "Bitte hören Sie auf und lassen Sie mich meine Frage beenden, Sir", wies sie Trump zurecht. "Sollte das abgeschafft werden, werde ich innerhalb einer Zeitspanne von 36 bis 72 Stunden ohne meine Medikamente tot sein." Dann kam sie zu ihrer Frage: "Was werden Sie tun, um sicherzustellen, dass Menschen wie ich, die hart arbeiten und alles machen, was von uns erwartet wird, versichert bleiben können?"

Trump redet zunächst ein wenig um den heißen Brei herum und antwortete schließlich auf die Frage: "Sie werden eine neue Gesundheitsversorgung bekommen, und der Aspekt der Vorerkrankungen wird immer in meinem Plan enthalten sein".

Doch an dieser Stelle hakt Moderator George Stephanopoulos ein: "Ich habe Sie im Juni letzten Jahres interviewt und sie sagten, der Plan für die Gesundheitsversorgung würde innerhalb von zwei Wochen kommen. Im Sommer haben Sie Chris Wallace (Anm.: Moderator bei Fox-News) erzählt, der Plan würde in drei Wochen kommen". Daraufhin behauptet Trump: "Ich habe ihn bereits." Auf erneute Nachfrage von Stephanopoulos was dieser Plan konkrete beinhalte, geht Trump nicht mehr ein.

Professorin will Biden wählen, weil Trump ihre Frage nicht beantwortet hat

Trump hatte in der Vergangenheit die von Obama auf den Weg gebrachte Gesundheitsreform immer wieder als "Desaster" bezeichnet. Im Juni forderte sein Justizministerium den Obersten Gerichtshof dazu auf, das Gesetz zurückzuziehen. Sollte das geschehen, könnten fast 23 Millionen Amerikaner, die an Vorerkrankungen leiden, ihren Versicherungsschutz verlieren.

Dementsprechend aufgebracht verließ die Professorin Blaque das Bürgergespräch mit dem Präsidenten: "Er hat meine Frage nicht beantwortet", sagte sie in einem anschließenden Interview mit CNN und kündigte an: "Ich werde für Biden stimmen".

Laut einer Analyse von CNN stellte Trump während des Bürgerdialogs "mindestens 22 falsche oder irreführende Behauptungen" auf.

(lau)

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