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Von Smartphone-Displays erwarten wir gewisse Eigenschaften, gerade bei einem Gerät, das eingeklappt perfekt in die Hosentasche passt. screenshot: youtube

Samsungs neues Falthandy aus "Glas" hat ein hässliches Problem

Das neue Falthandy wirft Fragen zu einem Marketing-Versprechen der Südkoreaner auf. Der YouTuber JerryRigEverything hat es sich vorgeknöpft.

Daniel Schurter / watson.ch

"Ausverkauft", meldet Samsung auf seiner Website. Gemeint ist die erste Charge des Galaxy Z Flip, dem neuen Falthandy der Südkoreaner, das kürzlich lanciert wurde.

"Entdecke das erste Galaxy-Display aus flexiblem Glas, das du auf- und zufalten kannst."

Samsung-Werbeversprechen

Angeblich könnte das Galaxy Z Flip nicht weniger als eine Revolution sein, was faltbare Displays betrifft.

Das Portal "The Verge" beschreibt die Ausgangslage:

"Die Behauptung von Samsung, dass das neue Galaxy Z Flip 'ultradünnes Glas' verwendet, klang wie ein echter Durchbruch, als das faltbare Handy letzte Woche angekündigt wurde. Bisher wurden für die faltbaren Bildschirme Kunststoffdisplays verwendet, die selbst mit dem Fingernagel leicht verkratzt werden können. Das Z Flip, das den Wechsel zu Glas vollzieht, so dünn es auch sein mag, ließ uns hoffen, dass es einem langfristigen Gebrauch besser standhalten würde."

Samsung s Galaxy Z Flip foldable phone Samsung Electronics Co. unveils the Galaxy Z Flip foldable smartphone at a product event in San Francisco on Feb. 11, 2020. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY

Den Falt-Mechanismus hat Samsung laut eigenen Angaben massiv verbessert. bild:imago images / Kyodo News

Dann kam JerryRigEverything.

Das Pseudonym des 31-jährigen YouTubers Zack Nelson ist Programm. Er knüpft sich neue Hardware vor und testet sie auf Herz und Nieren. Oder genauer gesagt: Er malträtiert sie mit seinen Händen und diversen Folterwerkzeugen, um herauszufinden, wie robust und widerstandsfähig sie wirklich sind. Die Belastungstests vor laufender Kamera treffen einen Nerv. JerryRigEverything hat ein großes Publikum mit mehr als fünf Millionen Abonnenten. Zudem berichten bekannte US-Techblogs wie "The Verge" über die "Durability Tests".

Das Video ist nichts für schwache Nerven:

abspielen

Video: YouTube/JerryRigEverything

Alarmierendes Fazit: höchst anfällig auf Kratzer

Es handelt sich um Samsungs zweiten Versuch eines Falthandys, nachdem die Lancierung der ersten Generation des Galaxy Fold im Frühjahr 2019 zum Debakel wurde. Der Hersteller reagierte mit einem verbesserten Bildschirmschutz und einem verbesserten Scharnier, doch blieben Zweifel, was die Widerstandsfähigkeit des Geräts im Alltag betraf.

Nun sind die Ergebnisse des neusten JerryRigEverything-Foltertests auch nicht wirklich vertrauenerweckend. Der erfahrene Gadget-Tester kommentiert kritisch:

"Dieser Bildschirm ist in keiner Weise kratzfest."

JerryRigEverything

Als der YouTuber mit verschieden harten Kratzinstrumenten die Bildschirmoberfläche testet, zeigt sich, dass sich Samsungs ultradünnes "Glas" wie Kunststoff verhält. Das Z Flip beginne ab Stufe 2 und noch signifikanter ab Stufe 3 Kratzer aufzuweisen, was den Plastikschirmen des Galaxy Fold und des neueren Motorola Razr gleichkomme, schreibt "The Verge".

Zum Vergleich: Andere moderne Smartphones, die durch Sicherheitsglas (Gorilla Glass) geschützt sind, wiesen erst ab Stufe 6 Kratzer und tiefere Rillen ab Stufe 7 auf.

Das "Glas"-Versprechen

Womit wir beim eigentlichen Problem sind: Hat der Hersteller die Öffentlichkeit bewusst im Unklaren gehalten?

Bei der Enthüllung des Galaxy Z Flip habe der Hersteller kategorisch verlauten lassen, dass es sich um Glas handle, schreibt The Verge. Als der Tech-Journalist Dieter Bohn von Samsung-Vertretern wissen wollte, wer der Partner für die Herstellung des Glases sei, wie es gebogen wurde und welche Verfahren auf das Glas angewendet wurden, lehnte Samsung es ab, sich zu all diesen Fragen zu äußern.

"Versucht Samsung zu sagen, dass wir nur Kratzer auf der äußeren Schutzschicht sehen? Die sehen ziemlich tief und dauerhaft aus ..."

"The Verge"

Im JerryRigEvery-Video wird vermutet, dass Samsung ein hybrides Kunststoffpolymer verwenden könnte (mit eingemischten mikroskopisch kleinen Glassplittern). Und damit ließe sich der Bildschirm als "Glas" bewerben und vermarkten.

Das Problem bei solchen Marketing-Versprechen sei, dass bei den Kunden gewisse Erwartungen geweckt würden. Wenn von einem Glas-Display die Rede sei, dann betreffe dies auch die Widerstandsfähigkeit und die Kratzfestigkeit.

"Wenn Glas nicht Glas ist, dann spielt die Wahrheit keine Rolle."

JerryRigEverything

Eine Erklärung liefert dieser deutsche Samsung-Blogger:

Das Display besteht demnach wirklich aus Glas, darüber ist jedoch eine dünne Kunststoffschicht aufgetragen.

Dass tatsächlich (auch) Glas verbaut ist, musste dieser Twitter-User auf die harte Tour herausfinden ...

Samsung verspricht vergünstigten Display-Ersatz und Spezialfolie

Samsung informierte in einer Pressemitteilung darüber, dass für das Galaxy Z Flip ein vergünstigtes Display-Austauschprogramm angeboten wird, ähnlich wie auch schon beim Galaxy Fold. Für 109 Euro könnten Käufer defekte Bildschirme (im ersten Jahr) ersetzen lassen.

"Um Nutzern die bestmögliche 'Foldable'-Erfahrung zu bieten, ist beim Kauf eines Galaxy Z Flip ein individueller 'Customer Care'-Service inklusive. Dieser beinhaltet einen 24/7-Hotline-Service, der Fragen jederzeit beantwortet. Zusätzlich zur Samsung-Garantie haben alle Galaxy-Z-Flip-Anwender Anspruch auf einen einmaligen Bildschirmreparaturservice zu einem reduzierten Preis von 109 Euro im ersten Jahr."

quelle: samsung.com

Darüber hinaus soll Samsung laut The-Verge-Bericht einen speziell entwickelten Displayschutz anbieten. Die Folie werde auf Verlangen der Kunden (einmalig) gratis montiert.

Die Folie müsse von einem Spezialisten mit der richtigen Ausrüstung angebracht werden. Das heißt, bereits gekaufte Geräte müssen eingeschickt werden. Das Programm werde in Kürze lanciert, soll Samsung versprochen haben.

Eine offizielle Bestätigung von Samsung Schweiz zu dieser kostenlosen Display-Schutzfolie steht noch aus.

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