Deutschland
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Es knallte nur einmal in der ARD-Sendung "Hart aber fair" am Montagabend. Und das kurz. ard-screenshot

Gast bei "Hart aber fair" verärgert: "Ne, das ist rassistisch!"

Talkshow-Deutschland übt sich nach der Landtagswahl in Thüringen in mehr Ost-Analyse. In der ARD-Sendung "Hart aber fair" diskutierte Moderator Frank Plasberg die Unzufriedenheit vieler Ostdeutscher.

Im Grunde waren sich bei Plasberg anfangs alle einig: Die Verteufelung von Ostdeutschen aufgrund des starken Abschneidens der rechtspopulistischen AfD sei nicht zielführend – und schädlich für die Debatte.

"Hart aber fair" diskutiert Thüringen – und die AfD

Münkler fasste die Einigkeit der Runde so zusammen: "Man sollte jetzt nicht mit dem Begriff 'die Ossis' arbeiten, sondern, es ist ein Viertel der Bevölkerung, die so gewählt haben. Dafür mag's Gründe geben, die im Wesentlichen nicht sozioökonomischer Art sind, sondern sehr differenziert. Aber 75 Prozent haben das nicht gewählt und das ist eigentlich der Punkt, den man hier herausstellen muss."

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Der Politikwissenschaftler Münkler warb für Mäßigung in der Ost-Debatte. ard-screenshot

Das wollte Plasberg nicht. Stattdessen sprach man über Björn Höcke, der trotz seiner desaströsen Beliebtheitswerte die AfD bei der Landtagswahl zu einem Rekordergebnis geführt hatte. Die Thüringer Künstlerin Ehrenwerth erklärte: "Der Nationalsozialismus ist bei uns nie aufgearbeitet worden. Wenn ich mit älteren Leuten darüber spreche, was der Holocaust ist oder was zwischen '33 und '45 passiert, ist da wenig Wissen da."

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Clara Ehrenwerth hatte in der ARD nicht viel zu sagen. Dabei war sie die einzige, die aus Thüringen stammt. ard-screenshot

Lokalpolitiker Neubauer hat die Erfahrung gemacht, dass vielen Ostdeutschen das ganz eigene bürgerliche Verantwortungsbewusstsein fehlt: "Zu jedem, der zu mir kommt und sagt 'Die Stadt muss...', sage ich immer als erstes 'Die Stadt bist du, ich bin die Stadtverwaltung'. Das macht auch klar, dass wir alle etwas leisten müssen."

Wie viel Verantwortung muss man als Bürger leisten? Beim Stichwort Flüchtlingskrise 2015 schwappten die Emotionen in der ARD-Sendung hoch: Die sächsische Politikberaterin Hermenau, früher bei den Grünen, heute bei den Freien Wählern, erklärte, dass die Ostdeutschen ihre politischen Belange selbst in die Hand nehmen müssten. Bislang sei dies – aller demokratischen Teilhabe zum Trotz – nicht geschehen.

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Früher war Antje Hermenau Spitzenkandidatin bei den sächsischen Grünen, heute engagiert sie sich bei den Freien Wählern. ard-screenshot

"Hart aber fair": Gast ruft: "Nein, das ist rassistisch!"

Und dann legte sie los: "Es gibt eine Mehrheit in den ostdeutschen Bundesländern, die nicht damit einverstanden ist, wie Migration und Integration in diesem Land gehandhabt wird. Wenn die das im Westen drollig finden, dann schlage ich mal vor, die Länder machen das mal alle selbst – jeder so, wie er denkt. Oder gar die Kommunen können das entscheiden."

Die anderen Talk-Gäste wagten es nicht, Hermenau zu antworten. Die Rolle übernahm Plasberg selbst: "Vielleicht finden die im Westen es gar nicht drollig, haben aber mehr Erfahrung damit, weil sie einfach mehr Migranten in ihren Ländern haben." Hermenau erklärte, man wolle die Migrationsfrage "gerne so machen, wie wir es für richtig halten". Sie forderte "eigene Experimentierfelder", sonst hätten die Ostdeutschen "das Gefühl, sie werden untergebuttert".

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Das klang vage. Plasberg wollte unter dem Applaus des Studiopublikums mehr über die Angst mancher Ostdeutscher vor Migranten wissen: "Was könnte denn der Grund sein, wenn man selbst gar keine so schlechten Erfahrungen gemacht hat, weil es eben ganz wenig Migranten gibt?"

Hermenau: "Sorge, Angst – das ist doch menschlich." Da schaltete sich die Autorin Ehrenwerth ein und rief dazwischen: "Ne, das ist rassistisch!" Hermenau betonte: "Die Integration ist ein langwieriger Prozess und der sollte in den Händen der Leute liegen, die damit leben."

Plasberg fragte die Zwischenruferin Ehrenwert nicht nach ihrer Meinung. Stattdessen sprachen die "Hart aber fair"-Gäste im weiteren Verlauf der Sendung über Lösungen. Politologe Münkler stellte fest, dass die Bundesregierung in der Flüchtlingskrise besser hätte kommunizieren müssen. Mehr erklären, mehr ins Gespräch kommen – das ist auch für den Lokalpolitiker Neubauer das beste Mittel im Kampf gegen Rassismus.

Später sprach der Sozialdemokrat vom Kompromiss als "Klebstoff der Demokratie". Aber sind Kompromisse mit der AfD möglich?

Zu Beginn der Sendung hatte Ehrenwert davor gewarnt, dass die thüringische Gesellschaft mit "nationalistischem Gedankengut durchtränkt" sei. Später fragten Plasberg und die anderen die einzige Thüringerin der Runde immer weniger nach ihrer Meinung.

(pb)

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Ab jetzt AfD-Osten? So ein Quatsch!

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