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Allein in Auschwitz wurden mehr als eine Million Menschen ermordet. Bei Thalia wurden Bücher verkauft, die das bestreiten. Bild: getty images/screenshot/montage: watson

Der Buchhändler Thalia verkaufte Holocaustleugner-Bücher

Gleich mehrere Paragraphen des Strafgesetzbuchs regeln in Deutschland die Strafbarkeit der Holocaustleugnung. Der Buchhändler Thalia hat in seinem Onlineshop trotzdem Bücher verkauft, in denen der Holocaust geleugnet wird.

Bis vor kurzem war sogar ein Buch dabei, das schon 1980 bundesweit beschlagnahmt und anschließend auf die Liste der jugendgefährdenden Schriften gesetzt wurde. Erst nach öffentlicher Kritik hat Thalia die Bücher entfernt, in denen der Holocaust als "Mythos" oder "Hoax" bezeichnet wird.

Darunter ist etwa das Buch "The Hoax of the Twentieth Century" des amerikanischen Holocaustleugners Arthur Butz. In der Buchbeschreibung im Onlineshop von Thalia hieß es:

"Dr. Butz wendet die strenge klinische Technik des Wissenschaftlers auf jeden Eckpfeiler der Legende an. [...] Er untersucht genau die deutschen Aufzeichnungen, die so lange Zeit falsch dargestellt wurden; er kritisiert die europäischen Demografien, die den Verlust der sechs Millionen nicht zulassen [...]"

Aus dem Englischen übersetzt.

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Bild: screenshot

Die Message ist klar: Den Holocaust, den industriellen Massenmord an etwa sechs Millionen europäischen Juden, habe es nicht gegeben. Für 9,49 Euro war das Buch als E-Book zum Download verfügbar. Amazon hatte das Buch, zusammen mit weiteren Werken, in denen der Holocaust geleugnet wird, schon 2017 aus seinen Onlineshops in den USA und Großbritannien genommen, wo es bis dahin erhältlich war. 

Bereits seit 39 Jahren indiziert

Bis vor wenigen Tagen war auch das Buch "Der Auschwitz-Mythos" im Thalia-Onlineshop zum Download erhältlich. Das Buch des 2006 verstorbenen ehemaligen Luftwaffen-Offiziers und Richters Wilhelm Stäglich wurde schon 1980 bundesweit beschlagnahmt. Zwei Jahre später wurde es auf die Liste der jugendgefährdenden Schriften gesetzt. 

Erst nachdem der Journalist Marcel Laskus vor wenigen Tagen auf Twitter darauf aufmerksam machte, verschwand das Buch – zumindest in seiner deutschen Fassung – aus dem Shop. Der Blog Ruhrbarone berichtete am Mittwoch zunächst, dass eine englische Übersetzung des Buches weiterhin angeboten werde. Mittlerweile wurde auch diese aus dem Thalia-Shop entfernt. Weitere Bücher blieben jedoch zunächst weiter online. Im Laufe des Mittwochvormittags, nachdem auch watson eine Anfrage an die Buchhandels-Kette geschickt hatte, löschte Thalia dann schließlich alle Bücher des betreffenden Verlags aus seinem Sortiment.

Der Holocaustleugner-Verlag

Die Bücher werden vom Verlag "Castle Hill Publishers" aus dem englischen Uckfield vertrieben. Der Verlag wurde vom deutschen Holocaustleugner Germar Rudolf gegründet, der unter anderem wegen Volksverhetzung mehrfach verurteilt wurde. 1999 floh Rudolf vor der deutschen Justiz und setzte sich in die USA ab, um einer Gefängnisstrafe zu entgehen.

Nachdem er 2005 nach Deutschland abgeschoben wurde, musste er schließlich doch noch ins Gefängnis. Er wurde zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Das Bundesamt für Verfassungsschutz bezeichnete Germar Rudolf in seinem Verfassungsschutzbericht 2004 als aktivsten deutschen Geschichtsrevisionisten.

Das sagt Thalia

Auf eine watson-Anfrage antwortete die Thalia-Pressestelle am Mittwoch schriftlich. Darin heißt es:

"Trotz sorgfältiger und regelmäßiger manueller Prüfung von Publikationen, die auf dem Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften stehen, sind verschiedene Holocaust leugnende Bücher, darunter der indizierte Titel 'Wilhelm Stäglich: Der Auschwitz-Mythos', in deutscher und englischer Sprache, von uns übersehen worden und so in den Thalia Online-Shop gelangt."

Dank der großen Aufmerksamkeit der "Facebook-Community" seien die Titel schnell entdeckt worden. Thalia hätte außerdem umgehend reagiert. (Thalia wurde spätestens am 21. Januar auf die Bücher hingewiesen. Ein Großteil wurde erst am 23. Januar aus dem Shop entfernt.)

Künftig wolle man die internen Kontrollmechanismen überprüfen. Ob Thalia Richtlinien zum Verkauf rechtsextremer und geschichtsrevisionistischer Bücher hat, beantwortete das Unternehmen nicht.

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