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Susanne Herpold erzählt von ihrer Krankheit. Bild: Screenshot ZDF

"Wahnsinn": Diese Covid-19-Leidensgeschichte macht selbst Lanz sprachlos

Die Corona-Fallzahlen steigen wieder. Das Robert-Koch-Institut meldete bis Mittwochabend 1445 neue Infektionen in Deutschland an einem Tag. Es ist der höchste Stand seit Anfang Mai, als die Zahl langsam zu sinken begonnen hatte. Das Coronavirus, so scheint es, hat sich aus der "Sommerpause" zurückgemeldet.

Ebenfalls aus der Sommerpause zurück ist "Markus Lanz". Und der hatte am Mittwochabend mit Susanne Herpold eine Frau zu Gast, deren Geschichte angesichts steigender Zahlen, ungebrochener Urlaubsfreuden und Corona-Kritikern nicht weniger als eine überlaute Warnung ist – liebe Leute, bitte, bitte nehmt das Virus ernst. Ihre Erzählung machte selbst den erfahrenen Talker Lanz zwischenzeitlich sprachlos.

Um Haaresbreite überlebt

Herpold gehört zu den ersten Deutschen, die an Covid-19 erkrankten. Eingefangen hat sie sich das Virus in Tirol, beim Skiurlaub in Ischgl. "Das ist eine ernstzunehmende Krankheit", mahnt die 55-Jährige gleich zu Beginn, "das ist keine leichte Grippe, die man da hat."

Herpold weiß, wovon sie redet. "Sie haben um Haaresbreite überlebt, kann man das so sagen", stellt Lanz fragend fest, und Herpold stimmt ihm zu. "Ja, kann man."

Sie erzählt dann, wie sie Anfang März zunächst an Fieber und sehr schwerem Husten litt. Der Anruf beim Hausarzt, mit der Bitte um einen Corona-Test, war erstmal vergebens, Ischgl sei "kein Krisengebiet", habe man ihr dort beschieden. Auch das Gesundheitsamt wollte keinen Test bei ihr machen.

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Herpolds Geschichte machte Lanz sprachlos. Auch Daniel Günther (mitte), CDU-Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, lauschte ihrer Erzählung andächtig Bild: Screenshot ZDF

Mit "Erpressung" zum Coronatest

Herpold blieb aber hartnäckig. "Ich habe meinen Hausarzt dann ein bisschen erpresst", gesteht sie bei "Lanz". Wenn Sie kein Corona haben könne (weil, Ischgl sei ja kein Krisengebiet), dann könne sie ja auch im Wartezimmer der Praxis "fröhlich in der Gegend rumhusten". Das wirkte, am nächsten Tag sei das Ergebnis dagewesen, positiv.

"Wahnsinn", entgegnet Lanz angesichts Herpolds Geschichte, "Ich habe gerade eine Gänsehaut."

Lanz weiß zu diesem Zeitpunkt schon, wie die Geschichte weitergehen wird, und welch großes Glück die 55-Jährige hatte. In einem anderen, sehr ähnlichen Fall, sei die Person, ein 52 Jahre alter Mann aus dem Ruhrgebiet am Ende "daran gestorben", erzählt er noch von einer früheren Sendung.

Acht Tage habe sie noch zu Hause gelegen, führt Herpold weiter aus, mit sehr trockenem, festen Husten. Immer schlechter habe sie Luft bekommen, dann rief ihr Mann beim Hausarzt an – und die schickten den Krankenwagen. "Die kamen ganz in Gelb, in Schutzanzügen", berichtet Herpold.

Mehrere Tage lag sie dann auf der Isolierstation eines Krankenhauses, immer mehr Sauerstoff sei ihr zugegeben worden, bis "ich irgendwann nicht mehr konnte". Das Fieber tue sein übriges, der Körper sei "total ausgemergelt".

"Oh Gott, oh Gott", entgegnet Lanz da und fragt unumwunden: "Wie fühlt sich das an?" Die Antwort: "Sehr beängstigend."

"Ein Gefühl wie ertrinken"

Nachts um drei Uhr sei sie geweckt worden, umringt von lauter Ärzten, die Diensthabende habe ihr dann eröffnet, sie würde nun sofort ins künstliche Koma gelegt, ihre Lunge sei kurz davor, zu kollabieren. "Da geht die Pumpe, das sage ich Ihnen. Man hat auch Angst", stellt die 55-Jährige klar. Eine kure Whatsapp habe sie noch an ihre Familie schicken können, dann war sie "weggedrückt".

Acht Tage später hätten die Ärzte sie das erste Mal geweckt, aber "das ist misslungen", sie habe "einfach keine Luft bekommen". "Dann haben sie mich nochmal fünf Tage weggedrückt." Ein Gefühl wie Ertrinken, stellt Lanz fest. "Wie Ersticken", antwortet Herpold.

"Wahnsinn"

Wie viel sie im Koma mitbekommen habe, will Lanz als Nächstes wissen. Einiges, so die Antwort. Sie habe etwa miterlebt, wie eine Krankenschwester ihr etwas vorgesungen habe, auch wenn sie das im Koma zunächst für einen Traum gehalten habe. Eine andere habe ihr die Haare geflochten, lobt sie die Bemühungen der Krankenschwestern.

Wegen des Kontaktverbots habe ihre Familie sie zudem nicht besuchen dürfen, erzählt Herpold weiter. "Es durfte ja auch keiner aus meiner Familie zu mir."

"Das heißt, sie lagen da, in Bauch- oder Rückenlage. Kein Kontakt mit ihrer Familie", stellt Lanz fest. "Null", antwortet Herpold. In dem Moment, da entsteht der Eindruck, man könnte die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören, würde sie jemand fallen lassen. So still war es im ZDF-Studio.

Und Lanz, der sonst um kein Wort verlegen ist, ist an dieser Stelle wirklich sprachlos. Dann sagt er, in die Stille seines Studios hinein: "Wahnsinn."

(pcl)

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