Deutschland
Vector blue spiral pattern (Chinese auspicious clouds) background textured

Bild: imago/watson-montage

Gesundheitliche Probleme – Wagenknecht kandidiert nicht mehr als Linken-Fraktionschefin

Paukenschlag bei der Linkspartei. Fraktionschefin Sahra Wagenknecht kandidiert nach vier Jahren im Amt im Herbst nicht erneut. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Montag aus Fraktionskreisen. Auch das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtete darüber. Zur Begründung verwies Wagenknecht demnach auf gesundheitliche Probleme.

Zuletzt hatte Wagenknecht wegen einer nicht näher genannten Krankheit zwei Monate lang pausiert und deshalb auch beim Linken-Parteitag in Bonn gefehlt. Inzwischen gehe es ihr wieder gut, teilte sie am Montag der Fraktion mit. Allerdings habe ihr die lange Krankheit Grenzen aufgezeigt, die sie in Zukunft nicht mehr überschreiten wolle. Auslöser seien Stress und Überlastung gewesen.

Es ist der zweite Wagenknecht-Rückzug innerhalb weniger Tage. Erst am Wochenende war bekannt geworden, dass Wagenknecht sich ein halbes Jahr nach Gründung ihrer linken Sammlungsbewegung "Aufstehen" aus der Führung zurückziehen wird.

Wagenknecht hat sich auch aus "Aufstehen"-Spitze zurückgezogen

"Wir brauchen eine Neuaufstellung an der Spitze von "Aufstehen"", sagte die 49-Jährige der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Die Parteipolitiker sollten sich zurücknehmen, das betrifft auch mich selbst. Sie waren mit ihren Erfahrungen anfangs notwendig. Aber jetzt ist es richtig, Verantwortung abzugeben."

Über ihre Gesundheit sagte Wagenknecht:

"Ich war jetzt knapp zwei Monate krank, und die gesundheitlichen Probleme waren eine direkte Folge des extremen Stresses, den ich in den letzten Jahren hatte. Inzwischen geht es mir wieder gut, aber ich muss in Zukunft mein Arbeitspensum etwas anpassen und eine neue Balance finden."

"FAZ"

Wagenknecht hatte "Aufstehen" Anfang September zusammen mit ihrem Ehemann Oskar Lafontaine gestartet, um linke Wähler zu erreichen, die sich von den klassischen Parteien abgewendet haben. Bei der Linken stieß sie damit auf viel Ablehnung, auch die Spitzen von SPD und Grünen reagierten skeptisch. Heute zählt die Bewegung nach eigenen Angaben rund 170 000 Unterstützer, spielt politisch aber keine sichtbare Rolle. Anders als bei Parteien muss man keinen Mitgliedsbeitrag zahlen und kann sich einfach im Internet anmelden.

Innerhalb der Linkspartei war Wagenknecht schon lange nicht mehr unumstritten. Vor allem ihre Haltung in der Flüchtlingspolitik brachte ihr viel parteiinterne Kritik ein.

(hau/dpa)

Mehr in Kürze auf watson

Exklusiv

Sahra Wagenknecht: "Klimaschutz darf kein Elitenthema bleiben. Fridays for Future fand an Gymnasien und Hochschulen statt, aber kaum an Real- und Berufsschulen"

Die Linken-Politikerin spricht im watson-Interview über das Erbe der Ära Merkel, ihren Blick auf Fridays for Future – und darüber, warum diskriminierte Minderheiten aus ihrer Sicht wenig von Diversity und Frauenquoten haben.

Im November 2019 lag Sahra Wagenknecht vor Angela Merkel. Ein paar Wochen, bevor die Welt zum ersten Mal von einem neuartigen Coronavirus hörte, war sie zumindest laut einer Umfrage des Instituts Insa Deutschlands beliebteste Politikerin, vor der Bundeskanzlerin. Wagenknecht ist seit fast drei Jahrzehnten auf der politischen Bühne: erst als Vertreterin der "Kommunistischen Plattform" in der PDS, einer Vorgängerpartei der Linken, später als Vizechefin der Linkspartei und als Fraktionschefin …

Artikel lesen
Link zum Artikel