Deutschland
Lindenpforte in Cottbus DEU/Brandenburg/Cottbus  Lindenpforte - das Cottbuser Stadttor: Um schneller von der Altstadt den Markt in der Neustadt erreichen zu koennen, durchbrach man im Jahre 1879 den alten Mauerturm in der Mauerstrasse. Entlang der 1200 Meter langen alten Stadtmauer von Cottbus: Türme, Tore und Wiekhäuser lassen den Grundriss der Altstadt erkennen. Blick in Richtung Cottbuser Altmarkt. Die Stadt an der Spree wurde im Jahr 1156 erstmals urkundlich erwaehnt. (

In Cottbus kam es in der Silverster-Nacht zu einer Messerattacke. Die Stadt reagierte sehr emotional.  Bild: imago stock&people/facebook-screenshot

"Ticket in die Heimat" – Cottbus bleibt beim umstrittenen Statement zum Messer-Angriff

Die Stadt Cottbus hat mit einer Erklärung zu einer Messerattacke auf einen 28-Jährigen in der Neujahrsnacht viel Kritik einstecken müssen. Bei dem Angreifer, nach dem noch gefahndet wird, handelte es zunächst nach Mitteilung der Polizei um einen „unbekannten Ausländer". 

Laut Polizei hatte das Opfer vor dem Angriff zunächst erfolgreich einen Streit geschlichtet. Wenig später habe der Unbekannte plötzlich ein Messer gezogen und auf den Streitschlichter eingestochen. Der 28-Jährige kam mit nicht lebensbedrohlichen Verletzungen ins Krankenhaus.

Die Stadt erklärte daraufhin:

"Sollte der oder die Täter hier noch ein Gastrecht genießen und kein unbeschriebenes Blatt sein, werden wir nicht zögern, ihm oder ihnen klarzumachen, dass er oder sie ein Ticket in die Heimat zu lösen haben."

Stadt Cottbus 

Weiter schreibt die Stadt:

"Wir lassen unsere Stadt nicht durch Typen beschädigen, die sich nicht benehmen können und denken, Konflikte auf diese Art lösen zu können."

Viele Nutzer im Internet warfen der Stadt daraufhin Nähe zu rechtspopulistischen und neonazistischen Positionen vor.

Die Reaktion der Stadt auf die Kritik

Stadtsprecher Jan Gloßmann erklärte die Pressemitteilung. "Die Wortwahl ist sicherlich drastisch aber inhaltlich ist dies die Linie, die von der Stadt auch bislang vertreten wurde", sagte er.

Gloßmann sagte gegenüber der Morgenpost: "Immer wieder wird die ehrenamtliche und die hauptamtliche Arbeit von vielen Menschen, die sich für Sicherheit und Ordnung sowie ein respektvolles Miteinander in der Stadt engagieren, von einzelnen einigen Wenigen in Misskredit gebracht." Aus dem Grund sei die Mitteilung "aus einer gewissen Emotionalität und auch aus einem gewissen Frust heraus" entstanden.

Am Mittwochabend wurde das Statement der Stadt geupdated und die Stellungnahme der Polizei hinzugefügt. 

Im neuen Statement heißt es:

"Grundsätzlich wollen wir klarstellen, dass wir gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in unserer Stadt sind. Jeder, der in unserer Stadt leben möchte, soll sich hier wohl und aufgenommen fühlen. Aber wir verurteilen auch jede Gewalttat, unabhängig davon, wer als Tatverdächtiger ermittelt wird. Jeder, der Gesetze missachtet und Straftaten begeht – ganz gleich welcher Herkunft – muss entsprechend die rechtlichen Konsequenzen in Kauf nehmen."

Allerdings bleibt das erste Statement mit der kritisierten Aussage zum Lösen des Tickets in die Heimat weiterhin in der Stellungnahme.

Die Polizei selber entschuldigte sich mittlerweile für die Aussage, den mutmaßlichen Täter als "unbekannten Ausländer" bezeichnet zu haben.

Vorwürfe gegen Cottbus nicht neu

Auch wenn Bündnisse wie "Cottbus Nazifrei"  für ein toleranteres Image der Stadt kämpfen, gab es dort in der Vergangenheit immer wieder Auswüchse rechter Gesinnungen.

Oder auch im Stadtbild selber. So ging im Januar 2018 der rechtspopulistische Verein "Zukunft Heimat" auf die Straße – ebenso wie in der Silvesternacht 2018. 

Das brandenburgische Innenministerium hatte im Januar 2018 verfügt, keine neuen Flüchtlinge mehr nach Cottbus zu schicken.

(tl)

So sahen die Proteste der Gelbwesten aus:

Trumps Twitter-Tiraden: So begann @realdonaldtrump

Video: watson/Max Biederbeck, Lia Haubner

0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!

watson-Story

"Deutschland, wir müssen reden": Polizist rechnet nach Stuttgart mit Kollegen ab

Am Wochenende ist ein gewöhnlicher Polizeieinsatz in Stuttgart in einer Katastrophe geendet: zerschmissene Geschäfte und 19 verletzte Polizisten. Hunderte Randalierer ließen ihrer Wut freien Lauf und attackierten die anwesenden Beamten auf offener Straße brutal. Die Schuldfrage wird nun unter Bürgern und Politikern diskutiert. Die Stimmung ist aufgeheizt. "Angespanntheit, Dünnwandigkeit und Lagerkoller", das sieht Oliver von Dobrowolski momentan.

Der Berliner ist Vorstand der Grünen Polizisten …

Artikel lesen
Link zum Artikel