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Er brachte auch die Jungen Liberalen in Bedrängnis: Thomas Kemmerich, FDP-Ministerpräsident. Bild: Getty Images/iStockphoto/imago images / Steve Bauerschmidt/watson

Meinung

Thüringen: Diese Reaktionen der Jungen Liberalen waren kaum zu ertragen

Da waren sie fast alle baff bei der FDP: Als sich ihr Thüringer Parteikollege Thomas Kemmerich am Mittwoch mit Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten wählen ließ, wussten die Liberalen offenbar nicht, wie sie reagieren sollten.

Die SPD sprach von einem "Tabubruch", die Grünen von einem "Verstoß gegen unsere Grundwerte". Die CDU kritisierte die eigenen Parteikollegen, die für Kemmerich gestimmt hatten, und forderte Neuwahlen. Und die FDP so? Vertröstete auf später bis zum Statement von Christian Lindner am Mittwochnachmittag.

Besonders baff waren sie offenbar auch bei den Jungen Liberalen. Kurz bevor Lindner an die Presse trat, twitterten die Julis: Die Wahl sei "eine große Überraschung", die Stimmen der AfD seien "für uns Junge Liberale kaum zu ertragen".

Kaum? Was sollte das denn heißen? So ein bisschen seien die Stimmen der rechtsextremen "Flügel"-AfD von Björn Höcke, die beim Verfassungsschutz als Verdachtsfall gilt, zu ertragen, solange man damit eine Wahl gewinnt?

Das musste man zumindest am Mittwoch annehmen, wenn man einigen prominenten Jungliberalen auf Twitter folgte.

AfD? Ups.

Matti Karstedt, Juli-Chef in Brandenburg, gratulierte Kemmerich. Später löschte er den Tweet, weil er vergaß, "das Offensichtliche zu problematisieren".

Die zweite Reaktion war aber auch nicht besser. Da schrieb Karstedt nämlich sinngemäß: Aber die CDU hat's auch mitgemacht.

Oder da war Benedikt Brechtken, Vorsitzender der Julis im Kreis Recklinghausen, den der Satiriker Jan Böhmermann am Wochenende unsanft und zu Unrecht in Verbindung mit Rechtsextremisten gebracht hatte. Ihm fiel am Mittwoch dann nichts Besseres ein, als Witze über die Wut der "Linken" zu machen.

Heißt also: Die AfD-Stimmen sind "kaum" zu ertragen, aber mit ein paar Provokationen gegen Links ist es okay?

Beide Julis, die sich auf Twitter so gerne als freshe, coole Liberale präsentieren und damit oft ein großes Publikum finden, haben sich mit ihren Reaktionen jedenfalls keinen Gefallen getan.

Lieber nichts sagen, als etwas Falsches sagen?

Und die Chefin der Julis, Ria Schröder? Die hatte in der Vergangenheit die Anbiederungen Lindners an die Konservativen in Sachen Flüchtlingspolitik kritisiert. Von ihr war am Mittwoch aber erstmal nichts zu hören.

Als dann am Mittwochabend bereits prominente FDP-Mitglieder vorgeprescht waren und deutlich gemacht hatten, Kemmerich müsse jetzt zurücktreten, da sagte auch Schröder am Donnerstagmorgen dem "Stern": "Dass sich ein FDP-Ministerpräsident von der AfD wählen lässt, ist nicht hinnehmbar."

Da hatte die Welle der Kritik die Julis allerdings längst überholt. Die Causa Kemmerich hätte eine Chance für die Jungen Liberalen sein können, einmal deutlich zu machen, was Liberalismus eigentlich noch bedeutet. Stattdessen machten die Julis, die in vielen Dingen doch eigentlich progressiver agieren als die Mutterpartei, beim beschämenden Eiertanz der FDP mit. Das war wirklich kaum zu ertragen.

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