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CDU-Politiker Kretschmer lästert über SUV-Kritiker: Klimaaktivistin platzt der Kragen

Des Deutschen liebstes Spielzeug steht auf dem Spiel: das Auto. Im ZDF ging es bei Maybrit Illner um die Zukunft des Automobils. Seitdem die Klimakrise zum Topthema geworden ist, fragen immer mehr Menschen: Wie lange können wir noch auf die klimaschädlichen Automobile setzen?

Das Auto ist nicht nur schädlich fürs Klima – sondern auch für das Menschenleben direkt, sagt die Klimaaktivistin Velo und sprach von über 3000 Verkehrstoten im vergangenen Jahr. Velo warnt bei Illner insbesondere vor den SUV-Wagen, die besonders gefährlich seien: "Das sind richtige Stadtpanzer, die sind saugefährlich."

Nach einem schweren SUV-Unfall in Berlin mit vier Toten in der vergangenen Woche fing die Diskussion um die Sicherheit der Fahrzeugklasse an. VW-Chef Diess verdient gutes Geld mit den SUVs, er verteidigt bei Illner sein Geschäftsmodell: "Es gibt keine statistischen Daten, dass SUVs tatsächlich unsicherer sind."

Kretschmer sieht SUV nicht als Problem für die deutschen Straßen

Der Auto-Experte Dudenhöffer meint: "Man geht da in einen billigen Populismus, wenn man sagt: 'SUVs sind Teufelszeug.'" CDU-Ministerpräsident Kretschmer kann die Diskussion um den SUV nicht nachvollziehen: "Die Leute sollen fahren, was sie wollen." Deutschland scheine es richtig gut zu gehen, wenn der SUV das einzige Problem sei, lästerte der CDU-Politiker.

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Das schmeckt der Klimaaktivistin Velo gar nicht: "Wir haben es mit einer Klimakrise zu tun, und mit dem derzeitigen politischen Kurs fahren wir auf 2,5 bis 3,4 Grad globale Erwärmung zu. Das gefährdet die Lebensgrundlage auf diesem Planeten." Der Verkehrssektor, so Velo weiter, sei die einzige Technologiesparte in Deutschland, die seit 1990 keine Treibhausgasemissionen gemindert habe. Velo kämpft gegen das Auto, bei der Automesse IAA will sie mit Mitstreitern die Veranstaltung blockieren.

VW-Chef wehrt sich gegen Klimaaktivistin bei Illner

Kretschmer nannte den Streit um die SUV-Wagen eine "typische Berlin-Mitte-Diskussion. Den normalen Menschen auf dem Land ist das komplett wurscht."

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VW-Chef Herbert Diess. zdf-screenshot

VW-Chef Diess verspricht bei Illner: "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir in zehn, zwanzig Jahren fast nicht mehr über Verkehrstote reden werden. Das Auto wird sehr viel sicherer, das Auto wird emissionsfrei. Wir können in der Stadt völlig emissionsfrei fahren, und den CO2-Footprint werden wir mit Elektroautos halbieren."

Grünen-Politiker Hofreiter wehrte sich gegen ein radikales Autoverbot auf deutschen Straßen als Allzwecklösung: "Wir haben einen Anteil vom Auto von 80 Prozent, und selbst wenn das auf 70 Prozent runtergeht, und die Bahn sich verdoppelt, dann hat die nur 20 Prozent – und wenn die 70 Prozent mit Erdöl fahren, dann haben wir unsere Lebensgrundlagen auch ruiniert." Mit dieser etwas kreativen Rechnung forderte Hofreiter eine umfassende Verkehrswende.

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Verkehrsexperte kritisiert Pendlerpauschale

Kretschmer erinnert: "68 Prozent der Deutschen wohnen im ländlichen Raum, 68 Prozent der Arbeitsplätze sind im ländlichen Raum. Diese Leute müssen die Chance haben, am Leben teilhaben zu können, wirtschaftlich tätig zu sein, und dafür brauchen sie die individuelle Mobilität. Und deswegen so zu tun, als könnte man komplett auf Autos verzichten, ist eine Illusion."

Die Klimaaktivstin Velo schlägt bei Illner Carsharing-Modelle und Rufbussysteme für Menschen im ländlichen Raum vor. Sie sagt: "Wir könnten mit zehn Prozent (der derzeit 47 Millionen deutschen Autos, Anm. d. Red.) auskommen."

Der Auto-Experte Dudenhöffer ärgert sich: "Wir subventionieren Verkehr. Dadurch dass wir Pendlerpauschalen haben, motivieren wir die Leute weit weg von ihrem Arbeitsort zu wohnen." Seine Analyse: "Wir leben in einem Staat, in dem die Politik entschieden hat, Verkehr zu subventionieren."

Auch CDU-Politiker Kretschmer ärgert sich bei Illner – und zwar über den Grünen-Politiker Hofreiter, der ihm Miesmacherei vorgeworfen hatte. Kretschmer poltert: "Jetzt passen Sie mal auf, ich hab hier überhaupt nichts Skeptisches gesagt. Vielleicht sollten Sie mir mal zuhören." Kretschmer will die Verkehrswende dem Markt überlassen: "Der Verbraucher und der Markt entscheidet, wir sollen nicht Volkserzieher spielen. Das ist für die Grünen schwer zu ertragen, aber das ist so!"

Die Fronten um die Zukunft des Verkehrs sind verhärtet. Bei Illner schreien an dem Abend die Diskussionsteilnehmer immer wieder durcheinander. Wie jeden Tag auch im Straßenverkehr.

(pb)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Habenichts 13.09.2019 09:25
    Highlight Highlight Diese jungen Stadtmenschen sollen einmal 4 Wochen für eine 5 köpfige Familie auf dem Lande ohne Auto einkaufen und dann nochmals entscheiden, ob Autos notwendig sind.
  • Detlef Mueller 13.09.2019 07:25
    Highlight Highlight Wenn man den Grünen diesen Staat überlassen würde , dann wäre Deutschland zwar um etwas CO 2 leichter , aber um den Wettbewerb ärmer und die Zukunft ginge zurück ins Mittelalter. Diese Verbotspartei darf in Deutschland nie an die Macht kommen , sonst fahren wir wieder mit einem Pferdegespann zur Arbeit. Gott schütze uns vor solchen Träumern. Das Ausland lacht doch über Deutschland und das mit vollem Recht.

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