Deutschland
07.11.2019, Hamburg: Zwei Lufthansa-Luftmaschinen (Im Vordergrund) stehen geparkt am Flughafen Hamburg. Bei der Lufthansa hat um Mitternacht ein 48-Stunden-Streik der Flugbegleiter begonnen. Foto: Bodo Marks/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Wegen eines Streiks beim Kabinenpersonal hat die Lufthansa am Donnerstag und Freitag 1300 Flüge gestrichen Bild: dpa

Kabinenpersonal streikt weiter – hunderte Lufthansaflüge fallen aus

Bei der Lufthansa legen die Flugbegleiter zwei Tage lang die Arbeit nieder. Das bringt den Luftverkehr durcheinander, viele Flüge wurden abgesagt. Das Tauziehen mit der Gewerkschaft geht weiter.

Bei der Lufthansa haben die Flugbegleiter auch am Freitag ihren zweitägigen Streik fortgesetzt. Wie am Vortag fielen hunderte Flüge aus - vor allem an den beiden Drehkreuzen der Airline in Frankfurt und München.

Der 48-stündige Ausstand hatte am Donnerstag um Mitternacht begonnen. Rund 1300 Flüge wurden abgesagt, 600 davon am Freitag. Betroffen sind vor allem die Drehkreuze Frankfurt und München.

Am frühen Morgen seien 414 von 1362 Flügen annulliert worden, sagte ein Sprecher des Frankfurter Flughafens am Freitag. In den Terminals blieb es zunächst ruhig.

In München fallen am Freitag laut Lufthansa mehr als 200 Flüge aus. Schalter und Terminals waren nach Angaben einer Flughafen-Sprecherin am Morgen leer. Es gebe "keine langen Schlangen".

Auch nach Streikende werden für Samstag zunächst noch einige Absagen erwartet, weil Maschinen und Crews nicht an den richtigen Einsatzorten sind.

Der Konzern strich für Donnerstag bei seiner Hauptmarke Lufthansa rund 700 der weltweit 1100 geplanten Flüge, so dass viele Maschinen am Boden bleiben und auch ein Großteil der Überseeflüge ausfallen müssen. An Flughäfen im In- und Ausland wurden Verbindungen nach Frankfurt und München abgesagt.

Der Airline zufolge sind rund 180.000 Passagiere von den Ausfällen betroffen .

Ob Lufthansa-Fluggäste in der nächsten Woche wieder reibungslos fliegen können, ist indessen unklar. Zwar zeigten sich beide Seiten schon am Donnerstag zu Gesprächen bereit. Ufo-Sprecher Nicoley Baublies erklärte jedoch: "Wenn's nicht klappt, müssen wir am Montag verkünden, dass es weitere Streiks gibt."

Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo fordert für die rund 21,000 Lufthansa-Flugbegleiter höhere Spesen und Zulagen sowie den besseren Zugang für Saisonkräfte in reguläre Anstellungsverhältnisse. Für die vier anderen Flugbetriebe wurden jeweils separate Forderungen aufgestellt und Urabstimmungen abgehalten.

In dem gesamten Konflikt geht es aber hauptsächlich um die vom Konzern aufgeworfene Frage, ob Ufo überhaupt noch Tarifverträge für das Kabinenpersonal durchsetzen kann.

Streik bei der Lufthansa: Chaos bleib bisher aus

Den Kunden wurden Umbuchungen auf andere Gesellschaften und Tage sowie im innerdeutschen Verkehr auf die Bahn angeboten. Dort war am Donnerstagmorgen sowohl in Hessen als auch bundesweit die Verkehrslage normal, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn.

Auch in den Terminals der Flughäfen Frankfurt und München blieb es am Donnerstag ruhig. Es habe keine langen Warteschlangen an den Schaltern gegeben, berichteten Sprecher. "Wir gehen davon aus, dass sich die Passagiere im Vorhinein informiert haben", sagte eine Sprecherin des Flughafenbetreibers Fraport.

Kurz nach Beginn des Ausstands zeigte sich die Lufthansa grundsätzlich zu einer Schlichtung bereit. Vorstandschef Carsten Spohr erklärte, man wolle mit allen drei Gewerkschaften der Kabine Gespräche aufnehmen, "mit dem Ziel, im Interesse unserer Kunden und Mitarbeiter die gestern von der UFO angebotene Schlichtung zu vereinbaren".

Lufthansa wollte Streik gerichtlich stoppen

Baublies sagte der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstagmorgen, kurz nach der aufgehobenen Nachtruhe sei es "immer noch relativ ruhig" in Frankfurt und München. "Die ersten Kollegen, die jetzt zur Arbeit hätten kommen müssen, sind nicht erschienen. Die ersten Kollegen, die aus dem Ausland gekommen sind, haben sich schon den Streikaktivitäten angeschlossen."

Die Lufthansa war am Mittwoch in zwei Gerichtsinstanzen mit dem Versuch gescheitert, den Streik noch mit juristischen Mitteln zu stoppen. Sowohl das Arbeitsgericht Frankfurt als auch das hessische Landesarbeitsgericht lehnten eine Einstweilige Verfügung gegen den Streik ab.

Nach Einschätzung der Richter sind die Tarifverträge korrekt gekündigt worden, der Streikbeschluss sei gültig. Angriffe der Lufthansa-Anwälte gegen die kurzfristig geänderte Arbeitskampfordnung der Gewerkschaft lehnten sie ebenfalls ab. Hier handele es sich um interne Regelungen der Ufo ohne Außenwirkung.

Streik bei Lufthansa: Keine Ausweitung auf andere Fluglinien

Auch die Gewerkschaft Ufo zeigte sich am Donnerstag zu Gesprächen bereit. Ob die Gewerkschaft in Verhandlungen über eine Schlichtung eintrete, werde man nach den Gesprächen entscheiden, sagte UFO-Sprecher Nicoley Baublies am Donnerstag am Münchener Flughafen. Die Lufthansa habe in einem Brief an die Gewerkschaft Gespräche am Wochenende vorgeschlagen, um die Konflikte zu lösen und in konkrete Schlichtungsverhandlungen einzusteigen. Der Ufo-Vorstand habe das Angebot angenommen.

"Wir werden diesen Versuch machen. Wir wissen noch nicht, ob er erfolgreich ist." Man werde dann am Montag entscheiden. Die Flugbegleiter würden allerdings nicht wie geplant den zweitägigen Streik noch ausdehnen, sagte Baublies. Weder werde es eine Verlängerung geben, noch würden die Arbeitsniederlegungen auf die Töchter-Airlines ausgeweitet. Der laufende Streik bei der Lufthansa solle aber auch am Freitag unverändert stattfinden.

Zunächst war berichtet worden, dass die Gewerkschaft Ufo hat eine Ausweitung des Arbeitskampfes auf bis zu vier weitere Flugbetriebe plane.

Der Vize-Vorsitzende Daniel Flohr forderte Lufthansa auf, den festgefahrenen Konflikt zu beenden. "Wir brauchen konkrete Verhandlungen, die auf Augenhöhe geführt werden und schnell zu einem Abschluss gebracht werden können", sagte er der dpa.

Die Forderungen seien schnell umzusetzen und berührten Themen, die teils seit Jahrzehnten nicht mehr angefasst worden seien. Wenn es nicht zu einer Annäherung komme, habe man von dem Mitgliedern in Urabstimmungen ein eindeutiges Mandat erhalten. "Wir sind bereit für ausgeweitete Streiks, um unsere Forderungen durchzusetzen", erklärte Flohr.

In der ersten Frankfurter Gerichtsverhandlung hatte Lufthansa der Gewerkschaft noch sofortige Vorverhandlungen zu tariflichen Themen angeboten, die aber erst mit dem neu zu wählenden Ufo-Vorstand ab dem 15. Februar 2020 endgültig festgelegt werden könnten. Den jetzigen Vorstand lehne man weiterhin als nicht vertretungsberechtigt ab, sagte Lufthansa-Anwalt Thomas Ubber. Als letzte Möglichkeit zur Verhinderung des Streiks könnte Lufthansa auch eine Schlichtung verlangen, was aber letztlich auf eine Anerkennung des Ufo-Vorstands hinausliefe.

(pcl, mit Reuters/dpa/AFP)

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