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Die Zentrale des Bayerischen Rundfunks in München. Bild: imago images / Ralph Peters

Hass im Netz: Journalist macht BR schwere Vorwürfe – Sender reagiert

Der Journalist Richard Gutjahr arbeitet nicht mehr für den Bayerischen Rundfunk. Im Internet veröffentlichte er einen Brief an BR-Intendant Ulrich Wilhelm, dem er unter anderem vorwirft, Unwahrheiten zu sagen.

Außerdem beklagt Gutjahr, dass er als sogenannter fester freier Mitarbeiter keine rechtliche und kaum finanzielle Unterstützung von dem Sender bekommen habe, als er sich gegen Hass und Hetze gegen ihn und seine Familie vor Gericht zur Wehr gesetzt habe. Zuvor hatte er für den BR über Anschläge berichtet.

In dem Brief an den Intendanten berichtet Gutjahr unter anderem davon, dass Hass, Hetze und Morddrohungen zwar immer wieder nachgelassen, jedoch niemals ganz aufgehört hätten.

Dann schreibt der Ex-BR-Journalist:

"Erst vor wenigen Wochen sahen sich die Organisatoren eines Journalisten-Kongresses genötigt, mir Personenschutz zur Seite zu stellen, nachdem es Aufrufe auf Facebook gab, mich dort abzupassen."

Offener Brief von Richard gutjahr

Er habe BR-Intendant Wilhelm in einem persönlichen Gespräch gebeten, "mich bei der Bekämpfung dieser Kräfte aktiv zu unterstützen". Seine Bitte sei unerhört geblieben.

Welche Kräfte Gutjahr meint, ist seinem Blog anschaulich zu entnehmen. Zusammen mit seinem offenen Brief veröffentliche der Journalist dort Beispiele wüster Beleidigungen und Beschimpfungen, die er zugeschickt bekommen hatte.

Er habe versucht, Wilhelm seine Situation klar zu machen, so Gutjahr weiter. Von diesem wünschte er sich ganz offenbar, dass er sich aktiv vor seinen Mitarbeiter stellt und damit ein Zeichen gegen rechte Hetze gegen Journalisten und Politiker setzt. Doch Wilhelm habe stattdessen weggeschaut.

Seinen Brief beendet Gutjahr mit den Worten:

"Das Internet ist ein großartiges Geschenk, mächtiger als die Erfindung der Druckerpresse. Umso mehr liegt es an uns, mit dieser Technologie und der damit verbundenen Macht verantwortungsbewusst umzugehen."

So reagiert der BR auf die Vorwürfe

Der BR wies die Vorwürfe am Mittwoch zurück und teilte mit: "Der BR hatte Herrn Gutjahr eine Weiterbeschäftigung in einem interessanten, auf seinen Themenbereich zugeschnittenen Bereich angeboten. Er wollte diese aber nicht annehmen."

Daraufhin sei im März 2019 ein Aufhebungsvertrag in gegenseitigem Einvernehmen geschlossen worden. "Seitdem ist er nicht mehr für den BR tätig gewesen." Gutjahr hatte unter anderem die Sendung "Rundschau-Nacht" im BR moderiert.

BR startete Initiative gegen Hass im Netz

In der BR-Erklärung heißt es, Geschäftsleitung und der Vorsitzende des Rundfunkrats des BR hätten sich in den drei Jahren mehrfach und intensiv mit allen Facetten des Falles beschäftigt.

"Der Hass, der Richard Gutjahr seit drei Jahren im Netz entgegenschlägt, ist beschämend. Die Verschwörungstheorien sind absurd, die Drohungen Herrn Gutjahr gegenüber erschütternd."

BR-erklärung

Wegen der Entwicklungen im Netz, wie sie auch Gutjahr beschreibe, habe der BR unter anderem mit dem Bayerischen Justizministerium und weiteren Medien eine Initiative gegen Hass im Netz gestartet. Mit dieser Kooperation könnten Hass-Angriffe gegen Journalisten in Bayern nun einfacher an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet und dort verfolgt werden.

Gutjahr war 2016 im Urlaub Zeuge des Terroranschlags in Nizza geworden, bei dem 86 Menschen ihr Leben verloren. Er berichtete als BR-Journalist für die ARD darüber. Nur acht Tage später wurde Gutjahr wieder Zeuge eines dramatischen Verbrechens: dem Amoklauf in seiner Heimatstadt München mit neun Toten.

(pcl/dpa)

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