Deutschland
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Armin Laschet (r.) hat an NRWs Schulen eine strenge Maskenpflicht angeordnet. Bild: screenshot zdf

Laschet macht bei "Hayali" Geständnis: "Muss man so zugeben"

maik mosheim

Wie gut sind wir auf die steigenden Infektionszahlen vorbereitet? Das fragt der Einspieler zu Beginn von "Dunja Hayali" am Donnerstagabend im ZDF. "Nicht gut", sagt Ute Teichert, Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes. Und liefert damit den Auftakt in eine interessante Talkrunde bei Moderatorin Hayali.

Einer, der am Anfang groß gelockert hat und nun eine strenge Maskenpflicht an Schulen einführt, ist Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Ab der fünften Klasse müssen Schüler auch im Unterricht eine Maske tragen. Einer der Gründe dafür: Die Angst vor den Reiserückkehrern, die den Coronavirus möglicherweise wieder vermehrt ins Land bringen. Gelten soll die neue Regel ab dem kommenden Schuljahr.

Kipping gegen Laschet

"Das wird nicht einfach", sagt Katja Kipping, Vorsitzende der Linken über die Maskenpflicht in den Schulen. Sie sieht den "Lockerungswettlauf", bei dem NRW eine Vorreiterrolle eingenommen hat, als Grund dafür, dass sich Deutschland immer weiter in eine zweite Welle manövriert. Armin Laschet sieht das anders. "Was meint denn überhaupt lockern?", fängt er an, als Kipping ihn unterbricht. "Bei Ihnen hieß das: Öffnung der Autohäuser", sagt sie leicht provokativ. Laschet gibt genauso provokativ zurück:

"Uns hilft da so eine parteipolitische Polemik nicht."

Armin Laschet

Wer jetzt im Recht ist oder auch nicht, ist dabei aber eigentlich total egal. Wichtig sind die Zahlen: Es gibt wieder mehr Infizierte, weitere Lockerungen sind momentan eher schwer zu verargumentieren, Verschärfungen der Maßnahmen allerdings auch.

Lascht macht Geständnis

Armin Laschet steht zu seinen Lockerungen. Er sieht die Vorgehensweise seines Landes als genau die richtige an, man habe damit versucht, die Waage zu halten zwischen Erhaltung der Wirtschaft und Schutz der Bevölkerung.

Ein großes Thema an diesem Abend sind die Gesundheitsämter. Für Laschet sind sie "die wichtigste Institution überhaupt". Er gesteht dabei aber ein, dass sie nicht ausreichend personell versorgt seien. "Da hat Frau Teichert recht, ausreichend ist das nicht", verteidigt sich Laschet.

"Muss man so zugeben: Sie wurden jahrelang nicht gut ausgestattet."

Armin Laschet über die Gesundheitsämter

Jedoch war bisher noch keine Pandemie da gewesen, an der man das hätte messen können, so Laschet.

Das ist auch Ute Teichert ein großes Anliegen. Es sei ihr ganz wichtig, an dieser Stelle nochmal darauf hinzuweisen, dass an allen Ecken und Enden Personal fehle.

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Kipping hört Armin Laschet bei einem seiner Plädoyers zu.

Armin Laschet nimmt diesen Hinweis gerne auf, hält ein Plädoyer dafür, dass es mehr Personal gibt. Dann hält er ein Plädoyer für umsichtigen Umgang mit den Maßnahmen und Lockerungen. Und dann hält er ein Plädoyer, dass das Virus uns noch monatelang begleiten könne und "wir" uns weiter rücksichtsvoll verhalten sollten. Linken-Chefin Kipping verzieht bei Laschets Plädoyers schmal die Lippen, es wirkt so, als würde sie ihm die Plädoyers nicht direkt abnehmen.

Und in der Tat wirken Laschets Worte an manchen Stellen gewollt weltmännisch, als hätte er die ganze Situation total im Griff.

Hayali bei Anti-Corona-Demo angefeindet

Die Anti-Corona-Demo in Berlin ist natürlich auch Thema bei Hayali. Die Moderatorin drehte vor Ort, der Film ist dann in der Sendung zu sehen. Erschreckende Bilder, auf denen Hayali und ihr Team von allen Seiten mit "Lügenpresse" diffamiert und teilweise rassistisch beleidigt werden. NRW-Ministerpräsident Laschet gesteht den Menschen zwar ihre Demonstrationsfreiheit zu. Aber: Wer sich nicht an das Infektionsschutzgesetz mit Maskenpflicht und Mindestabstand halte, der dürfe dann halt nicht mehr demonstrieren.

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Imhoff spricht über die Anti-Corona-Demonstranten.

Für den Sozialpsychologen Roland Imhoff ist es nicht verwunderlich, dass Menschen ihre Wut so klar äußern. Wer sich hilflos oder verunsichert fühle, warum auch immer, der entwickle daraus häufig das Gefühl einer solchen Wut. Und diese werde dann gegen potenziell Schuldige artikuliert. "Ob das jetzt Bill Gates ist oder die Bundesregierung", sagt Imhoff. Egal, wer am Ende für schuldig gehalten wird: Die zunehmende Wut mancher Teile der Bevölkerung beunruhigt. Den Diskurs zu suchen, auch wenn es manchmal unsinnig erscheint, ist daher wichtiger denn je.

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