Deutschland
Markus Lanz

Der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow war zu Gast bei Markus Lanz. Bild: screenshot zdf

Lanz nimmt Ramelow in die Mangel – dem reicht es irgendwann

Der Talk von Markus Lanz am Dienstagabend hätte bunt und vielfältig werden können. Mit ZDF-Journalist Elmar Theveßen, der sich zu Donald Trumps Wahlkampf und der aktuellen Corona-Lage in den USA live aus Washington äußern sollte, Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow, der Journalistin Kristina Dunz und den Ex-Handballern und Zwillingen Michael und Uli Roth, die 2009 gleichzeitig an Prostatakrebs erkrankt waren, hatte der Moderator spannende Gäste geladen. Doch am Ende war es vor allem Ramelow, der von Markus Lanz zum Fall Nawalny ordentlich in die Mangel genommen wurde.

Denn Ramelows Partei Die Linke hat sich im Zusammenhang mit dem vergifteten Kreml-Kritiker mit umstrittenen Äußerungen zu Wort gemeldet. So hatte Gregor Gysi bei "MDR Aktuell" kürzlich in Bezug auf die möglichen Täter behauptet: "Es kann ja auch sein, dass es ein Gegner der Erdgasleitung nach Deutschland war. Oder ein beauftragter Gegner, der wusste: Wenn man einen solchen Mord inszeniert, der dann der Regierung in die Schuhe geschoben wird, führt das zur Verschlechterung der Beziehungen." Eine Aussage mit Konfliktpotenzial. "Glauben Sie da auch dran?", wollte Lanz von Bodo Ramelow wissen.

Markus Lanz nahm Bodo Ramelow in die Mangel

Doch der Politiker wiegelte ab: "Erstmal habe ich da überhaupt keine Kenntnisse", erklärte er. Ob Gysi da mehr Kenntnisse hätte, bohrte Lanz weiter nach. Das wisse er nicht, entgegnete Ramelow bereits leicht genervt und erklärte:

"Auf Ihre Frage, ob ich dazu eine Meinung habe, kann ich nur sagen: Es empört mich, dass jemand, der öffentlich Kritik äußert und für eine andere Form des Miteinanders eintritt, damit rechnen muss innerhalb Russlands vergiftet zu werden."

Er finde, Russland und Putin müssten deutlicher machen, was sie für die Aufklärung des Falls tun würden. Er selbst stehe da klar auf der Seite der Bundesregierung. Aber Lanz ließ nicht locker. Russland tue ja "aufreizend wenig" für die Aufklärung, bohrte er weiter. Ramelow betonte: "Auch da muss ich sagen: Das weiß ich nicht, ich habe nur den Eindruck, dass dort ein großes Versteckspiel stattfindet."

Ramelow platzt der Kragen

Thüringens Ministerpräsident platzte an dieser Stelle der Kragen und er empörte sich: Wenn seine Partei nicht in den allgemeinen Tenor, Putin ist es gewesen, einstimme, müsse sie sich sofort mit dem Vorwurf, sie seien die fünfte Kolonne Moskaus, auseinandersetzen. Auch wenn Lanz beteuerte, ihm so etwas niemals zu unterstellen, war die Stimmung angespannt.

Dass der Linken-Politker Klaus Ernst sich auf Twitter mit einem ebenfalls umstrittenen Post im Fall Nawalny zu Wort gemeldet hatte, machte die Sache nicht besser. Ernst hatte geschrieben:

Auch hierzu forderte Lanz ein klares Statement von Ramelow. Doch dieser erklärte lediglich, dass man Ernsts Aussage, der Nachweis von Nowitschok würde nicht ausreichen, um Russland als Täter zu benennen, akzeptieren müsse. Er könne sich derzeit alles vorstellen. "Wenn wir rechtsstaatliche Maßstäbe fordern, dann bleibt es dabei, dass die Umstände der Vergiftung lückenlos aufgeklärt werden müssen. Und wir sollten uns erst dazu äußern, wenn wir es wissen", forderte Ramelow.

Bodo Ramelow: "Bin kein Anhänger dieser russischen Regierung"

Ramelow betonte allerdings: "Ich bin auch kein Anhänger dieser russischen Regierung." Aber er mische sich nicht in die weltpolitischen Ebenen in Moskau ein, weil ihm das einfach zu fern sei. Er werbe für rechtsstaatliche Grundprinzipien, lehne Foltergefängnisse und Ähnliches ab – die allerdings nicht nur eine rein russische Spezialität seien, wie er betonte. Dann spannte er plötzlich einen Bogen, der Lanz aber deutlich zu weit ging.

Markus Lanz

Markus Lanz und seine Talk-Gäste. Bild: screenshot zdf

Vom vergifteten Nawalny kam er ohne Umschweife auf die womöglich rassistisch motivierte Polizeigewalt in den USA zu sprechen. Das sei "genauso unerträglich, wie das Vergiften eines politischen Gegners", schlussfolgerte der Politiker. Ein Vergleich, den Lanz nicht gelten lassen wollte. Das eine hätte doch mit dem anderen nichts zu tun, warf er ein. Ramelow konterte nur: "Finden Sie nicht? Das eine ist unsere Freundschaftsmacht und das andere ist unsere Feindschaftsmacht. Also Entschuldigung, das ist mir alles zu einfach."

Das eine sei Polizeigewalt, das andere einen politischen Gegner umzubringen, warf Lanz ein, doch Ramelow beharrte:

"Das Ergebnis ist schon Tod. Also der eine lebt zum Glück noch, andere sind anschließend tot."

Dass der Moderator immer wieder auf die Haltung der Linken zu Nawalny zu sprechen kam, schien Ramelow langsam zu nerven. Er verstehe nicht, warum das Fragen seien, die nur die Linken beantworten sollten, beschwerte er sich.

Ramelow sorgte für Eklat im Landtag

Doch dann gelang doch noch der Cut – allerdings nicht, um einen anderen Gast zu Wort kommen zu lassen. Stattdessen lenkte Lanz das Gespräch auf einen Vorfall im Thüringer Landtag. Dort hatte Ramelow im Juli den AfD-Abgeordneten Stefan Möller den Mittelfinger gezeigt und ihn als "widerlichen Drecksack" beschimpft. Das hätte ihm nicht passieren dürfen, machte Ramelow in der Talk-Runde deutlich.

Der Ausraster hat nun allerdings ein Nachspiel, wie der Linken-Politiker in der Sendung berichtete: Er wurde von Möller angezeigt. Jetzt müsse er sehr genau aufpassen, was er sage, da die Staatsanwaltschaft genau auf ihn und die Angelegenheit schauen würde. Aber er wolle kooperativ mit der Staatsanwaltschaft zusammenarbeiten, kündigte er an.

Markus Lanz

Ramelow entschuldigte sich für seinen Ausraster. Bild: screenshot zdf

Ob er bereits einen Anwalt habe, fragte Lanz nach. "Es gab einen denkwürdigen Anruf danach von Gregor Gysi, der gesagt hat, er würde mich gerne vertreten und ich fühle mich gut vertreten, wenn Herr Gysi das Mandat übernehmen würde", sagte Ramelow. Nur solle er dann aber nichts zu Nawalny twittern oder zu etwas anderes, was Lanz dazu bringen könnte, ihn in die Sendung einzuladen, scherzte er.

Den Grund für den Ausraster gegen den AfD-Politiker erklärte Ramelow ebenfalls. Möller sei zuvor mit unangebrachten Aussagen über Geflüchtete oder die Initiative "Omas gegen rechts" aufgefallen.

Weihnachtsmärkte trotz Corona – für Ramelow denkbar

Zuletzt kam Lanz noch auf Ramelows Kurs in der Corona-Krise zu sprechen und wollte von ihm wissen, was er zu Jens Spahns Aussage sagt, die Schließung von Frisörläden sei im Nachhinein betrachtet möglicherweise überzogen gewesen. Ramelow machte klar:

"Ich halte solche Formulierungen für völlig deplatziert, weil wir es damals nicht wussten. Wenn ich es hätte vermeiden können, hätte ich es gemacht."

Dadurch, dass man zum Zeitpunkt der Schließungen noch von anderen primären Übertragungswegen des Virus ausgegangen war, seien die Entscheidungen aus dem März auch richtig gewesen, erklärte er. Man habe schließlich "keine anderen Erkenntnisse" gehabt.

Und diese Erkenntnisse dürften auch bei Ramelows abschließender Einschätzung hinsichtlich Weihnachtsmärkten eine Rolle spielen: "Ich kann mir Ballermann-Glühweinstände und gemeinsam am Strohhalm nuckeln nicht vorstellen", erklärte er. Aber er könne sich sehr wohl eine Präsentation von Waren ähnlich wie bei Wochenmärkten vorstellen, wenn der Zugang, die Hygiene und Desinfektion geklärt seien. Generell sei es in seinen Augen nicht die Lösung, sich vor dem Virus in der Wohnung zu verstecken. Das Leben müsse trotzdem irgendwie weitergehen.

(jei)

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