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Bodo Ramelow weicht Hayalis Aussage aus.

Hayali bohrt bei Corona-Test-Frage bei Ramelow nach – der flüchtet sich in Phrasen

maik mosheim

Stecken wir schon drin in der zweiten Welle? Steht sie uns bevor? Oder ist es doch am Ende alles unnötige Panikmache? Am Donnerstagabend bei Dunja Hayali im ZDF diskutieren Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow und die Virologin Ulrike Protzer von der Technischen Universität München über eine mögliche zweite Corona-Welle und welche Rolle Urlaubsrückkehrer dabei spielen können.

Dabei wird schnell deutlich: Bodo Ramelow hat an diesem Abend eine Meinung eingepackt.

„Wir müssen das Thema mal einordnen, damit wir nicht ständig über Angstbilder reden.“

Bodo Ramelow

Das betont er gleich zu Beginn und legt auch sofort nach. "Wir haben in den letzten 14 Tagen 47 Infizierte in Thüringen gehabt. Und das bei 2,16 Millionen Einwohnern2, sagt er. Der Monolog geht weiter: "Ich finde es alarmierend, wenn ich höre, dass in einigen Bundesländern, die Polizei in den Gaststätten die Corona-Listen für Ermittlungen verwenden." Auch, dass die Corona-Warn-App nicht vernünftig funktioniere, stößt ihm sauer auf. "Das ist nicht in Ordnung", wettert er. Die Anonymität der App sei die Grundlage des Vertrauens.

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Ramelow will eine Abkehr von Corona-Angstbildern.

Gerade in Thüringen wurde kürzlich ein neues Problem mit der App publik. Eigentlich sollten alle Corona-Patienten ein Formular vom zuständigen Gesundheitsamt erhalten, wenn sie positiv getestet wurden. Dieses sollte in der Theorie dann über einen QR-Code eingescannt werden und die Handynutzer, die Kontakt mit dem jeweiligen Patienten hatten, würden benachrichtigt. Doch die Druckereien kommen mit den Formularen nicht hinterher, sodass Patienten bei der Corona-Hotline anrufen müssten, um ihre eigene Infektion zu melden. Dass man dabei dann seine persönlichen Daten preisgeben müsse, verletze für Thüringen-Chef Ramelow die von ihm großgeschriebene, fast schon essenzielle Anonymität.

Ramelow interveniert bei Daten-Aussage

Virologin Ulrike Protzer teilt die Kritik von Bodo Ramelow zum Teil, sieht die Möglichkeit, bei der Hotline anzurufen, aber als vernünftige Alternative an. Ramelow offensichtlich nicht. "Darf ich da kurz intervenieren? Nur das Gesundheitsamt ist berechtigt, die Daten zu haben", wirft er ein. Dass man dann über die Hotline gehen müsse und dort seine persönlichen Daten preisgeben müsse, finde er "einfach nicht in Ordnung", das macht er mehrfach deutlich.

Auch zu verpflichtenden Corona-Tests für Reiserückkehrer aus Risikogebieten hat Ramelow eine Meinung – auch, wenn die relativ schwer einzuordnen ist. Ramelow spricht zunächst von der Eigenverantwortung eines jeden, sich im Urlaub an Hygieneregeln zu halten und anschließend, dass jeder Urlauber in Risikogebieten bereit sein müsse, nach der Rückkehr zwei Corona-Tests zu machen.

Hayali hakt nach – Ramelow flüchtet in Phrasen

Kurz darauf scheint er seine Meinung aber doch ein wenig revidieren zu wollen. Er plädiert dafür, mit "Eingriffen in die Freiheitsrechte" aufzupassen, was verpflichtende Tests für alle Rückkehrer angeht. Als Moderatorin Hayali ein wenig verwirrt dreinschaut und zu Ramelow sagt: "Das spricht doch dafür, dass man alle Rückkehrer testet", flüchtet der sich in Phrasen, dass alle Urlauber sich selber hinterfragen müssten, ob sie auf Abstände und so weiter geachtet hätten. Er hat ganz offensichtlich keine richtige Antwort auf die Frage Hayalis.

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Virologin Ulrike Protzer geht im Gespräch ein wenig unter.

Virologin Protzer darf zwischendurch auch mal mitmischen, geht in dem Gespräch allerdings ein wenig unter, antwortet auch teilweise nur vage. Über die geplanten und vielerorts auch bereits durchgeführten Corona-Tests am Flughafen nach Reiserückkehr sagt sie:

"Der Test macht Sinn, aber er ersetzt die Quarantäne nicht.“

Ulrike Protzer

Danach geht es bei "Dunja Hayali" um ein anderes, hochbrisantes Thema: Die Flüchtlinge in den Camps an den europäischen Außengrenzen, die dort unter meist menschenunwürdigen Bedingungen leben müssen. Die Moderatorin war selbst im Flüchtlingscamp Moria auf der griechischen Insel Lesbos, wie ein Einspieler zeigt.

Merz gegen Bedford-Strohm

Dass die Menschen dort Hilfe brauchen, darüber ist sich die Runde mit dem CDU-Kanzlerkandidaten Friedrich Merz und dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, einig. Worüber sie sich nicht einig ist, ist die Intensität der Hilfe. Bedford-Strohm wünscht sich, dass Deutschland mehr macht, mehr Flüchtlinge aufnimmt und so die Situation in den Lagern hilft zu entspannen.

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Friedrich Merz lässt sich nicht auf eine klare Aussage festnageln.

Friedrich Merz appelliert dafür, zunächst einmal stolz auf die deutsche Leistung 2015 und 2016 zu sein, als man mehr als eine Million Flüchtlinge aufnahm. Dass das den Menschen, die jetzt in den Camps leben, eher weniger hilft, sei ihm aber natürlich bewusst.

Kirchenmann Bedford-Strohm bildet den Gegenpart zu Merz. Er versucht immer wieder, an ihn zu appellieren. "Jeder Mensch ist ein Geschöpf Gottes", sagt er. Und auch: "Europa hat es nicht geschafft, einen Verteilmechanismus zu organisieren." Das sieht Merz genauso, drückt es aber in bekannter Manier weniger konkret aus. Gleiches gilt für das Thema Seenotrettung.

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Bedford-Strohm fordert einen Verteilmechanismus.

Die evangelische Kirche hat gerade mitgeholfen, ein neues "Sea Watch"-Schiff zu finanzieren, das Geflüchtete vor dem Ertrinken retten soll. Friedrich Merz hakt ein: "Diese Schiffe sind ja nicht ohne Grund umstritten." Er betont, dass die Seenotrettung eine staatliche Aufgabe sei. Das Problem dabei: Die Seenotrettung ist in Deutschland derzeit quasi nicht existent.

Merz befürwortet staatliche Seenotrettung

Als Merz durch die Blume bekennt, dass er sich schon dafür einsetzen würde, die staatliche Seenotrettung wieder aufzubauen, versucht Moderatorin Hayali, ihn genau darauf festzunageln, fragt mehrere Male nach. Merz schafft es, jedes Mal unkonkret zu antworten, bis Hayali irgendwann sagt:

"Ich lege Ihnen damit jetzt nichts in den Mund, aber ich werte das als ein "ja" von Ihnen."

Dunja Hayali

Merz leistet zumindest keinen Widerspruch. Und schafft es mit der Zeit auch, Kirchenrat Bedford-Strohm ein wenig auf seine Seite zu ziehen. Von einem Gegenpart ist am Ende der Diskussion zumindest nur noch wenig zu sehen.

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