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April 14, 2020, Washington, District of Columbia, USA: United States President Donald J. Trump makes remarks during a meeting with Healthcare Executives in the Cabinet Room of the White House, Tuesday April 14, 2020. .Credit: / Pool via CNP Washington USA - ZUMAs152 20200414zaas152092 Copyright: xDougxMillsx

US-Präsident Trump hat die Zahlungen der USA vorerst eingefroren. Bild: www.imago-images.de / Doug Mills

Analyse

Was Trump bei seiner wüsten Attacke auf die WHO verschweigt

Im Rosengarten des Weißen Hauses knöpfte sich Donald Trump die WHO vor. Für die USA gebe es Licht am Ende des Tunnels in der Corona-Krise, las der US-Präsident am Dienstag vom Blatt ab. Um dann auf das eigentliche Thema seiner Rede zu kommen: die angeblichen Versäumnisse der WHO und den Zahlungsstopp seiner Regierung für die internationale Organisation.

"Heute weise ich meine Regierung an, die Zahlungen an die WHO einzufrieren, während wir die Rolle der WHO beim Missmanagement und bei der Vertuschung der Verbreitung des Coronavirus untersuchen", sagte Trump – um dann frei hinzuzufügen: "Jeder weiß, was da passiert."

Die WHO ist für Trump nun der Sündenbock für den katastrophalen Corona-Ausbruch, den die USA erleben. Kein Land hat mehr Fälle, kein Land hat mehr Tote in der Corona-Krise zu beklagen.

Für Politologe Josef Braml will Trump "in erster Linie von seinem Versagen ablenken", sagt er gegenüber watson. "Denn er ignorierte die frühzeitigen Warnungen seiner Nachrichtendienste und Berater und schmälerte die Corona-Pandemie zunächst als Witz, ja sogar als Verschwörungstheorie der Demokraten. Damit ließ er wertvolle Zeit verstreichen."

Bei seiner wüsten Attacke musste Trump vier eigene Versäumnisse verschweigen.

Trump nahm Hilfe der WHO nicht an

"Eine der gefährlichsten und kostspieligsten Entscheidungen der WHO war die katastrophale Entscheidung, sich gegen Reisebeschränkungen aus China und anderen Ländern auszusprechen", sagte Trump in seiner Rede. "Zum Glück war ich nicht überzeugt und setzte Reisen von China aus und habe damit unzählige Leben gerettet. Tausende und Abertausende Menschen wären gestorben."

Die Wahrheit ist aber auch: Fehlende Testkits in den USA haben verhindert, dass Infizierte identifiziert und isoliert werden konnten. Die US-Regierung lehnte die von der WHO zur Verfügung gestellten Tests ab, ließ stattdessen eigene Testkits entwickeln. Doch die eigenen Tests der Gesundheitsbehörde CDC waren zuerst fehlerhaft – danach kamen die USA mit der Produktion nicht mehr nach.

So konnten im ganzen Land unerkannt Seuchenherde entstehen. Zum Zeitpunkt des Einreisestopps Ende Januar war das Coronavirus schon längst im Land, der CDC meldete am 21. Januar die erste Coronavirus-Infektion in den USA.

Trump selbst lobte China

Die WHO habe es versäumt, die Angaben der chinesischen Regierung kritisch und zeitnah zu überprüfen, kritisierte Trump. Stattdessen habe sie Chinas Zusicherungen für bare Münze genommen und das Land gar für seine "sogenannte Transparenz" gelobt.

Aber Trump hatte China selbst anfangs ausführlich gelobt. Erst im Februar sagte er noch in einem Radio-Interview, China würde sehr "professionell" mit der Krise umgehen: "Ich denke, sie sind sehr fähig, Präsident Xi ist äußerst fähig und ich hoffe, dass es gelöst wird."

Hier das Interview:

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Video: YouTube/Factbase Videos

Auch der US-Präsident hinterfragte die Rolle Chinas in der Pandemie zunächst also nicht, sondern gab sich nach außen hin freundlich. Als das Ausmaß des Corona-Ausbruchs in den USA dann sichtbar wurde, sprach Trump nur noch vom "chinesischen Virus" – als habe allein China Schuld.

Trump nahm das Virus lange nicht ernst

Die späte Erklärung der WHO einer gesundheitlichen Notlage habe "wertvolle Zeit gekostet", sagte Trump in seiner Rede am Dienstag. Mit einem schnelleren und entschlosseneren Einschreiten der WHO hätte die Epidemie mit wenigen Toten auf ihren Ursprungsort begrenzt werden können, behauptete Trump. "Das hätte Tausende Leben gerettet und weltweiten wirtschaftlichen Schaden verhindert."

Die WHO verhängte die "gesundheitliche Notlage" am 30. Januar. Zu diesem Zeitpunkt redete Donald Trump die Gefahr durch das Coronavirus noch immer klein und verglich es mit einer Grippe. Selbst Anfang März behauptete er noch, die Gefahr sei minimal und das Thema durch die Demokraten aufgebauscht.

Trump muss früh um die Gefahr gewusst haben

Laut Trump hat die WHO viel Zeit verstreichen lassen. Aber auch der US-Präsident muss laut Medienberichten bereits im Januar von der Gefahr durch das Coronavirus gewusst haben. Ein ranghoher Berater des Präsidenten hatte bereits damals vor einer Coronavirus-Pandemie gewarnt und konkrete Vorschläge zur Eindämmung der Pandemie gemacht. Diese Vorschläge hat Trump allerdings erst im März umgesetzt.

"Eine den Fakten angemessene und gemeinwohlorientierte Reaktion hätte wohl Tausende Menschenleben in den USA retten und den sich abzeichnenden Einbruch der US-Wirtschaft lindern können", sagt Politologe Braml.

Zum Experten

Josef Braml ist USA-Experte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP). Aktuelle Analysen veröffentlicht er auch auf seinem Blog usaexperte.com.

Die Folgen des Zahlungsstopps an die WHO könnten gefährlich sein, findet der Experte. "Gefangen in seinem nationalistischen Narzissmus begreift Trump selbst in einer globalen Pandemie und einer sich abzeichnenden Weltwirtschaftskrise nicht den Gemeinsinn internationaler Kooperation. Er zerstört damit die Hoffnung, dass die Pandemie zu einer stärkeren internationalen Zusammenarbeit führen könnte", sagt Braml. Dabei wäre wissenschaftliche Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Impfstoffen, Diagnostika und Therapeutika überlebensnotwendig.

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    Alle Leser-Kommentare
  • RoLo43 15.04.2020 18:06
    Highlight Highlight So ganz sachlich und sauber wurden die Entwicklungsprozesse bei dieser Pandemie in keinem Land der Welt beurteilt und gesteuert. In vielen Medien klingen zu diesem Naturereignis auch immer wieder unschöne politische Seitenhiebe an.
    Man mag zu der von China veröffentlichten Chronologie stehen wie man will, aber alle dort genannten Fakten sind nachweisbar und kontrollierbar und zeigen auch Kritik zu eigenen Versäumnissen und Fehlern. Zum Beispiel von der ersten neuartigen, tödlichen Lungenentzündung am 08. Dezember bis zur Meldung an die WHO am 31. Dezember nach 41 Todesfällen in Wuhan.

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