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Bill Clinton (l.)  und sein Vorgänger George Bush (1924-2018)  Bild: imago/twitter/montage

Unter Freunden – Was sein Brief an Clinton über George Bush verrät

Es gibt merkwürdige Geschichten zwischen Präsidenten und ihren Nachfolgern. Als der Alexis Tsipras im Jahr 2015 als neu gewählter griechischer Premier in sein neues Amtszimmer als Regierungschef kam, fehlte alles vom Faxgerät, über Kugelschreiber, bis zum Notizblock. Selbst das Internet-Password war verschwunden.

Wie anders – und ungewöhnlich – war da das Verhältnis zwischen US-Präsident George H. W. Bush und seinem Nachfolger Bill Clinton. Der am Samstag verstorbene Bush hatte im November 1992 nach nur einer Amtszeit die Wahl gegen den jugendlichen Bill Clinton verloren.

Aber von Gram oder gar Missgunst keine Spur. Als Clinton im Januar 1993 seinen Dienst antrat, fand er im Oval Office im Weißen Haus einen aufmunternd väterlichen Brief seines Vorgängers. 

Lieber Bill,...

Am Samstag ist Bush im Alter von 94 Jahren gestorben. Mit seinem Nachfolger verband ihn eine tiefe Freundschaft. Daran wird gerade jetzt erinnert, in einer Zeit, in der Präsident Donald Trump das Land spaltet. 

Bush schrieb an seinen Nachfolger

"Lieber Bill, 
als ich in dieses Amtszimmer eintrat, spürte ich ein Gefühl für Verwunderung und Ehrfurcht... Ich weiß, du wirst das jetzt auch fühlen."

Bush gab nicht den altklugen Besserwisser, sondern den väterlichen Freund. 

Er gestand:

"Ich spürte nie die Einsamkeit, die einige Präsidenten beschrieben haben."

Bush wünschte dem Nachfolger "große Freude" im Amt. Und er warnte vorausschauend: 

"Es werden harte Zeiten kommen und Kritik, die noch schwieriger werden durch Kritik, die du nicht als fair erachtest."

Bushs abschließender Tipp an Clinton: 

"Ich bin nicht gut darin, Ratschläge zu erteilen, aber lass dich durch die Kritik nicht entmutigen."

In den USA wurde dieser Brief jetzt häufig zitiert. Es ist eine postume Kritik an Donald Trump. Der würdigte den Vorgänger, aber das Verhältnis war belastet. Bush sen. hatte angedeutet, dass er nicht für Trump gestimmt hatte. Auch bei der Trauerfeier für Bushs Frau Barbara, die im April nach 73 Jahren Ehe im Alter von 92 Jahren verstorben war, blieb Trump fern. Aus Respekt vor der Familie wie es hieß.

Wie anders das Verhältnis von Bush und Clinton. Beide schätzten sich, beide unternahmen gemeinsame Friedensmissionen und stießen Hilfsaktionen an, etwa für Haiti.

In einer Stellungnahme würdigte Clinton "ein großes Leben im Dienst an den Vereinigten Staaten" und betrauerte "den Verlust einer tiefen Freundschaft."

Bush senior hatte sie mit einem großherzigen Brief vor 25 Jahren begründet. Die USA werden seine Offenherzigkeit und Versöhnungsfähigkeit noch vermissen.

(per)

Die Kraft der Versöhnung #wirsindmehr – die Bilder des Konzerts

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