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Frankreich, Bauarbeiten an der Kathedrale Notre Dame in Paris Arret des Travaux de nettoyage du plomb autour de la Cathedrale Notre Dame de Paris NEWS : Notre Dame de Paris - 07/08/2019 JBAutissier/Panoramic PUBLICATIONxNOTxINxFRAxITAxBEL

BILD. IMAGO/PanoramiC MONTAGE:WATSON

4 Monate danach: Diese verrückten Ideen haben Architekten für Notre Dame

Vier Monate nach dem Inferno: Die Franzosen kritisieren die Befugnisse von Emmanuel Macron und debattieren darüber, wie die restaurierte Kathedrale aussehen soll.

Camille Kündig / watson.ch

Ein Gewächshaus oder ein Pool auf dem Dach? Oder doch lieber originaltreu ein Dachstuhl aus Eichenholz? Vier Monate ist es her, seit Frankreichs Wahrzeichen Notre Dame in den Flammen stand und der Spitzturm auf dem Dach der gotischen Kathedrale in sich zusammenbrach. Dem nationalen Zusammenhalt kurz nach dem Inferno von Notre Dame am 15. April ist mittlerweile einer Debatte um deren Umbau gewichen.

Pünktlich zu den Olympischen Sommerspielen 2024 in Paris soll die Kathedrale in neuem Glanz erstrahlen. Und – warum nicht – in moderner Form. Letzteres sorgt seither für viel Polemik.

Noch im April hatte Premierminister Edouard Philippe den Startschuss gegeben für einen internationalen Architekturwettbewerb. Architekten und Amateure aus der ganzen Welt übertreffen sich seither mit ausgefallenen Ideen, darunter Vorschläge, das Dach von Notre-Dame zu begrünen, dem Steinbau ein Glashaus oder Solarfliesen aufzusetzen oder gar ein Schwimmbad einzurichten. Letzteres gehört wohl zu den nicht ganz ernst gemeinten Ideen.

Das renommierte britische Architekturbüro Foster + Partners schlägt eine Lösung ganz aus Glas inklusive Aussichtsplattform vor. Den Spitzenturm wollen die Briten aus Kristallglas und Edelstahl bauen.

Vizum Atelier, ein Architekturbüro aus der Slowakei, möchte seinerseits anstelle des Turms eine weiße Spitze hinstellen, der von einem Lichtstrahl verlängert wird.

Sehr – sagen wir es mal so – überraschend, ist die Idee des französischen Designers Mathieu Lehanneur. Seiner Meinung nach muss das Flammeninferno historisch festgehalten werden. Dort, wo vorher der Spitzturm der Kathedrale stand, träumt er deshalb von einem Kunstwerk in Flammenform.

Ideen, die eigentlich nicht umzusetzen sind. Denn Frankreich hat eine Charta unterschrieben, die verlangt, denkmalgeschützte Gebäude in ursprünglicher Form zu restaurieren. Ein im Juli verabschiedetes Notstandsgesetz sieht aber vor, bestimmte Denkmalschutzregeln außer Kraft zu setzen, um den Aufbau zu beschleunigen – sehr zum Unmut vieler Franzosen.

Die Gegner einer Modernisierung der Kathedrale betonen, man dürfe nicht vergessen, dass es sich bei Notre Dame um ein religiöses Gebäude handelt. Da könne man nicht "n'importe quoi" (frz. für "irgendwas") machen. Dieser Meinung ist auch Marine Le Pen, Präsidentin der rechtspopulistischen Partei Rassemblement National. Sie lancierte auch bald den Hashtag #touchepasnotre auf den sozialen Medien.

Kurz nach dem Brand gab ihr eine Mehrheit der Franzosen laut einer YouGov-Befragung recht. 54 Prozent gaben an, dass die Kathedrale wieder so aufgebaut werden soll, wie sie vorher war.

Umstrittenes Entscheidungsverfahren

Die Regierung will auch die Bevölkerung fragen, welche Idee letztlich umgesetzt werden soll. Frankreichs Kulturminister Franck Riester kündigte in einem Interview mit LCI eine "große Debatte" darüber an, wie die Kathedrale in Zukunft aussehen soll.

Aber: Die letzte Entscheidung wird bei der Regierung liegen. Genauso wie damals 1981 bei François Mitterand und der gläsernen Pyramide des Louvres. Eine Eigenheit des französischen Politsystems, das den Spitznamen des Präsidenten Emmanuel Macron, "monarque républicain" (frz. für "republikanischer Monarch"), in den Medien nur verstärkte.

"monarque républicain"

Der auf den sozialen Medien oft erwähnte Spitznamen Macrons.

Dass es sich dabei um einen umstrittenen Entscheidungsprozess handelt, liegt auf der Hand. Kritiker werfen Macron vor, er wolle sein Ansehen mit einem raschen Aufbau verbessern. Möglicherweise zulasten des Kulturerbes. Zudem kritisieren sie, dass Macron einen Sonderbeauftragten für den Wiederaufbau ernannt hat, ohne die Einschätzung des Kulturministers hinzuzuziehen, geschweige denn, diesen im Voraus zu informieren.

Jean-Louis Georgelin, General im Ruhestand und gläubiger Katholik, soll nun dafür sorgen, dass die Kathedrale in fünf Jahren wieder aufgebaut wird. Einfach wird das nicht. Derzeit geht es noch immer darum, das beschädigte Monument zu sichern. Besonders der Gewölbebogen in Mittelteil könnte immer noch einstürzen.

Ein Teil der Arbeiten beinhaltet auch, Teile zu sortieren, zu reinigen und zu kategorisieren. "Wie in einem Mikadospiel", beschreibt eine "Spiegel"-Journalistin, die die Baustelle besuchen konnte, den Vorgang.

Spenden als PR?

Für Diskussionsstoff sorgten neben der möglichen Modernisierung der Kathedrale auch die Kosten für den Wiederaufbau, beziehungsweise die Spenden dafür. Mehrere französische Milliardärsfamilien kündigten finanzielle Hilfe an, zum Beispiel Arnault (LVMH) 200 Millionen Euro oder Bettencourt-Meyers (L’Oréal) 200 Millionen Euro. Daneben folgten weitere Unternehmer, Privatpersonen, Gemeinden und Konzerne und bereits am Tag nach dem Brand waren 900 Millionen Euro für den Wiederaufbau zugesagt worden.

In der Kritik steht, dass es möglich ist, hohe Steuergutschriften auf derartige Spenden zu erhalten. Obgleich die Familien teilweise auf Steuervorteile verzichteten, kritisieren linke Parteien und Aktivisten der Gelbwestenbewegung zudem, sie inszenierten ihre Spenden als PR-Aktion. Einige Beträge, insbesondere solche von Gemeinden, wurden seither eingefroren. Die Spender-Kommunen ließen verlauten, sie wollten abwarten, wie viel der Wiederaufbau tatsächlich kostet und wie das Geld konkret eingesetzt wird.

Der Erzbischof von Paris, Michel Aupetit, machte seinerseits inmitten all der Polemik klar, worum es ihm beim Wiederaufbau der Notre-Dame geht: Er will den Gläubigen ihre Kirche wieder zugänglich machen.

Bleibelastung bei Schulen

Die Sicherungsarbeiten von Notre Dame werden laut den Verantwortlichen noch Monate dauern. Momentan läuft auf der Baustelle aber nicht viel. Im Juli ist wegen der zu hohen Bleibelastung ein vorübergehender Baustopp angeordnet worden. Laut der Präfektur der Region Ile-de-France sollen die Arbeiten schrittweise und spätestens bis am 19. August wieder aufgenommen werden. Denn in den Flammen sind auch rund 400 Tonnen hochgiftiges Blei verbrannt, das sich im Dach, dem Spitzturm, dem Baugerüst und den Malereien befand. Neue Sicherheitsvorschriften und Maßnahmen zur Dekontaminierung der Kleidung sollen künftig die Arbeiter auf der Baustelle schützen.

Mitte Juli berichtete das Newsportal "Mediapart", dass in Schulen und Krippen in der Umgebung von Notre-Dame gefährlich hohe Bleistaubkonzentrationen gemessen worden seien. Bei einer Grundschule wurde der Grenzwert demnach um das Zehnfache überschritten. Die Behörden hatten dem Bericht zufolge bis Mai damit gewartet, Proben in den zehn Schulen und Krippen im Umkreis von 500 Metern um die Kathedrale zu nehmen. Vor einer Woche veröffentlichten die Pariser Behörden die Ergebnisse neuer Messungen in den Schulen und Krippen rund um Notre-Dame. Im Durchschnitt wurden demnach weniger als 70 Mikrogramm Blei pro Quadratmeter gemessen. Damit schlossen die französischen Behörden die Gefahr einer Bleivergiftung für Anwohner aus.

Wie die Behörden einräumten, wurden an einigen Schulen und Krippen außerhalb des 500-Meter-Umkreises vereinzelt aber auch zuletzt noch mehr als 1000 Mikrogramm Blei pro Quadratmeter gemessen, etwa auf Schulhöfen. Sie sollen nun bis zum Ende der Sommerferien "gründlich" gereinigt werden, wie Vize-Bürgermeister Grégoire zusagte.

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Brand in Notre-Dame – Pariser Feuerwehr hat den Kampf gegen die Flammen gewonnen

In der weltberühmten Kathedrale Notre-Dame ist am Montagabend ein verheerendes Feuer ausgebrochen. Videos und Fotos zeigten riesige Rauchsäulen, Flammen schlugen lichterloh aus dem Dachstuhl.

Der Brand sei auf dem Dachboden der Kathedrale ausgebrochen und gegen 18.50 Uhr entdeckt worden, hieß es. Eine Stunde später breitete sich das Feuer immer noch weiter aus. Nach Angaben des Innenministeriums rückten rund 400 Feuerwehrleute aus, die versuchten, den Brand einzudämmen.

Um 23 Uhr dann die …

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