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Bild: Justin Sullivan/Getty Images

CNN-Moderator wird rassistisch beleidigt – und Trump hetzt via Twitter mit

Milan Marquard / watson.ch

In einem Video, das seit Montag in den sozialen Medien kursiert, ist zu sehen, wie Chris Cuomo von CNN sich nach einer verbalen Attacke mit einem Mann anlegt. Der Vorfall führte zu heftigen Diskussionen auf Plattformen wie Twitter. Auch Präsident Trump konnte sich einmal mehr nicht zurückhalten und goß Öl ins Feuer.

Was genau ist passiert?

Chris Cuomo besuchte am Sonntag mit seiner Frau und der gemeinsamen 9-jährigen Tochter eine Bar in Long Island, einem Stadtteil von New York. In der Bar kam ein fremder Mann auf Cuomo zu und bezeichnete ihn als "Fredo" – eine Anspielung auf den Film "Der Pate" ("The Godfather"). Der CNN-Journalist mit italienischen Vorfahren wertete diesen Kommentar als rassistische Beleidigung und verglich sie mit dem N-Wort für Afroamerikaner.

"Punk-ass bitches von der Rechten nennen mich Fredo. Mein Name ist Chris Chuomo. Ich bin ein Moderator von CNN. Fredo stammt von 'The Godfather'. Er war ein Schwächling und sie brauchten ihn als Verleumdung von Italienern", sagte Cuomo gegenüber dem vermeintlichen Trump-Supporter.

Der Mann sagt darauf, er habe gemeint, Fredo sei Cuomos Name. Auf diese Bemerkung reagiert Chris Cuomo aggressiv und mit Androhung von Gewalt: "Du hast nicht gedacht, dass mein Name Fredo ist – sei kein Lügner. Du willst ein Mann sein, dann zeig es. [...] Ich werde dich zerstören."

Die Situation wird kurz vor Eskalation von den umstehenden Personen beruhigt, indem sie die beiden Männer auseinander ziehen.

Die Reaktionen

Die Reaktionen fallen sehr unterschiedlich aus. Die einen feiern oder unterstützen Cuomo, die anderen verabscheuen ihn noch mehr. Vielen stößt auch der Vergleich mit dem N-Wort sauer auf, wie dieser Tweet zeigt:

Matt Dornic, der Pressesprecher von CNN, macht deutlich, dass der News-Sender hinter seinem Moderator steht:

Erstaunlich ist, dass Cuomo auf vom rechten Lager auf Unterstützung zählen kann. Trumps ehemaliger Kommunikationsdirektor, Anthony Scaramucci, äußerte sich folgendermaßen:

"Chris Cuomo droht einem Mann, der ihm die für Italiener beleidigende Bemerkung 'Fredo' zugerufen hat. Ich bin stolz auf dich, Chris Cuomo, das passiert sehr häufig. Es ist ziemlich rassistisch."

Sogar das Fox-News Aushängeschild vom rechten Flügel –Sean Hannity – solidarisierte sich mit dem CNN-Moderator. Er stehe auf seiner Seite. "Meiner Meinung nach hat Cuomo sich für nichts zu entschuldigen. Er ist es, der eine Entschuldigung verdient hat."

Und wie präsidial reagiert Trump?

Null. Er nutzt die Gelegenheit, um Cuomo selbst als "Fredo" zu bezeichnen und einmal mehr gegen CNN zu wettern.

Doch der US-Präsident belässt es nicht bei einem einzigen Tweet zum Thema. Er betont noch: "Würde Chris Cuomo eine rote Flagge für seinen Ausraster erhalten? Dreckige Sprache und ein völliger Kontrollverlust. Er sollte keine Waffen haben dürfen. Er ist verrückt!"

Das "Red Flag"-Gesetz ist ein US-Gesetz zur Verhinderung von Waffengewalt. Polizei- oder Familienmitgliedern soll es erlaubt sein, ein Staatsgericht anzurufen, um bei einer Person, von der potenzielle Gefahr ausgeht, vorübergehend die Konfiszierung der Schusswaffen einzufordern.

Nach den beiden Attentaten in El Paso und Dayton ist das eine sehr grenzwertige Bemerkung. Trump und die Regierung stehen derzeit unter Druck, da viele Amerikaner strengere Waffengesetze fordern.

Trumps Twitter-Tiraden: So begann @realdonaldtrump

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