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In this image from video, Rep. Alexandria Ocasio-Cortez, D-N.Y., speaks on the House floor, Thursday, July 23, 2020 on Capitol Hill in Washington.   Ocasio-Cortez's objections to a Republican lawmaker's verbal assault on her expanded Thursday as she and other Democrats took to the House floor to demand an end to a sexist culture of “accepting violence and violent language against women.”  Rep. Nydia Velázquez, D-N.Y., is seated right. (House Television via AP)

Alexandria Ocasio-Cortez bei ihrer Rede im Kongress. Bild: ap

Ocasio-Cortez kontert sexistische Beleidigung mit bewegender Rede

Im US-amerikanischen Kongress hat am Donnerstag die demokratische Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez auf die mutmaßliche sexistische Beleidigung eines republikanischen Kollegen reagiert – und ihre Rede zu einer allgemeinen Abrechnung mit Sexismus genutzt.

Die Beleidigung soll der republikanische Kongressabgeordnete Ted Yoho gegenüber Ocasio-Cortez geäußert haben. Ein Reporter des Nachrichtenportals "The Hill" schilderte einen Streit zwischen Yoho und Ocasio-Cortez: Der Republikaner habe ihr vor dem Kapitol, dem Sitz des US-Kongresses, unter anderem gesagt, sie sei "nicht mehr ganz dicht" ("out of your freaking mind") und "widerlich". Nachdem Ocasio-Cortez sich von Yoho entfernt hatte, sagte der dem Bericht zufolge dann in Anwesenheit eines anderen Abgeordneten über Ocasio-Cortez:

"Fucking bitch"

Hintergrund des Streits: Ocasio-Cortez' Aussagen, darüber, dass steigende Kriminalität während der Corona-Krise in den USA sich auf die steigende Arbeitslosigkeit und Armut im Land zurückführen lasse.

Ocasio-Cortez kontert mit bewegender Rede

Ocasio-Cortez reagierte im Donnerstag in einer Rede im Abgeordnetenhaus auf den Vorfall. Sie nutzte ihre Rede zu einer emotionalen Abrechnung mit dem Sexismus, der selbst ihr als Kongressabgeordneter noch begegne – der aber zum Alltag vieler Frauen gehöre. "Wir alle mussten irgendwann in unserem Leben mit so etwas umgehen", sagte Ocasio-Cortez. Sie selbst habe solche Beleidigung schon erlebt: in ihrer früheren Tätigkeit als Kellnerin, während sie in der U-Bahn in New York unterwegs war.

Ocasio-Cortez sagte in der Rede weiter, Beleidigungen wie die Yohos ihr gegenüber seien kein Einzelfall. "Das ist nicht neu. Und das ist das Problem."

Sexismus sei ein "kulturelles Problem". Das Problem sei eine "Kultur, in der Gewalt und gewalttätige Sprache gegenüber Frauen akzeptiert wird – und Machtstrukturen, die diese Kultur stützten.

Dann sagte Ocasio-Cortez:

"Ich möchte ihm (dem Abgeordneten Yoho) dafür danken, dass er gezeigt hat, dass er der Welt gezeigt hat, dass man ein mächtiger Mann sein kann – und trotzdem Frauen anpöbeln kann. Dass man Töchter haben kann – und trotzdem Frauen anpöbeln kann, ohne sich dafür zu schämen. Man kann verheiratet sein – und trotzdem Frauen anpöbeln. Man kann sich fotografieren lassen, um sich als Familienmensch inszenieren – und trotzdem Frauen anpöbeln, ohne sich dafür zu schämen und mit dem Gefühl, straffrei davonzukommen."

Etliche Demokratinnen beklagten nach Ocasio-Cortez' Rede in weiteren Redebeiträgen eine sexistische Kultur, in der Gewalt und gewalttätige Sprache gegenüber Frauen geduldet würden, an der auch Präsident Donald Trump beteiligt sei.

Yoho hat sich laut "The Hill" inzwischen für seine Ausfälle bei Ocasio-Cortez entschuldig. Ocasio-Cortez soll die Entschuldigung aber zunächst nicht angenommen haben – und dafür auch von anderen demokratischen Abgeordneten kritisiert worden sein.

(se)

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