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Erzieher könnten früher geimpft werden, um eine Rückkehr zum Kita-Regelbetrieb zu beschleunigen. Bild: imago stock&people / Westend61

Analyse

"Was ist mit den Kindern?": Kita-Erzieher warnt davor, nur das Personal zu schützen

Wer wird wann geimpft? Die Frage steht schon seit Monaten im Raum, erfährt durch die bevorstehende Öffnung von Schulen und Kindertagesstätten aber zusätzliches Gewicht. So will die Bundesregierung prüfen lassen, ob das Personal an Bildungsstätten nicht doch in der Impfpriorisierung vorrücken soll. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat sich bereits dagegen ausgesprochen, die Bundesregierung hat sich noch nicht geäußert.

Erzieher früher impfen zu lassen, halten viele für einen guten Vorstoß. Es ist aber auch einer mit Tücken. Denn nur, weil das Personal geimpft ist, seien Schulen und Kindertagesstätten noch längst nicht sicher – so sieht es jedenfalls der Erzieher Bruno Capra.

Er befürchtet: Mit den Impfungen wäre das Thema politisch vom Tisch

Er ist Teil der Initiative "Sichere Bildung – Jetzt!" und warnt davor, das Thema Infektionsschutz mit dem Impfen des Personals leichtfertig abzuhaken. "Ich finde es erstmal gut, dass auf den Bildungsbereich jetzt ein Blick geworfen wird", sagt er gegenüber watson, "Was ich aber befürchte, ist, dass damit das Problem für die Regierungen und die zuständigen Personen gelöst ist."

In Berlin, wo Capra arbeitet, gilt der Notbetrieb an Kitas noch bis zum 22. Februar, danach werde laut Senatsangaben "moderat erweitert" und die maximale Auslastung von 50 auf 60 Prozent erhöht. Ähnlich wird die Situation in anderen Bundesländern gehandhabt.

Bis dahin werden die Erzieher sicher nicht geimpft werden. Doch selbst wenn es so weit ist, könnte das zu einer trügerischen Sicherheit führen, glaubt Capra: "Schön, wenn Erzieher und Lehrer früher geimpft werden. Aber es ist noch nicht ganz klar, ob man damit nicht weiter infektiös sein kann und die Frage ist doch: Was ist mit den Kindern und deren Familien?"

Das Personal wäre geschützt, die Familien aber nicht

Noch immer sei nicht eindeutig geklärt, wie stark Kinder tatsächlich an Covid-19 und den neuen Mutationen erkranken und welche Rolle sie bei der Übertragung spielen. Außerdem haben viele Kinder Familienmitglieder, die Risikogruppen angehören. Um all diese Menschen zu schützen, reiche der derzeitige Fokus auf die Mitarbeiter schlicht nicht aus.

Erzieher Bruno Capra:

"Was wir in allererster Linie brauchen, ist eine geringere Infektionsgefahr für die gesamte Bevölkerung. Idealerweise eine Strategie, die zu null Infektionen führt."

Solange diese Strategie nicht in Sicht ist, bleibt der Arbeitsalltag für Capra mit einem schlechten Gewissen behaftet. "Ich und meine Kollegen haben schon ein mulmiges Gefühl, wenn wir mit den Kindern in engem Kontakt arbeiten", gibt er zu. Schließlich gehört es zu seinem Beruf, sich um das Kindeswohl zu sorgen, auch um ihren Schutz.

Selbst geimpft zu sein, wäre zwar eine persönliche Beruhigung, aber keine Lösung des eigentlichen Problems. "Wir fordern daher, dass die Politik die Lage endlich ernst nimmt und entsprechende Investitionen tätigt, auch an Schulen: Es braucht Luftreiniger, Plexiglaswände und aufgestockte Digitalisierungsangebote", so der Erzieher.

Kitas und Schulen zu öffnen, obwohl die Inzidenzzahlen es eigentlich nicht zulassen, sei "ein Blindflug", findet Capra. "Wie sagte Frau Merkel? Es sei 'gewagt' – aber eigentlich ist es eher völlig unverantwortlich. Da hilft es auch nicht viel, wenn nur das pädagogische Personal geimpft ist."

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