Leben
WOLFSBURG, GERMANY - APRIL 23:  Volkswagen Chairman of the Supervisory Board Ferdinand Piech waits for the arrival of Chinese Premier Wen Jiabao at the Volkswagen factory on April 23, 2012 in Wolfsburg, Germany. Volkswagen Chairman Martin Winterkorn and representatives of Chinese companies signed an agreement later in the day to extend Volkswagen's production in China and also allow the construction of another plant.  (Photo by Sean Gallup/Getty Images)

Bild: Sean Gallup/Getty

EX-VW-Boss Ferdinand Piëch ist tot – was bleibt vom autoverliebten "Alten"?

Er war der VW-Patriarch. Und er gilt als Jahrhundert-Manager. Ferdinand Piëch schrieb Wirtschaftsgeschichte und war eine der schillerndsten Figuren der deutschen Industrie. Lange wachte er fast unangefochten über das VW-Reich.

Nun starb Piëch im Alter von 82 Jahren, wie der Deutschen Presse-Agentur am Montag aus gut informierten Kreisen bestätigt wurde. Zuerst hatte die "Bild"-Zeitung darüber berichtet.

VW und Piëch – lange eine Einheit

Volkswagen und Ferdinand Piëch – lange galt dieses Gespann als eine Einheit. Sein erstes Erlebnis als Autofahrer aber brachte ihm Ärger: Mit neun Jahren blieb er bei seiner Jungfernfahrt mit der Stoßstange an der Garagentür hängen. Jahrzehnte später sollte der kleine Junge von damals als einer der mächtigsten Industriemanager der Welt ein Autoimperium lenken.

Piëch formte aus Volkswagen einen Weltkonzern. Doch dann entfremdete er sich von seinem Lebenswerk. 2015 sorgte er mit der Äußerung für Aufsehen, er sei "auf Distanz" zum damaligen Konzernchef Martin Winterkorn – er verlor den Machtkampf und warf im Zorn hin.

Piëch zog sich zurück

Piëch, am 17. April 1937 geborener Enkel des legendären Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche, trat als Aufsichtsratschef zurück, danach tauchte er nur noch selten in der Öffentlichkeit auf. Der gebürtige Österreicher zog sich zurück auf seine Residenz in Salzburg. Was ihm zunächst blieb, war das Aufsichtsratsmandat beim Volkswagen-Haupteigner Porsche SE – die Familien Porsche und Piëch halten 100 Prozent der Stimmrechte an der Firma. 14,7 Prozent davon gehörten zu dem Zeitpunkt Piëch. 2017 bot er seinen Verwandten den Großteil des Aktienpakets an, die griffen zu. Man könne sich Familie nicht aussuchen, kommentierte sein Cousin Wolfgang Porsche damals.

Zuvor stand Ferdinand Karl Piëch, so sein voller Name, für viele Jahre mitten im Machtzentrum des VW-Konzerns. Der frühere Audi-Chef war von 1993 bis 2002 Vorstandsvorsitzender von Volkswagen und führte danach lange Zeit den Aufsichtsrat – als maßgeblicher Protagonist der Familien Porsche und Piëch, der VW-Großaktionäre. Seine Macht schien unbegrenzt, 2012 hievte er sogar seine Frau Ursula – genannt Uschi – in den VW-Aufsichtsrat. Er galt als Strippenzieher und Königsmacher hinter den Kulissen.

Als der frühere Vorstandschef Bernd Pischetsrieder 2006 gehen musste, soll Piëch seinen Einfluss ausgeübt haben. Der detailverliebte Autonarr Piëch lenkte das immer größer werdende VW-Imperium schließlich zusammen mit Winterkorn mit strenger Hand, hierarchisch und zentralistisch – der "Spiegel" beschrieb die Atmosphäre bei Volkswagen unter dem Duo einmal als "Nordkorea minus Arbeitslager".

Das Vermächtnis von Piëch

Was blieb vom autoverliebten "Alten", wie Mitarbeiter ihn in Wolfsburg auch nannten? Sein Nach-Nachfolger als VW-Aufsichtsratschef, Hans Dieter Pötsch, drückte es einmal diplomatisch aus: Er betonte seinen großen Respekt vor Piëch - "trotz der ein oder anderen atmosphärischen Eintrübung zuletzt". Und weiter: "Ich persönlich denke, dass Herr Ferdinand Piëch unvergessene Meilensteine gesetzt hat im Automobilbau und dass er an der Existenz des Volkswagen-Konzerns, wie er sich heute präsentiert, maßgeblichen Anteil hat."

Piëchs Leistungen würden unabhängig von anderen Themen "absolut unvergessen bleiben". 2017 dann die Zäsur: Piëch verkaufte ein milliardenschweres Aktienpakets, der frühere VW-Konzernlenker trennte sich von einem Großteil seiner Anteile an der VW-Dachgesellschaft Porsche SE – diese gingen an Verwandte. Die Dynastie Porsche-Piëch hat auch nach dem Tod des Ex-Patriarchen weiter das Sagen.

(mbi/pb/dpa)

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