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Es ist 2019 – und die Verteilung von männlichen und weiblichen Rollen ist in den nominierten Filmen für den Oscar immer noch sehr, sehr unterschiedlich. montage

Gleichberechtigung in Hollywood: So schneiden die Oscar-Filme beim Bechdel-Test ab

Dass es nicht egal ist, mit welchen Bildern und Geschichten wir aufwachsen, hat sich mittlerweile herumgesprochen. "You can't be what you can't see" (in etwa: Du kannst nicht das werden, was du nicht auch gesehen hast) beschreibt es kurz und treffend: Durch Erzählungen, mit denen wir uns identifizieren, wachsen wir in diese Welt hinein.

Ein anschauliches Beispiel: Wer als kleines Kind schon mit Werkzeugen hantiert hat, und davon träumte, einmal so ein schickes Auto wie der männliche (sic!) Chefarzt aus der Nachmittagsserie zu fahren, der wird sich anders entwickeln als jemand, der perdeschwänzeflechtend vom Märchenprinzen träumte.

Wollen wir also über Gleichberechtigung reden, müssen wir über Geschichten reden. Und reden wir über Geschichten, reden wir auch über Hollywood. Der größten Geschichtenmaschine der westlichen Welt.

Seit Jahrzehnten schon weisen Frauen darauf hin, dass die Filmindustrie dort ein Problem mit Gleichstellung hat. Der Gleichbehandlung von Frauen und Männern.

Und das ist kein kleines Problem, im Gegenteil. Es reicht von der Bezahlung von Schauspielerinnen im Vergleich zu ihren Kollegen, über Altersunterschiede bei dargestellten Paaren, bis hin zu den Anforderungen an Aussehen und Körperideale. Es geht weiter bei systematischer sexueller Belästigung, wie z.B. von Produzenten wie Harvey Weinstein, bis hin zum Mitspracherecht und den Jobmöglichkeiten von weiblichen Filmschaffenden.

Und schließlich, aber überhaupt nicht letztendlich, reicht es auch hin bis zur Darstellung von weiblichen Rollen.

Oder auch: der fehlenden Rollen.

Auf dieses Problem hat die Comiczeichnerin Alison Bechdel schon in den 80er Jahren hingewiesen, indem sie einen Test für Filme entwarf. Ein Film, der den Bechdel-Test besteht, darf sich zumindest ein bisschen gleichberechtigt fühlen. Dabei müssen auch nur drei recht simple Fragen mit einem "Ja" beantwortet werden:

1) Hat der Film mindestens zwei weibliche Charaktere, die im Film auch einen Namen bekommen?

2) Reden diese Charaktere miteinander?

3) Reden sie über etwas anderes als einen Mann?

Wer diese Fragen für zu simpel hält, der wird bei näherer Beschäftigung merken, dass sehr sehr sehr viele Filme diesem Test nicht standhalten. Für die "Bechdel Test Movie List" wurden zum Beispiel insgesamt knapp 8000 Filme ausgewertet, davon haben nur 58 Prozent den Test bestanden.

Natürlich ist der Bechdel-Test kein Gleichberechtigungs-Siegel. Es lässt sich leicht vorstellen, dass es auch Filme gibt, die alles andere als gleichberechtigt sind und dem Test trotzdem standhalten. Nichtsdestotrotz ist er ein wichtiger Indikator für den Raum, der Frauen in Filmen zugestanden wird. Und die Relevanz, die sie innerhalb eines Plots haben. Oder eben nicht.

Aber schauen wir uns mal aktuelle Fälle an. Nach #MeToo und #TimesUp, zwei Bewegungen, die die Filmindustrie in den vergangenen Jahren ganz schön durchgerüttelt haben und die Anlaß genug für die ein und andere Richtungsänderung gewesen sein könnten: Wie schlagen sich aktuelle Filme in puncto Gleichberechtigung?

Wie sieht es bei den Oscar-nominierten Filmen aus?

Schaut man sich die diesjährigen "Bester Film"-Nominierungen beim Oscar an, sieht es eigentlich ganz gut aus. Zumindest in Bezug auf den Bechdel-Test. Von acht Filmen erfüllen fünf dessen Kriterien.

Oscars 2019, alles besser als zuvor also?

Schön wär's, aber! Denn untersucht man, wieviel Redezeit die weiblichen Charaktere in diesen Filmen haben, sieht es schon wieder relativ düster aus. Bei 6 von 8 Filmen liegt die Redezeit nämlich unter 40 Prozent, der Durchschnittswert beträgt 29 Prozent.

Diese Zahlen wurden von einem schwedischen Datenanalyse-Start-Up erhoben und in einem Artikel bei "Forbes" veröffentlicht.

"You can't be what you can't see" gilt eben nicht nur für die reine Anwesenheit von Frauen in Filmen, sondern auch dafür, wieviel sie sprechen. Und wieviel Redezeit ihnen überhaupt zugestanden wird. 30 Prozent sind etwas mager, finden wir.

Es bleibt also dabei: auch in Hollywood gibt es 2019 noch einiges zu tun.

Auch ein Problem: Rassismus in Hollywood

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    Alle Leser-Kommentare
  • DerTaran 23.02.2019 14:09
    Highlight Highlight Es ist eine weit verbreitete, aber falsche Vorstellungen, dass im Business Männer Männer bevorzugen.

    Wenn Frauen die Gleichberechtigung wollen, dann müssen sie sich ihre Karriere erkämpfen und nicht darauf warten, dass die Gesellschaft Ihnen die Tür auf hält.

    Wir leben in einer Elbogen Gesellschaft, in der derjenige am meisten Erfolg hat, der es am skrupellosesten will. Fakt ist, dass wenn Frauen dass Spiel mitspielen, dann kommen sie auch an die Macht. Merkel wurde nicht Kanzlerin, weil sie ein nettes Mädchen war, sondern weil sie zum richten Zeitpunkt ihre Karten gnadenlos ausgespielt hat.

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