Leben
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Liebe Männer, hört endlich auf, mir die Welt erklären zu wollen!

Samuel weiß, wie Trump tickt, Livio kann alle Fragen rund um 9/11 beantworten, und Ivan erklärt mir, warum es meinerseits das Letzte ist, eine gemeinnützige Organisation zu unterstützen. Und da fragt man sich, warum ich manchmal lieber vögle statt rede…

Ich befinde mich in einer sehr aktiven Dating-Phase. Und wie das so ist im Leben, treffe ich auf verschiedene Charaktere. Etwas, das die Herren aber alle gemeinsam haben, ist der Fakt, dass sie ALLE die Weisheit quasi intravenös verabreicht bekommen haben. Glauben sie. Und dieses Wissen müssen sie mir mitteilen. Weil ich das alles ja ganz bestimmt nicht weiß!

So passiert es mir ständig, dass ich – wohlgemerkt ungefragt – die Welt erklärt bekomme. Vor allem in den Bereichen Politik und Wirtschaft wissen die Herren sehr genau, wie was wo geht und wo die Fäden zusammenkommen und was man tun müsste, um den Planeten zu einem besseren Ort zu machen.

Ivan neulich toppt alles, was ich jemals zuvor erlebte. Das erste Date war okay. Genug okay, um mich auf ein zweites einzulassen zumindest. Ich spielte auf unverbindlichen Sex.

Er offenbar nicht. Zum zweiten Date bringt er mir statt Kondomen ein Buch mit.

Darf ich vorstellen: das Geschenk!

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Ich habe keine einzige Seite gelesen. Bild: emma amour privat

Dem Mitbringsel voraus geht unser beziehungsweise sein Gespräch bei unserem ersten Treffen. Ivan erklärte mir voller Inbrunst, wie die Wirtschaft funktioniert. Nicht nur hierzulande, sondern auf der ganzen Welt.

So regte er sich sehr darüber auf, dass ich eine gemeinnützige Organisation finanziell unterstütze. Ob ich weiß, was mit Spendengeldern wirklich passiert. Und ob ich das Gefühl habe, dass die Straßen wirklich nur von offiziellen Steuergeldern neu geteert werden.

Netflix, der Anfang vom Ende!

Und: Mit meinem Netflix-Account würde ich dafür sorgen, dass der Meeresspiegel steigt. An die Details seiner Erklärung kann ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern. Meinen Netflix-Account habe ich auch behalten. Sorry, Ivan.

Gut in Erinnerung ist mir auch Samuel geblieben, mit dem ich kürzlich bei irgendeiner WG-Party ins Gespräch kam. Bevor ich mich über die "Was hast du für Hobbys"-Frage lustig machen konnte, war er schon beim Deep Talk. Donald Trump. Logisch, das sei schon nicht der beste Kandidat für das Präsidium.

Aber nicht alle seine Ansätze sind schlecht, weiß Ivo. Es sind – natürlich – die Medien, die "viel Scheiße schreiben".

Das mit der Mauer zu Mexiko, das habe schließlich schon Obama umsetzen wollen. "Dem fehlte es aber einfach an Eiern."

Außerdem, man könne das belegen, gehe es der Wirtschaft weltweit viel besser, seit Trump an der Macht ist.

Kleiner Spoiler: Aus Ivo und mir ist nichts geworden.

Anstrengend war's auch mit Livio. Nach meiner letzten Trennung sollte er mein Trostpflaster sein. Eine Rechnung, die ich ohne ihn gemacht habe. Statt nämlich möglichst nicht zu reden, sondern zu machen, hatte Livio sehr viel Redebedarf. Primär über 9/11. Von wegen das seien Islamisten gewesen. "IS"? Alles ein Blöff. Natürlich waren es die Amis selber, die da in die Twin Towers geflogen sind.

Was die Serben mit dem Notre-Dame-Brand zu tun haben

Das jüngste Beispiel ist gerade mal ein paar Tage alt. Marc ist der Freund eines Freundes. Mein Kumpel hat mir schon angedeutet, dass ich Marc super finden werde. Was wahr ist. Der Kumpel hat mich aber auch schon davor gewarnt, dass Marc ein komplexes Konstrukt ist. Was auch wahr ist.

Marc hat eine sehr starke Meinung. Zu allem. Vor allem aber zum Weltgeschehen. Notre-Dame beschäftigt Marc sehr. Er glaubt, nein, er weiß, dass es sich beim Feuer um Brandstiftung handelt. "Die Serben". Haben ja schon lange eine offene Rechnung mit den Franzosen. "Is' ja glasklar!"

Auch Marc hat sich, wie alle oben erwähnten Mansplainer und Verschwörungstheoretiker, noch bevor wir knutschen konnten, ins Aus geredet. Versteht mich nicht falsch, Politik ist wichtig. Wirtschaft auch. Weltfrieden fände ich auch toll.

Keine Macht dem Mansplaining!

Mir geht's um Mansplaining. Insbesondere in Bereichen, die das andere Geschlecht als besonders männlich empfindet. Politisieren. Wirtschaft analysieren.

Dudes, with all my love, das ist nicht nur unsexy. Nein, das ist sogar ein bisschen lächerlich.

Aber da ihr ja nun trotzdem bis zum Ende gelesen habt (Merci!), seid ihr jetzt dran: Könnt ihr mir erklären, warum ihr das macht? Woher es kommt und was ihr damit bezwecken wollt? Fühlt ihr euch dann mega gescheit? Oder denkt ihr wirklich, dass Frauen einfach generell keine Ahnung "von solchen Themen" haben?

Das finde ich schon erstaunlich!

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Bild: watson.ch

Emma Amour ist ...

... Stadtmensch, Single, Anfang 30 – und watsons Bloggerin, die nicht nur unverfroren aus ihrem Liebesleben berichtet, sondern sich auch deinen Fragen annimmt. Und keine Sorge, so wie auch Emma, wirst auch du mit deiner Frage anonym bleiben. Madame Amour ist es nämlich sehr wichtig, auch weiterhin undercover in Trainerhosen schnell zum Inder über die Strasse hoppeln zu können.

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Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Bild: watson

Stockfotos von wütenden Frauen

Dr. G-Punkt über Sex und Traurigkeit

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    Alle Leser-Kommentare
  • Mio Krause 22.07.2019 10:39
    Highlight Highlight Ich finde es wichtig in solchen Fällen direkt zu einem Dialog und einer Diskussion über zu gehen.
    Dies ist in Zeiten von Fakenews und Populisten sehr wichtig. Nur so kann man sich gegenseitig verstehen und den anderen eventuell davon überzeugen das er falsch liegt.

    Ansonsten enden wir in zwei sehr tiefen getrennten Schützengräben. Weil wir uns immer nur das anhören was mit unserer Meinung konform ist.
    • Bones 23.07.2019 07:42
      Highlight Highlight Der Artikel liest sich eher, als seien die Männer die Wortführer und halten einen Monolog, als in den Dialog zu gehen.
      Die meisten der Themen hören sich doch sehr nach Verschwörungstheorien an und darauf hätte ich als "Gesprächspartner" auch keine Lust.

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