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Kompromisse gehören zu einer Beziehung dazu – vielen Paaren fällt es trotzdem schwer, gemeinsam Lösungen für ihre Probleme zu finden. (Symbolbild) Bild: E+

Beziehung: Darum schafft ihr es nicht, Kompromisse zu schließen

Jana Schütt
Jana Schütt

So schön eine Beziehung auch ist – manchmal bringt sie uns an den Rand der Verzweiflung. Kein Wunder. Schließlich treffen zwei Menschen mit ihren Meinungen, Verhaltensweisen und Charakteren aufeinander, die nicht immer harmonieren. Dann heißt es: faire Kompromisse finden, damit beide Partner gehört und respektiert werden.

Doch das ist leichter gesagt als getan – das weiß jeder, der bereits in einer Partnerschaft war. Kompromisse finden ist oft herausfordernd – vor allem dann, wenn das Problem emotional belastet ist und bereits für Streit gesorgt hat. Die Fronten sind verhärtet und eine Lösungsfindung scheint unmöglich.

Woran liegt es, dass es uns schwer fällt, Kompromisse zu finden? Im Interview mit watson erklärt Paartherapeutin Birgit Neumann-Bieneck, an welchen Herausforderungen Kompromisse oft scheitern.

Fehler: Du siehst deinen Partner nicht als Freund

Letztes Mal bist du deinem Freund entgegengekommen und jetzt ist er dran, oder? Nicht ganz, denn so funktionieren Kompromisse nicht, erklärt Neumann-Bieneck.

"Bei Kompromissen geht es nicht darum, den anderen zu erpressen. Es gilt nicht: Du hast letztens deinen Willen bekommen, jetzt will ich meinen. In einer gesunden Beziehung möchte man, dass der andere glücklich ist und sich wohlfühlt. Man will das Beste für ihn und weiß das auch vom anderen."

Du solltest deinen Partner nicht als Feind sehen, der dir mit einem Kompromiss etwas Böses will, sondern als Freund, mit dem du im Team eine Lösung suchst. "Es geht nicht um das Ringen und Kämpfen, denn das treibt euch voneinander weg", weiß die Expertin. Sollte es in eurer Beziehung selten klappen, Kompromisse zu finden, solltest du deine Einstellung überdenken. Denn letztlich kann ein gemeinsamer Kompromiss auch etwas Stärkendes sein.

"Sich gegenseitig etwas zuzugestehen, kann eine Beziehung bereichern und glücklich machen, da man sich wertgeschätzt und gehört fühlt."

Birgit Neumann-Bieneck

Fehler: Du führst einen Stellvertreterkrieg

Jede Beziehung hinterlässt Spuren – schöne wie unschöne. Oft schaffen wir es nicht, Ballast alter Beziehungen hinter uns zu lassen. In der neuen Partnerschaft kann das dazu führen, dass du nicht offen für Kompromisse bist, erklärt Neumann-Bieneck. "Du solltest dir bewusstmachen, welche Erfahrungen du aus vorherigen Beziehungen mitschleppst und die dein aktuelles Verhalten beeinflussen, zum Beispiel ein eifersüchtiger Ex-Partner".

"Erzähl deinem Partner von deinen vergangenen Beziehungserfahrungen, damit er deine Perspektive besser verstehen kann."

Birgit Neumann-Bieneck

Die Probleme der neuen Beziehung holen alte Verletzungen hoch und als Schutzmechanismus werden wir kompromisslos, erklärt die Expertin. Dabei trifft dein abwehrendes Verhalten allerdings den Falschen. Dein Partner ist für die Altlasten nicht verantwortlich und hat eine Chance verdient, mit dir nach einer Lösung zu suchen. Wenn du dir und deinem Partner bewusst machst, was dich zurückhält, könnt ihr einen Kompromiss finden, der von alten Problemen entkoppelt ist, rät die Psychologin.

Fehler: Du suchst unvorbereitet das Gespräch

Klar, Probleme sind alles andere als schön und du würdest einen Konflikt gern so schnell wie möglich beenden. Doch das ist nicht immer der schlauste Weg, erklärt Neumann-Bieneck: "Kompromissen brauchen oft Zeit und Geduld". Bevor du das Gespräch suchst, mach dir klar, was dir wichtig ist, dich nervt und warum. Wenn es dir hilft, schreib eine Liste.

"Was möchte ich? Was stört mich? Was möchte ich von dem anderen? Diese Fragen solltest du dir im Vorfeld stellen."

Birgit Neumann-Bieneck

Überleg dir, wo dein Toleranzbereich liegt und wo du deinem Partner nicht entgegenkommen kannst. Dann solltest du das Problem zeitnah in einer ruhigen Situation ansprechen, damit sich negative Gefühle nicht zu lang anstauen und irgendwann unkontrolliert aus dir herausbrechen, rät Neumann-Bieneck.

Fehler: Du hast die falsche Kommunikationstaktik

Im Gespräch passiert es schnell, dass du deinen Liebsten mit Vorwürfen bombardierst: zu unzuverlässig, zu faul, zu unordentlich. Die Folge: Du machst ihn persönlich zum Problem, wodurch er sich angegriffen fühlt. Die Fronten verhärten sich – ein Teufelskreis.

"Möchtest du Kompromiss finden, solltest du deine Kommunikationstaktik ändern", rät Neumann-Bieneck. Sende statt vorwurfsvolle Du-Botschaften lieber konstruktive Ich-Botschaften und sprich über deine Emotionen statt seine Fehler. Aus einem "Du bist zu faul" wird so ein "Ich würde mich freuen, wenn wir wieder mehr gemeinsam unternehmen."

Um Ich-Botschaften zu formulieren, rät Neumann-Bieneck, deine Gefühle sachlich zu schildern, beispielhafte Problemsituation zu finden und deinem Partner die Auswirkungen seines Verhaltens auf dich zu erklären.

Fehler: Du bist nicht ergebnisoffen

Du weißt, wie der ideale Kompromiss für dich aussieht? Wer so denkt, hat einen Denkfehler: Es gibt keinen idealen Kompromiss für eine Person, da es um eine Lösung für beide geht. Neumann-Bieneck rät deshalb, ergebnisoffen in das Gespräch zu gehen, statt die in Stein gemeißelte Lösung zu präsentieren. Gib deinem Partner Raum, seine Gedanken und Ideen zu äußern.

"Kompromisse sind so vielfältig wie die Beziehungen selbst."

Birgit Neumann-Bieneck

Was bei einem Paar funktioniert hat, muss nicht automatisch auch bei euch funktionieren. "Bei Kompromissen geht es darum, zu verhandeln und diverse Lösungswege zu besprechen", verdeutlicht die Psychologin. Sucht gemeinsam kreative sowie individuelle Lösungen und macht euch frei von Ratschlägen anderer.

Kompromisse sind harte Arbeit – doch sie lohnt sich

Wenn die Einstellung stimmt und ihr als Paar gegenseitig am selben Strang zieht, ist der wichtigste Schritt getan, um Kompromisse zu schließen. Es gilt auch hier: Kommunikation ist das A und O. Nehmt euch Zeit, um über eure Probleme sowie Wünsche zu sprechen und seid euch darüber bewusst, dass Kompromisse Arbeit bedeutet. Doch hey, die Arbeit lohnt sich. Denn letztlich sind Kompromisse vor allem eins: Zeichen eurer gegenseitigen Wertschätzung.

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