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Maske tragen gegen Corona, ja oder nein? (Symbolbild) Bild: imago images/Future Image

Welche Maske schützt wie gegen Corona – und welche gar nicht? Das sagt Virologe Streeck

Es ist verwirrend: Erst heißt es, Masken schützen nicht vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus. Dann plötzlich: Masken sind doch hilfreich. Dann: Sie werden zur Pflicht. Aber nicht jede Art von Maske. Und dann schützen sie oft nicht einen selbst, aber dafür andere. Obendrein spricht auf einmal einer der führenden Virologen Deutschlands, Christian Drosten, davon, dass selbstgebastelte Masken übrigens auch wirksam wären.

Die Informationen zu Masken gegen Corona scheinen sich zu überschlagen. Dass Jena als erste Stadt hierzulande eine Maskenpflicht für Supermärkte und den öffentlichen Nahverkehr einführte, der Rest von Deutschland allerdings erst spätermitzieht, könnte den ein oder anderen möglicherweise noch mehr verunsichern.

Was also ist nun der Sinn oder Unsinn von Masken? Welche verschiedenen Typen gibt es, und schützen alle davon jeden Menschen gleich gut? Auf diese Fragen antwortete Virologe Hendrik Streeck von der Uniklinik Bonn bei "Stern TV" auf RTL.

Wir beginnen mal nicht mit den konventionellen Masken, sondern mit einer Art Mundschutz, von dem auf jeden Fall abzuraten ist, der aber kürzlich tatsächlich als Idee im Umlauf war.

Diese Art von Maske solltest du nicht nutzen

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Bitte Kaffeefilter weiter zum Kaffeekochen nutzen. Gegen Corona schützen sie niemanden. Aber ein Fleißsternchen für Kreativität. Bild: imago images/Frank Sorge

Kein Witz: Ein Zahnarzt postete ein Video bei Twitter, in dem er empfahl, sich aus einem Kaffeefilter und Gummis eine Schutzmaske zu basteln.

Streeck steht diesem recht kreativen Versuch skeptisch gegenüber: Das Material sei zu dünn und feuchte zu schnell durch. Das kennt jeder, der schon mal einen Filterkaffee zu Hause gemacht und anschließend versucht hat, den vollen, nassen Filter Sauerei-frei von Kaffeemaschine zu Mülleimer zu bringen.

"Ich war überrascht, dass es den Vorschlag gegeben hat. (...) Ich kann mir nicht vorstellen, dass das gut Viren oder auch Tröpfchen abhält."

Hendrik Streeck über die Kaffeefilter-Idee.

Deswegen schlussfolgert Streeck: Kaffeefilter eignen sich nicht als Schutzmasken. Der Zahnarzt, der die Idee ursprünglich hatte, hat das Video übrigens bereits gelöscht. Und bevor du auf noch wildere Einfälle kommst, welche Materialien sich noch für Masken recyceln ließen: Bleib am besten einfach bei den guten, alten Stoffmasken. Die kannst du nämlich auch regelmäßig in der Waschmaschine waschen (am besten bei 60 Grad) und wiederverwenden.

Nun also zu den Masken, die einen tatsächlichen Nutzen haben, auch wenn dieser jeweils unterschiedlich ist.

Diese Maske schützt dich, wenn du sie trägst

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Medizinisches Fachpersonal sollte Masken des Typs FFP2 oder FFP3 tragen, um sich gegen Corona zu schützen. Bild: imago images/Eibner

Wenn du eine partikelfiltrierende Halbmaske, kurz FFP, trägst, filtert sie die Luft, die du einatmest. Streeck erklärt, das Material ist sehr fest, so gelangen beim Einatmen keine Viren in deinen Körper. Durch das kleine Ventil in der Mitte gelangt die ausgeatmete Luft wieder nach draußen – ungefiltert allerdings.

Die FFP-Masken kommen in drei Stärken. Medizinisches Fachpersonal sollte die Typen 2 oder 3 tragen, heißt es in der Sendung. Ein Nachteil bei diesen Masken ist übrigens, dass es recht schwer ist, durch sie zu atmen, wie Streeck sagt:

"Es ist unangenehm, das zu tragen, vor allem, wenn man selbst Atemprobleme hat. (...) Darum ist es vom Arbeitsschutz auch gar nicht erlaubt, die so lange zu tragen."

Wichtig: Bitte Finger weg von diesen Masken, sofern du nicht mit Corona-Patienten direkt zusammenarbeitest. Die Bestände für diese Masken sind knapp. Zwar wurden schon neue Masken für Krankenhäuser in großen Mengen nachbestellt, dennoch muss mit Engpässen und Lieferverzögerungen gerechnet werden.

Deswegen kaufe diese Masken bitte nicht, wenn du sie nicht unbedingt brauchst, sondern halte dich stattdessen an die Regeln: soziale Kontakte meiden, mindestens eineinhalb Meter Abstand halten von anderen Menschen, regelmäßig und gründlich die Hände waschen. Das reicht in der Regel im Alltag, um sich vor einer Ansteckung mit Corona zu schützen.

Diese Maske schützt andere, wenn du sie trägst

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Die Mund-Nasen-Schutzmaske (kurz MNS) schützt vor allem andere, damit du sie nicht ansteckst. Auch diese Masken sollten vor allem für medizinisches Personal zur Verfügung stehen. Bild: imago images / Westend61

Die Mund-Nasen-Schutzmaske (MNS) ist die klassische OP-Maske, wie sie auch von medizinischem Fachpersonal verwendet wird. Sie besteht aus einem mehrlagigen Vlies-Material, erklärt Streeck, und kann mit Bändern hinter den Ohren fixiert werden.

Diese Maske schützt dich nicht vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus. Allerdings kannst du andere vor einer Ansteckung bewahren, solltest du Träger des Virus sein. Beim Coronavirus kann es übrigens passieren, dass du infiziert bist, aber keine Symptome erlebst. Andere anstecken kannst du dennoch – außer du trägst diese Art von Maske. Sie hält Tröpfchen auf, die Viren enthalten und die du beim Sprechen oder Husten ausspucken könntest. "Man nimmt auch an, dass es insgesamt die Übertragung eindämmen würde", sagt Streeck über das Tragen solcher Masken.

"Das ist definitiv eine Geste des Respekts."

Hendrik Streeck über das Tragen von MNS.

Wichtig ist: Wenn du eine solche Maske trägst, solltest du dich nicht in falscher Sicherheit wähnen. Streeck mahnt, andere Sicherheitsvorkehrungen wie Händewaschen nicht zu vergessen.

Bitte überlasse auch diese Art von Masken dem medizinischen Fachpersonal. Auch Streeck sagt: "Das sind Schutzmittel, die erst mal ins Krankenhaus gehören." Wer jetzt mit Risikogruppen wie älteren oder schwerkranken Menschen zusammenarbeitet, muss darauf achten, diese nicht mit dem Coronavirus anzustecken. Dabei helfen die MNS. Wenn du dich selbst mit einer Maske schützen möchtest, gibt es folgende Option:

Selbst gebastelte Masken können ebenfalls Mitmenschen schützen

Auf Instagram ruft Lena Meyer-Landrut dazu auf, Masken selbst zu basteln.

Vor kurzem erst riefen Promis wie Lena Meyer-Landrut, Rezo oder Charlotte Roche im Rahmen der Aktion #Maskeauf dazu auf, einen Mundschutz zu tragen – allerdings einen selbstgebastelten. Was bringt allerdings so eine nicht-professionelle Maske?

Eine ganze Menge, sagte auch schon Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité in seinem NDR-Podcast "Coronavirus-Update". Denn auch eine selbstgenähte Maske, ein altes T-Shirt oder ein simples Tuch, das du dir um Mund und Nase bindest, hält die Tröpfchen aus, die du beim Sprechen oder Husten abgeben könntest.

So kannst du andere Menschen schützen, ein visuelles Zeichen gegen Corona setzen sowie Ressourcen schonen: Wenn du deine Maske selbst bastelst, bleiben mehr professionelle Masken für medizinisches Fachpersonal.

Sollten wir jetzt alle Maske tragen gegen Corona?

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Virologe Hendrik Streeck hat wohl die meisten Corona-Patienten Deutschlands persönlich getroffen. Bild: RTL

Auf die Frage, ob eine allgemeine Maskenpflicht sinnvoll ist, antwortet der Virologe Streeck mit der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO – und dem Hinweis, Institutionen dieser Art vor allem in solchen Zeiten wie jetzt Vertrauen zu schenken:

"Wenn die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, keine Mundschutzpflicht einzuführen, dann geschieht das aus einem sehr guten Grund. Weil da sehr viele Experten hinter saßen, um sich darüber Gedanken zu machen."

Laut Streeck braucht also nicht jeder einen Mundschutz zu tragen, schlichtweg, weil es bisher wissenschaftlich noch nicht bewiesen werden konnte, dass so eine Maßnahme notwendig wäre. Er fügt allerdings hinzu: "Wenn sich aber jemand krank fühlt und hustet, dann ist es definitiv sinnvoll, solche Atemschutzmasken zu tragen."

(ak)

7 Kommentare
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RoLo43
04.04.2020 14:31registriert April 2018
Jede Maske, die Mund und Nase (wenn auch nur leicht) abdeckt ist besser, als die locker vor den Mund gehaltene Armbeuge, Ihr Nieser, Speier und Sprecher mit feuchter Aussprache.
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