Leben
Bild

Bei jungen Menschen verläuft eine Erkrankung mit Covid-19 meist milder. Fieber ist ein häufiges Symptom. (Symbolbild) Bild: iStockphoto / AndreyPopov

Virologe erklärt: Darum sind Corona-Patienten in Deutschland jünger als in anderen Ländern

Weltweit nimmt die Corona-Pandemie weiter ihren Lauf. In den USA werden aktuell die meisten Fälle einer Ansteckung mit Sars-CoV-2 verzeichnet, über 143.500 Menschen haben sich laut der Johns Hopkins University bisher infiziert. In Italien gehen die Fälle auf 98.000 zu, in Deutschland sind es nahezu 64.000.

Im Vergleich mit anderen Ländern ist die Sterblichkeitsrate bei der vom Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 in Deutschland recht gering: Sie liegt bei etwa 0,8 Prozent, sagt Virologe Christian Drosten im NDR-Podcast "Coronavirus-Update". In Italien liegt die Rate bei über 10 Prozent.

Deutsche Corona-Patienten sind im Durchschnitt nur 45 Jahre alt

Woran es liegt, dass Covid-19 hierzulande im internationalen Vergleich relativ wenige Todesopfer fordert, hat Drosten in der Vergangenheit bereits mehrfach erklärt: Weil in Deutschland von Anfang an viel auf das Coronavirus getestet worden ist und die Dunkelziffer positiver Fälle geringer ausfällt. Dadurch sind die Todeszahlen im Verhältnis geringer.

Ein weiterer Unterschied zwischen Deutschland und anderen Ländern ist das Durchschnittsalter der positiv auf Sars-CoV-2 getesteten Patienten: Hierzulande liegt das Durchschnittsalter laut Robert Koch-Institut bei 45 Jahren. Das ist deutlich jünger als beispielsweise in Italien, wo es laut des Istituto Superiore di Sanità 63 Jahre beträgt. In China liegt das durchschnittliche Alter der Erkrankten bei 51 Jahren.

In Deutschland wurden auch viele milde Fälle von Corona getestet

Was ist nun der Grund, dass die deutschen Covid-19-Patienten jünger sind als die internationalen? Erkranken in Deutschland etwa mehr junge Menschen?

Nicht ganz. Es wurden allerdings mehr jüngere Patienten mit dem Virus identifiziert, eben weil Deutschland so früh und flächendeckend zu testen begonnen hat. Weil die Diagnostik hierzulande so gut ist, erklärt Drosten, "führt das zu verschiedenen Nachfolgeeffekten. Dazu gehört auch, dass unser Durchschnittsalter relativ jung ist."

Wenn nämlich während einer frühen Phase der Epidemie mit der Diagnostik begonnen wird, können die Kapazitäten besser genutzt und auch Fälle getestet werden, die noch keine schweren Symptome zeigen. Drosten sagt:

"Wenn wir jeden testen können, dann testen wir auch die milden Fälle. Und wer sind die milden Fälle? Das sind die Jüngeren im Durchschnitt."

Junge Menschen können zwar schwer an Covid-19 erkranken, teilweise auch mit tödlichem Verlauf. Dennoch sind es aller Wahrscheinlichkeit nach die Risikogruppen, die eher eine schwere Erkrankung erleben werden.

Wird also in einem Land recht spät getestet, werden wahrscheinlich schon viele Fälle mit schweren Symptomen auftreten, die bei der Diagnostik priorisiert werden. Sind es besonders viele schwere Fälle, fehlt die Kapazität, um milde Fälle zu testen.

Wahrscheinlich wurden zunächst mehr junge Menschen positiv getestet

Ein weiterer Grund, weswegen die Patienten in Deutschland vorerst recht jung sind: Drosten vermutet, dass die erste Kohorte, die das Coronavirus eingeschleppt hat (abseits der Fälle in Bayern um die Firma Webasto), möglicherweise Menschen waren, die um Karneval herum Skifahren in Italien waren. Das waren meist jüngere Menschen, die sich auch eher mit Gleichaltrigen umgeben.

Wenn das Virus allerdings mit der Zeit zu älteren Bevölkerungsschichten wandert, zum Beispiel in Pflegeeinrichtungen verbreitet wird, "dann verschiebt sich plötzlich auch das Durchschnittsalter der Infizierten, ohne dass wir eine geringere Nachweisfrequenz haben", sagt Drosten. Es wird also dieselbe Menge von positiv getesteten Corona-Fällen ermittelt. Allerdings steigt das Durchschnittsalter. Damit könnte auch eine erhöhte Sterberate zusammenhängen.

Dass die deutschen Coronavirus-Patienten bisher recht jung waren, weist vor allem darauf hin, dass Deutschland verhältnismäßig schnell auf die Pandemie reagiert hat – auch wenn kritische Stimmen das anzweifeln mögen.

(ak)

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Virologe Drosten: Warum eine Erkältung immun gegen Corona machen könnte

Eine tolle Nachricht: Einige Virologen gehen inzwischen davon aus, dass es Menschen gibt, die unbemerkt immun gegen Covid-19 wurden, weil sie in der Vergangenheit eine (vergleichsweise harmlose) Corona-Erkältung durchlaufen haben. Im NDR-Podcast "Coronavirus-Update" erklärt Christian Drosten, was es mit dieser neuen Theorie auf sich hat.

"Es ist durchaus so, dass wir damit rechnen, dass es möglicherweise eine unbemerkte Hintergrunds-Immunität gibt – durch die Erkältungscoronaviren. Denn die …

Artikel lesen
Link zum Artikel