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People wearing N95 face masks waiting at baggage claim line terminal of the international airport. Airplane travelers waiting for luggage from a conveyor belt.

In diesem Jahr müssen Auslandsreisende auf jede Menge Corona-Regeln gefasst sein. Bild: E+ / izusek

Deine Fragen - unsere Antworten

Urlaub und Corona: Wo du gar nicht einreisen darfst und wann du Geld zurückbekommst

Gerade dieses Jahr hatten wir alle Urlaub dringend nötig, doch wer gerne ins Ausland fährt, ist momentan zurecht verunsichert. Wo kann man eigentlich noch einreisen? Und muss ich nach meiner Heimkehr erstmal in Quarantäne?

Angesichts ständig wechselnder Risikogebiete und Corona-Bestimmungen ist 2020 ein wirklich konfuses Urlaubsjahr. Um ein bisschen Licht in das Dunkel zu bringen, beantworten wir die wichtigsten Fragen.

Welche Länder gelten inzwischen als Risikogebiet?

Die meisten. Insgesamt 132 Länder gelten laut dem Robert-Koch-Institut derzeit als Risikogebiet, das macht den Großteil der etwa 195 Länder auf dem Globus aus (eine Auflistung findest du hier). Diese Liste wird fortwährend aktualisiert, momentan befinden sich darauf zum Beispiel die USA, Türkei, Ägypten sowie einzelne Regionen in Kroatien, Belgien und Spanien. Das Auswärtige Amt warnt weiterhin vor allen nicht notwendigen Reisen ins Ausland und nimmt davon nur einige europäische Länder aus, etwa Dänemark, Österreich und Großbritannien (weitere sichere Länder siehst du hier).

Welches Land als Risikogebiet gilt, wird übrigens durch das Gesundheitsministerium, das Auswärtige Amt und das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat analysiert. Die Einstufung als Risikogebiet basiert auf einer zweistufigen Bewertung: Zunächst wird festgestellt, in welchen Staaten es in den letzten sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gab. In einem zweiten Schritt wird analysiert, ob für Staaten, die den genannten Grenzwert nominell unterschreiten, dennoch die Gefahr eines erhöhten Infektionsrisikos vorliegt, zum Beispiel wegen mangelnder Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie oder fehlender Testkapazitäten.

Kriege ich Geld zurück, wenn mein Urlaubsziel zum Risikogebiet wurde?

Vor Antritt der Reise grundsätzlich ja. Liegt für ein Land eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes vor, wurde von den Gerichten bislang "höhere Gewalt oder eine erhebliche Gefährdung" anerkannt – das berechtigt den Kunden zu einem Rücktritt ohne jegliche Entschädigungs-Zahlung. Ausschlaggebend ist juristisch dabei aber auch, ob am Reiseort selbst "unvermeidbare und außergewöhnliche Umstände" vorliegen. Das ist eine Einzelfall-Entscheidung, die am besten mit dem Reiseveranstalter selbst geklärt wird.

"Bei TUI wird es derzeit so gehandhabt, dass Pauschalreisen gebührenfrei umgebucht oder storniert werden können, wenn eine Reisewarnung durch das Auswärtige Amt ausgesprochen wird."

Eine TUI-Pressesprecherin auf Anfrage von watson

Ich komme gerade aus einem Risikogebiet wieder – was muss ich jetzt tun?

Noch gilt: Wer sich innerhalb von 14 Tagen vor der Einreise in einem Risikogebiet aufgehalten hat, ist verpflichtet, sich unverzüglich in häusliche Quarantäne zu begeben und dort 14 Tage lang zu bleiben. Die Aufenthaltsadresse muss dem Gesundheitsamt gemeldet werden, welche die Quarantänepflicht überwacht. Bislang können sich Einreisende 72 Stunden lang kostenlos auf Corona testen lassen, unter Umständen kann das zu einer sofortigen Aufhebung der Quarantäne führen, das ist jedoch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt und muss entsprechend im Einzelfall abgeklärt werden.

06.08.2020, Berlin: Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, spricht bei einer Pressekonferenz zum aktuellen Infektionsgeschehen und zur nationalen Teststrategie in der Bekämpfung der Corona- Pandemie. Foto: Michael Kappeler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Jens Spahn möchte die Rückkehrer-Tests einstellen. Bild: dpa / Michael Kappeler

All diese Regelungen sind jedoch wieder in der Diskussion. Gesundheitsminister Jens Spahn hat vorgeschlagen, die Corona-Tests für Reisende wieder abzuschaffen und dafür eine vorerst fünftägige Quarantänepflicht einzuführen. Über diesen Vorschlag werden die Gesundheitsminister der Länder am Donnerstag zusammen mit Kanzlerin Angela Merkel verhandeln.

Übrigens: Wenn du nur auf der Durchreise durch Deutschland bist und keine SARS-CoV-2-Symptome aufweist, gilt die Quarantänepflicht für dich nicht.

Wird die Quarantäne kontrolliert? Und wie viel kostet ein Verstoß?

Das Bundesgesundheitsministerium weist darauf hin, dass die Quarantänepflicht grundsätzlich unter das Infektionsschutzgesetz fällt und Verstöße mit einer Geldbuße von bis zu 25.000 Euro belegt werden können.

"Die zuständigen Behörden vor Ort prüfen die Einhaltung stichprobenartig, beispielsweise mit unangekündigten Anrufen."

Oliver Grimm zu watson

Die Regelungen und Kontrolle der Selbstisolation obliegt aber den Gesundheitsämtern der Länder. Heißt: Unter welchen Umständen deine Quarantäne aufgehoben werden kann und wozu du währenddessen verpflichtet bist (zum Beispiel dich selbst in der eigenen Wohnung von anderen Familienmitgliedern fernzuhalten), hängt von dem Bundesland ab, in dem du lebst.

Und ja, die häusliche Quarantäne wird durchaus kontrolliert. Wie das genau aussieht, erklärt uns Oliver Grimm vom Gesundheitsministerium am Beispiel Niedersachsen: "Die zuständigen Behörden vor Ort prüfen die Einhaltung stichprobenartig, beispielsweise mit unangekündigten Anrufen", erzählt er watson. Und wer dann nicht ans Telefon geht, kann ordentlich zur Kasse gebeten werden. "Bei Nichteinhaltung der Quarantäne kann ein Bußgeld in Höhe eines mittleren vierstelligen Betrags verhängt werden." Schließlich handele es sich dabei juristisch um eine Straftat, sagt er.

Bislang waren genau diese Kontrollen aufgrund von Personalmangel in der Praxis aber häufig ausgeblieben. Das soll sich nun ändern: Das Bundeskabinett hat am Mittwoch eine stärkere Digitalisierung beschlossen, um die Gesundheitsämter vor Ort zu entlasten, so sollen zum Beispiel digitale Aussteigekarten für Flugreisende eingeführt werden.

Wo kann ich als Deutscher momentan gar nicht einreisen?

Deutschland ist bislang nicht als separates Risikogebiet hervorgehoben, in einigen Staaten herrscht jedoch ein allgemeines Einreiseverbot für die Schengen-Länder oder die Einreise kann nur unter bestimmten Bedingungen geschehen. Das kann ein bestehendes Visa sein (wie in Kanada und China) oder eine nach der Einreise bestehende 14-tägige Quarantänepflicht (wie in Argentinien). Sehr strenge Einreiseverbote für Deutsche bestehen momentan unter anderem in den USA, Australien und Israel. Dort einzureisen ist für Deutsche momentan fast unmöglich.

Da sich diese Einreisebestimmungen schnell ändern können, solltest du dich vor dem Urlaub auf jeden Fall über die derzeitige Regelung in deinem Zielland informieren, zum Beispiel beim Auswärtigen Amt.

Mein Urlaubsland hat Deutschland eben zum Risikogebiet erklärt. Ich bin aber noch da. Was jetzt?

Plötzlich im Ausland festzustecken, weil Reisen nach Deutschland dort nicht mehr erlaubt sind, ist für viele sicher eine Horrorvorstellung. In solchen Fällen sollte man sich direkt mit dem deutschen Konsulat vor Ort in Verbindung zu setzen.

Ruben Schwarz vom Auswärtigen Amt erklärt watson dazu: "Art und Umfang der konsularischen Hilfe richten sich nach den Umständen und Möglichkeiten im Einzelfall. Die Bandbreite reicht von allgemeiner Beratung bis hin zu konkreter praktischer Unterstützung, beispielsweise durch Vermittlung von Transfer- und Rückfluggelegenheiten." Zwar seien momentan keine Charter-Rückholflüge für Deutsche mehr vorgesehen, wie es noch im Frühjahr der Fall war, aber man werde "im Bedarfsfall pragmatische Lösungen für eine Rückkehr nach Deutschland zu finden".

(jd/mit Material von afp)

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