Leben
Rearview shot of a sporty young woman stretching her arms while exercising outdoors

Nicht immer ist Dehnen sinnvoll. Bild: Getty Images

Vor oder nach dem Sport: Wann sollten wir uns dehnen?

Dehnen ist eine lästige Angelegenheit. Es ist unangenehm und, mal ehrlich, wahnsinnig langweilig. Die Zehen zu berühren hat ungefähr denselben Charme wie seine Steuererklärung zu machen – und ja, das kann auch schmerzen. Nur leider ist beides nötig. Doch wie auch bei der Steuererklärung gibt es beim Dehnen Regeln, die wir beachten sollten.

Andernfalls können sich der gute Wille und die Motivation im Nachhinein als hinderlich entpuppen. Besonders für alle, die leistungsorientiert trainieren. Damit du keine Fehler beim Dehnen machst, haben wir hier einen kleinen Leitfaden für dich. Have fun.

Nicht immer sinnvoll

Zunächst ist Dehnen nicht vor jeder Sportart hilfreich, da es die Gelenkreichweite erhöht und Spannung in Muskeln und Sehnen mindert. Das kann sich gerade bei Disziplinen mit Fokus auf Kraft und Geschwindigkeit negativ auf die Leistung auswirken. Denn Dehnen verringert den Muskeltonus, wodurch sich unsere Muskeln weniger schnell und kräftig anspannen lassen.

Explosive Bewegungen, wie sie etwa beim Gewichtheben oder auch beim Hochsprung vorkommen, können wir in diesem Zustand weniger effizient ausführen. Im Gespräch mit "t-online" sagt der Leiter des Instituts für Bewegungstherapie der Deutschen Sporthochschule Köln, Ingo Froböse, dass sich das sogar auf die Leistung beim Fußball auswirken kann.

Ebenfalls wichtig: kalte Muskeln sollten wir nie dehnen. Lieber vorher aufwärmen. Dann sind die Muskeln durchblutet. Andernfalls besteht ein erhöhtes Verletzungsrisiko. Und wie unangenehm wäre es, noch vor dem Sport eine Sportverletzung zu bekommen?

Aufwärmen ist ohnehin immer sinnvoll, völlig egal, ob du Fußball spielen, joggen oder Gewichte stemmen möchtest. Meist genügt es, die für einen Sport typischen Bewegungen langsam und mit geringer Intensität auszuführen. "Wenn Sie also Joggen wollen, laufen Sie die ersten fünf Minuten einfach ruhiger. Das reicht schon als Verletzungsschutz", sagt Froböse.

Wann macht Dehnen denn nun Sinn?

Bei Sportarten, die eine hohe Beweglichkeit erfordern. Turnen, Hürdenlauf, Delfinschwimmen, Gymnastik, aber auch, Karate, Taekwondo oder Ballett. Bei einem hohen Fußtritt ohne vordehnen oder aufwärmen kann schließlich nicht nur die Hose reißen.

Bei explosiven Sportarten wie auch bei eher dynamischen ist es zudem gut, die Muskeln nach dem Training ein paar Minuten zu dehnen, um sie wieder zu entspannen. Hilft zwar nicht gegen Muskelkater, dafür bleiben wir geschmeidig wie ein Leopard. Wichtig ist nur, dass wir nicht über die Schmerzgrenze hinausgehen.

Da wir durchs Dehnen den Muskel entspannen, kann es auch bei Krämpfen helfen. Wenn wir uns also das nächste Mal auf dem Boden vor Schmerzen winden, weil die Wade krampft, sollten wir auf die Person hören, die uns "Gegendehnen" zuruft. So unangenehm das auch ist.

(tkr)

0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!

Hochfunktionale Depression: Wenn niemand merkt, wie krank du wirklich bist

Liliana Kröger (Name von der Redaktion geändert), 34, leidet an einer sogenannten atypischen Depression: Obwohl sie erfolgreich im Beruf ist und ihren Alltag gut bewältigt, ist sie depressiv. Ihre Form der Depression wird manchmal auch "hochfunktionale Depression" genannt. Lilianas Leiden wurde jahrelang nicht diagnostiziert – unter anderem auch, weil sie sich nicht zum Arzt traute, da sie sich nicht "krank genug" fühlte. So empfindet ein Mensch, der nach außen hin seinen Alltag meistert – und tr

Heute morgen wache ich auf und es ist schon hell, aber die Sonne scheint nicht. Zumindest fühlt es sich so an.

Ich drücke den Snooze-Button auf meinem Wecker, nur noch zehn Minuten. Ich fühlte mich wie gerädert, frage mich, wie ich aus dem Bett kommen soll. Die letzte Nacht habe ich wieder schlecht geschlafen, im Traum ist die Welt untergegangen. Das träume ich häufig, wenn es mir nicht gut geht.

Ich quäle mich aus dem Bett, ziehe mich an, lese die Nachricht einer Freundin, die mich heute Abend …

Artikel lesen
Link zum Artikel