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Bild: RTL / watson Montage

Vera Int-Veen verurteilt Hartz-IV-Empfänger – dann erkennt sie ihren Fehler

Wenn ein Sender wie RTL eine beliebte Trash-TV-Moderatorin quer durch Deutschland schickt, damit sie sich mit Menschen trifft, die in Armut leben, ist klar:

So viel dazu – wir wissen ja, wie Armutshows funktionieren.

Int-Veen zeigt teilweise Verständnis für Hartz-IV-Empfänger

Und dennoch muss man an dieser Stelle auch mal sagen: Obwohl Vera Int-Veen in ihrer neuen Sendung "Vera unterwegs" hier und da allzu harsche Worte für ihre Protagonisten findet, obwohl sie manchmal die Situation nicht ganz fassen kann:

Stellenweise scheint die Moderatorin gemeinsam mit ihrem Team konstruktive Lösungen für die Betroffenen in ihren prekären Situationen zu finden. Sie weist zumindest ansatzweise auf Armut als strukturelles Problem hin. Und: Vera Int-Veen gibt zu, Vorurteile gegen arme Menschen zu haben und diese überwinden zu wollen.

So wird zu Beginn der Sendung der Fall von Doreen und Thomas Witt vorgestellt. Die beiden leben in einem heruntergekommen Haus in Mecklenburg-Vorpommern. Doreen leidet an der chronischen Krankheit Morbus Crohn, Thomas hatte bereits zwei Schlaganfälle und ist seit einem dreiviertel Jahr arbeitsunfähig.

Int-Veen empfiehlt der Familie den Gang zum Jobcenter

In alter Manier (wir haben es schon in der vorangegangenen Folge "Vera unterwegs" beobachtet) drückt Int-Veen erst einmal den Finger in die Wunde: Die Moderatorin läuft durch das verwahrloste Haus, kommentiert die Zustände und scheint so gar nicht verstehen zu wollen, dass Familie Witt es ohne Geld in den letzten Jahren nicht renovieren konnte.

Int-Veen findet Doreen und Thomas Witt lethargisch. Dass die beiden allerdings tatsächlich krank sind und Thomas bis vor Kurzem immer gearbeitet hat, das Paar außerdem ihren Hof und die Tiere zu versorgen hat, scheint Int-Veen in ihre Beobachtungen nicht mit einzubeziehen.

"Ich finde, ihr seid kein gutes Vorbild für eure Tochter“, sagt Int-Veen zu Familie Witt.

"Ist die glücklich, die Kleene?" – vor allem diese Frage trifft Mutter Doreen, sie bricht in Tränen aus.

Dennoch versucht Int-Veen, Familie Witt zu helfen: Indem sie ihr nahelegt, sich Hilfe zu holen. So organisiert das Team der Sendung einen Beratungstermin bei der Caritas. Außerdem versucht Int-Veen, Doreen und Thomas dazu zu überreden, doch noch einmal den Gang zum Jobcenter zu wagen. Schließlich könnte die Familie mit ihrem niedrigen Einkommen aufstocken.

So hat Int-Veen zwar ausgesprochen, was sich so manch ein verärgerter Zuschauer zu Hause womöglich gedacht hat. Allerdings hat sie der Familie zumindest einen Lösungsansatz gezeigt – der zumindest als Positivbeispiel dient.

Die Moderatorin gibt ihre Vorurteile gegenüber Hartz-IV-Empfängern zu

Int-Veens Reise geht weiter: In Sachsen-Anhalt lernt sie Janine kennen. Die 36-Jährige lebt mit ihrem Mann Helmut sowie ihren vier Kindern von Hartz IV, Kindergeld und Helmuts Minijob. Zum Leben bleiben der sechsköpfigen Familie im Monat 900 Euro.

Obwohl Janine selbst sagt, sie leben im Ghetto, ist Vera Int-Veen überrascht, nachdem sie die Familie etwas näher kennengelernt: Vor allem erstaunt zeigt sie sich darüber, dass es Janines Kindern wichtig ist, gut in der Schule zu sein.

"Ich will auf jeden Fall Medizin studieren", sagt die Tochter der Hartz-IV-Empfängerin Janine.

Janine wurde damals während ihrer Ausbildung schwanger und leidet mittlerweile an diversen gesundheitlichen Problemen. Das Vorurteil, ihre Kinder würden sich deswegen negativ beeinflussen zu lassen und wären schlecht in der Schule, trifft allerdings nicht zu. So sagt Int-Veen dazu:

"Ich bin mal wieder eines Besseren belehrt worden."

Bahnbrechend ist Int-Veens Erkenntnis, dass man "nicht immer so in Schubladen denken" kann, vielleicht nicht. Bedenkt man allerdings das Format Armutsshow, ist dieses Eingeständnis zumindest ein Schritt in die richtige Richtung: Aha, wir haben Vorurteile gegen arme Menschen. Es wird auch mal herausgestellt, was in einer Hartz-IV-Familie gut gehen kann – trotz schlechter finanzieller Lage.

Ein besonders großes Problem von Armutsshows ist auch, dass Armut oftmals als individuelles Problem dargestellt wird. Der Ansatz, Armut ein Gesicht zu verleihen und so die Schicksale der Menschen zu erzählen, ist zwar nachvollziehbar – kann allerdings schnell die strukturellen Probleme hinter den Einzelschicksalen vertuschen.

Bei "Vera unterwegs" wird zumindest zwischen den Geschichten der Protagonisten auf dahinterliegende Schwierigkeiten und kausale Zusammenhänge hingewiesen. Zum Beispiel spricht die Moderatorin darüber, dass sich Armut und Gesundheit gegenseitig bedingen: Wer arm ist, wird häufiger krank – physisch sowie psychisch.

Menschen in Armut sind nicht schuld an ihrem Schicksal

Int-Veen bemüht sich zu sehen, dass Menschen, die in Armut leben, ihre Situation nicht selbst verschuldet haben. Das macht sie mal mehr, mal weniger geschickt. Die Reaktionen der Zuschauer auf Twitter sind diesbezüglich zwiegespalten. So schreibt eine Userin:

Dennoch ist die Darstellung von Armut zumindest in dieser Folge "Vera unterwegs" deutlich ausgewogener, als man es von trashigen Armutsshows ansonsten gewohnt ist.

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