Leben
Designed film background with heavy grain, dust and light leak

Lena Meyer-Landrut. imago/getty images

Interview

"Dann ist die Scheiße am Dampfen" – Lena über Lügen und Echtheit auf Instagram

Sitzt man Lena gegenüber und erlebt ihre raumfüllende Ausstrahlung, dann versteht man, warum sie neun Jahre nach ihrem überwältigenden ESC-Sieg relevanter ist als je zuvor. Sie hat das, was andere in der Öffentlichkeit gerne inszenieren: Eine Echtheit, die sie nicht verbergen kann.

Für ein verstecktes Kompliment richtet sie sich auf und freut sich authentisch. Bei einem für sie wiederkehrenden, schwierigen Thema reagiert sie entnervt. Fühlt sie sich ertappt, muss sie grinsen. Das hat etwas ewig Kindliches.

Lena Meyer-Landrut spricht Hauptrolle im Animationsfilm

Daher passt es auch, dass sie die Hauptrolle im Animationsfilm "Willkommen im Wunder Park" spricht. Als Zehnjährige, extrem aufgeweckte June erschafft sie in ihrer Vorstellung einen Freizeitpark, bis ihre Mutter krank wird, sie eine Wandlung durchmacht und ruhig wird.

"Willkommen im Wunder Park" – Trailer:

abspielen

Der Film kommt am 11. April in die deutschen Kinos. Video: YouTube/ParamountPicturesGER

Diese traurig-schöne Geschichte ist vergleichbar mit dem Werdegang von Lena. Nach ihrem ESC-Sieg reagierte sie überfordert und konnte das auch in der Öffentlichkeit nicht immer verstecken. Ganz anders heute: Es scheint ihr gut zu gehen. Etwas anderes würden wir merken.

Diese Hingabe zur Wahrheit forderte sie auch ein, als sie vor einigen Wochen auf Instagram einen Text mit der Headline "Du sollst nicht lügen" postete.

Wir sprachen mit ihr über Notlügen und Fake-Filter auf Instagram.

watson: Die Geschichte um June, deren Mutter krank wird, geht einem sehr nah. War das auch so bei dir, als du die Geschichte zum ersten Mal gehört hast?
Lena: Ich glaube, jeder kann etwas damit verbinden, wenn June auf der Straße steht und ihre kranke Mutter wegfährt. Bevor ich bei dem Film zugesagt habe, konnte ich mir einen Trailer mit dieser Szene anschauen. Und dabei habe ich dreimal angefangen zu weinen. Wenn mich das nicht emotional berührt hätte, dann hätte ich wahrscheinlich auch nicht zugesagt.

Was viele berührt hat, war dein "Don’t Lie To Me"-Instagram-Post. Was stößt mehr auf, schonungslos die Wahrheit zu sagen oder skrupellos zu lügen?
Das ist die Debatte. Wie viel Wahrheit ist gut, wie viel Wahrheit ist schlecht? Wie viel Lüge ist okay? Wie viel Verschweigen ist schon Lüge? Das ist ein schwieriges Thema, und eines, das für mich in vielen meiner Lebenssituationen akut ist.

#dontlietome

Ein Beitrag geteilt von Lena (@lenameyerlandrut) am

Kannst du mal ein Beispiel geben?
Im Privaten, wenn man mit seinen Liebsten ist. Bei mir ist es so, dass ich Leute nicht verletzten oder verlieren möchte. Ich befürchte, dass es einen Keil zwischen uns treiben könnte, wenn ich ehrlich bin. Die Wahrheit birgt viele Risiken, Lügen aber auch.

Gibt es kleine Lügen, die du immer wieder bemerkst und die dich ärgern?
Mittlerweile sind kleine Lügen für mich nicht so schlimm. Mir geht es eher um Grundsätzliches. Wenn man im Privaten nicht ehrlich ist, wird das auf einen zurückfallen. Die Wahrheit wird irgendwann ans Licht kommen und dann ist die Scheiße am Dampfen. So war es bei einer Freundin und mir, über sie habe ich auch den Song geschrieben, der jetzt rauskommt. Wir hatten beide zu viel Angst, ehrlich zu sein. Gott sei Dank konnten wir alles klären und waren schonungslos ehrlich miteinander, was echt hart war.

Lena – "Don't Lie to Me"

abspielen

Video: YouTube/Lena

Ist es zum zwangläufigen Clash gekommen, oder hat eine von euch den ersten Schritt gewagt?
Eine hat den ersten Schritt gemacht.

Warst du das?
Nee, ich war’s nicht. Wir beide haben daraus gelernt. Wenn solche Extrem-Situationen passieren, dann muss man sich mit ihnen auseinandersetzen. Sonst schwimmt man die ganze Zeit in so einer lauwarmen Badewanne und bewegt sich nie raus und wächst nicht.

Lena über Ehrlichkeit auf Instagram:

abspielen

Video: watson/toni lukic, katharina kücke

In deinem Instragram-Post steht: "Ich will nichts zurückhalten, ich will nichts verschönern." Hier in Deutschland herrscht ja sehr das Vorurteil, dass ausgerechnet auf Instagram viel verschönert wird.
Ich finde gut, dass du in deinem Satz gesagt hast: 'In Deutschland'. Jeder soll machen, was er für richtig hält, und was Deutschland oder die Gesellschaft sagt, das hat nichts mit meiner Verantwortlichkeit für mich selber zu tun, wie ich das gerne machen möchte.

Ich möchte, so weit es mir möglich ist, ehrlich sein. Ich weiß, dass das nicht immer geht. Bei Instagram geht es mir zum Beispiel auch um Ästhetik. Und das ist etwas anderes, als Sachen fake mit einem Filter schöner zu machen, als sie eigentlich sind.

Du bist "Lena Nationale", hast extrem viele Fans, die dir folgen und bist dir deiner Verantwortung bewusst. Holst du dir bei so einem meinungsstarken Post nochmal Rückmeldung, bevor du ihn absetzt?
Ich mache jeden Post selbst. Aber es ist nicht so, dass ich mir alles, was mit dem Album und der Kampagne dafür zu tun hat, selber ausdenke. Das basiert auf wahren Begebenheiten, nämlich dem Song und der Geschichte aus dem Lied. Meine Wahrheit steht ganz oben und dann schauen wir, wie das verarbeitet werden kann. Sowas ist natürlich nicht ganz so spontan, andere Sachen dafür total.

Meine Insta-Stories sind immer echt. Ich halte nichts davon, zu übertreiben. Ich versuche immer, so ehrlich wie möglich zu sein. Manchmal bin ich ungeschminkt und manchmal mache ich einen Filter drauf, wenn ich mich hässlich fühle. Aber das kann dann auch gesagt werden.

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Kinder im Dauerstress: Warum die Kindheit mit dem Kita-Besuch aufhört

Ilona Böhnke ist Erzieherin in Dortmund. In ihrer 40-jährigen Laufbahn hat sie eine wichtige Beobachtung gemacht: Kinder verbringen immer mehr Zeit in Kitas, deren Alltag ist durchgetaktet. Dass Spielen nach Stundenplan und das ständige Zusammensein in der Gruppe auch Arbeit für die Kinder bedeutet, wissen viele Erwachsene nicht. Böhnke warnt nun vor möglichen Folgen.

Morgens Mathe, dann Bildungsbereich Natur bis mittags. Nach der Mittagspause Entspannung, vielleicht noch eine Runde Malen oder Singkreis und dann noch Turnen, bis es wieder nach Hause geht.

Was auf den ersten Blick wie der Alltag von mindestens einem Grundschüler wirkt, ist tatsächlich ein ganz normaler Tag für ein Klein- oder Vorschulkind in der Kita. Zeit für freies Spielen? Bleibt da eigentlich gar nicht.

Viele der Probleme, die in deutschen Kitas vorherrschen, sind zwar immer noch nicht …

Artikel lesen
Link zum Artikel