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Bild: Getty Images/iStockphoto - SbytovaMN

Kinder vegan ernähren – kann das gut gehen?

Daniel Huber / watson.ch

Vegane Ernährung liegt im Trend. Manche von ihnen ernähren auch ihre kleinen Kinder ausschliesslich vegan – und das kann zu Problemen führen.

Wie bei einem Elternpaar aus Australien, das in Sydney von einem Gericht zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt wurde, weil es seine Tochter falsch ernährt hatte.

In den ersten anderthalb Lebensjahren hatte das Mädchen keinerlei Nahrungsmittel tierischer Herkunft erhalten. Es war mit 19 Monaten erst so weit entwickelt wie normale Kleinkinder im Alter von drei Monaten – es wog nicht einmal fünf Kilogramm und hatte noch keine Zähne.

Ist vegane Ernährung also für Kinder – insbesondere Babys – prinzipiell ungeeignet? Eine nüchterne Antwort auf diese Frage scheint vor allem deshalb schwierig, weil aus Ernährungsfragen gemeinhin schnell Glaubenskriege werden, in denen unversöhnliche Ideologen sich in den Schützengräben ihrer Dogmen verschanzen.

Glossar der Ernährungsweisen

• Omnivoren:
Allesesser
• Flexitarier:
gelegentlicher Verzehr von Fleisch
• Pescetarier:
Verzicht auf Fleisch und Geflügel, nicht aber auf Fisch
• Ovo-Lacto-Vegetarier:
Verzicht auf Fleisch und Fisch
• Lacto-Vegetarier:
Verzicht auf Fleisch, Fisch und Eier
• Ovo-Vegetarier:
Verzicht auf Fleisch, Fisch und Milch
• Veganer:
Verzicht auf alle tierischen Lebensmittel und Erzeugnisse (Fleisch, Fisch, Milch, Ei, Honig)
Frutarier (Fruitaner, Fruganer):
Verzicht auf alle tierischen Lebensmittel und Erzeugnisse sowie auf Pflanzen, die beim Verzehr vernichtet werden
• Rohköstler:
Verzehr von roher Kost

Sicher ist, dass halboffizielle und offizielle Instanzen wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) klar davon abraten, Kinder strikt vegan zu ernähren. Der deutsche Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) und die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) empfehlen vegan lebenden Eltern dringend, sich bei Ernährungsexperten Rat zu holen, damit die Kinder und Jugendlichen keine Mangelerscheinungen entwickeln und ihnen keine dadurch verursachten irreparablen Schäden drohen.

"Das Risiko eines Nährstoffmangels ist umso größer, je restriktiver die Ernährung ist und je mehr Lebensmittelgruppen aus der Ernährung ausgeschlossen werden."

Prof. Dr. Berthold Koletzko, DGKJ-Ernährungskommission

Mangelerscheinungen drohen nicht nur Kindern, die streng vegan ernährt werden, sondern auch Erwachsenen, die konsequent alle tierischen Lebensmittel meiden.

Hauptgrund dafür ist, dass man bei dieser Ernährungsweise kein Vitamin B12 (Cobalamin) aufnimmt, das nahezu ausschließlich in Lebensmitteln tierischer Herkunft enthalten ist. Es muss daher bei einer veganen Lebensweise ergänzt werden, beispielsweise in Tablettenform.

Alle übrigen Nährstoffe kann man durch pflanzliche Produkte aufnehmen – allerdings muss dabei genau darauf geachtet werden, was auf den Teller kommt. Pflanzliche Proteine weisen nämlich eine geringere Verwertbarkeit auf als tierische Eiweiße, zudem ist die Zusammensetzung ihrer Aminosäuren beschränkter. Kalzium ist in rein pflanzlicher Nahrung nur in kleinen Mengen enthalten und Eisen, Jod sowie Zink werden schlechter absorbiert.

A little boy is eating a cucumberA little boy is eating a cucumberA little boy is eating a cucumberA little boy is eating a cucumber

Bild: iStockphoto

Hier eine Übersicht über problematische Nährstoffe bei veganer Ernährung:

Tipp

Um eine ausreichende Versorgung mit all diesen Stoffen zu gewährleisten, ist es empfehlenswert, Nährstoff-Tabellen zu führen.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die strikt vegane Ernährung bei Kleinkindern zu schwerwiegenden Problemen führen kann. Dies ist umso mehr der Fall, wenn die Eltern sich in Ernährungsfragen nicht auskennen. Pommes und Ketchup zum Beispiel sind sehr wohl vegan, aber nicht unbedingt gesund.

Eine nicht dogmatische vegane Ernährung, die Mangelerscheinungen vermeidet, hat aber auch positive gesundheitliche Auswirkungen. So gibt es Hinweise, dass vegan ernährte Kinder später weniger anfällig für Übergewicht sind. Ohnehin geht eine vegetarische Ernährung mit einer niedrigeren Prävalenz von Übergewicht einher; möglicherweise ist auch die Mortalität infolge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen niedriger. Diese Befunde können allerdings auch damit zu tun haben, dass Vegetarier tendenziell eher auf einen gesunden Lebensstil achten.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Ha End 25.08.2019 16:34
    Highlight Highlight Ziemlich realitätsfremde Bezeichnung bezüglich Trend : 3% der Gesamtbevölkerung sind Vegan.
    Diktat der Minderheiten gefällt mir besser.
  • Vegander 25.08.2019 11:13
    Highlight Highlight Dieser Beitrag hinkt den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen hinterher. Die grösste Vereinigung von Ernährungsexperten weltweit, die Amerikanische AND, empfiehlt eine gut geplante vegane Ernährung ausdrücklich für jede Lebenslage und jedes Lebensalter, und Kanada hat Tiermilch kürzlich aus der Lebensmittelpyramide gestrichen.
    Unsere Behörden sind aber leider dermassen von der Industrie unterwandert, dass sie ihre Lügen und Halbwahrheiten wohl noch eine weile verbreiten werden.
    Glücklicherweise kommt bald "The Game Changers" in die Kinos. Diese Film wir viele Leute erschüttern!
  • Alexander Käito 25.08.2019 10:04
    Highlight Highlight Zitat: "Sicher ist, dass halboffizielle und offizielle Instanzen wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) klar davon abraten, Kinder strikt vegan zu ernähren." - Das stimmt gar nicht. Alle offizielle Instanzen halten eine vegane Ernährung bei Kindern für möglich, wenn sie gut geplant wird (so wie in der Mischkost auch). Der Artikel widerspricht sich nicht nur an einigen Stellen, er unterschlägt auch Details, verfälscht sie teilweise und stellt sie reißerisch dar.

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