Leben
Family eating together at outdoor gathering PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: SigridxOlsson B88770221

Fürs Brunchen gibt es nur wunderschöne Stock-Fotos... Schwachsinn! Bild: imago stock&people

Meinung

Bin ich hier der Einzige, der Brunch doof findet?

Grumpy Old Man Oliver Baroni meldet sich wieder mit einer unpopulären Meinung: Brunch ist weder fun, noch fein, noch fancy.

Oliver Baroni / watson.ch

Ich hab's über Jahrzehnte versucht: Zu verstehen, was genau am Ding "Brunch" so total geil sein soll, dass Menschen es immer wieder organisieren oder sich dazu verabreden. Ich weiß nur, dass Brunch hierzulande total beliebt ist.

"Mmmmh, ich liebe Brunch!"

Okay... weshalb eigentlich?

"Einfach weil... halt viel Essen. Und gemütlich, weißt du?"

Das kann ich nachvollziehen. Mittagessen oder Abendessen mit Freunden beinhalten ja meistens "viel Essen" und "gemütlich". Brunch, aber? Sicherlich nicht "gemütlich".

Lasst mich kurz ausholen – zunächst mal die Variante "Brunch-Einladung privat":

Nennt mich ruhig asozial (obwohl ich die Bezeichnung "kein Morgenmensch" bevorzuge), aber ich habe nun mal keine Lust, um 10 oder 11 Uhr morgens bereits freundlich sein zu müssen. Konversation zu machen. Neugierig zu sein, wie es dem Kind der Kollegin geht, mit der ich nicht sonderlich befreundet bin, nun aber Konversation machen muss, weil sich die Sitzordnung so ergeben hat.

WENN die Konversation klappen würde! Tut sie nämlich NICHT, denn Brunch bedeutet vor allem eines: Ständige Unterbrechung. Nein, ich darf keinen gepflegten Smalltalk mit der Tischnachbarin machen, ohne dass es von quer über den Tisch heißt "HEY KÖNNTEST DU MIR DIE MARMELADE GEBEN?" oder "WOLLT IHR AUCH NOCH EIN BRÖTCHEN?" und "MAGST DU NOCH KAFFEE? FÜR DICH SCHWARZ, ODER?" Und... ach komm, liebe Tischnachbarin, plaudern wir ein anderes Mal.

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Happy Family Reunion Dinner PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY  119621f10z

Natürlich darf der frisch gepresste O-Saft nicht fehlen. Wohlsein! Bild: imago stock&people

Diese Form von Unterbrechung ist durch die kommunale Natur der Speisen bedingt. Würde man sich zum Mittagessen verabreden, bekäme jeder Gast einen Teller vorgesetzt und gut ist. Doch Leute, die Brunch mögen, scheinen gerade die Umständlichkeit des Herumreichens und Anbietens von Geschirr zu lieben. Wohl verwechseln sie es mit Geselligkeit.

Auch verwechseln sie Brot und Konfitüre oder irgendwelche Körnchen-Müsli mit feinem Essen. Auch ich mag Brot und Marmelade. Aber als Motivation, aufzustehen, sich frisch zu machen und irgendwo hinzugehen, genügt mir das nicht.

Und, ach ja, sich besaufen klappt auch nicht wirklich, weil Menschen, die Brunch-Einladungen machen, aus irgend einem mir schleierhaften Grund nie wissen, wie man einen Prosecco halbwegs kühlt.

Bliebe noch die Variante "Brunch auswärts in einem Restaurant":

Eine Restaurant-Frühstückskultur, wie das die Angelsachsen pflegen, mit ihren all day breakfasts und ihren eggs any style, haben wir hierzulande nicht. Das ist auch okay so, denn nationale und regionale Unterschiede sind willkommen. Dafür bieten viele Etablissements explizit einen Brunch an.

Bild

"Gemütlich brunchen". bild: wikicommons

Blöd nur, dass sie allesamt GENAU NIE Platz haben. Spontan Brunchen gehen? Forget it. Alles ausgebucht. Am Montag für den nächsten Sonntag einen Vierertisch zum Brunch reservieren? Viel Glück damit. Dementsprechend hektisch und überfüllt sind die Lokale auch, schafft man es jedes Schaltjahr doch mal, einen Tisch zu ergattern.

Ergo werde ich weiterhin am Wochenende zu einer von mir frei gewählten Zeit aufstehen und alleine, oder mit der Liebsten, gemütlich frühstücken. Mit einem Kaffee, der kein Nespresso ist. Und mit Eiern auf irgendeine geile Art, vielleicht etwas Toast oder Tortillas und hey, wieso nicht eine Avocado mit etwas Chili und Limette... egal was – einfach nicht Brunch!

Ihr kommt ja bei euren Brunch-Einladungen ohne mich bestens klar. Wir sehen uns dann zum Abendessen. 😘

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