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Arnold Schwarzenegger: "Es geht auch ohne tierische Proteine." Bild: netflix

"The Game Changers" – haben wir uns ein Leben lang falsch ernährt?

Corsin Manser

Nach wie vor gibt es viele Vorurteile über vegane Ernährung. Die Dokumentation "The Game Changers", die seit kurzem auf Netflix zu sehen ist, versucht mit diesen aufzuräumen – und Nicht-Veganern die vegane Ernährung schmackhaft zu machen.

Wenn du bereits jetzt Schnappatmung bekommst und dich um dein Steak fürchtest, bleib doch noch schnell dran! Denn die Doku ist wahrscheinlich anders, als du sie dir vorstellst.

Okay, was ist die Handlung?

Hauptdarsteller der Dokumentation ist James Wilks, eine regelrechte Kampfmaschine. Der Brite ist MMA-Fighter und trainiert Elite-Einheiten. Nach wenigen Sekunden wird klar: Mit diesem Mann willst du dich nicht anlegen.

Mit dem Klischee eines Körnchen pickenden Birkenstock-Veganers hat der kahlköpfige Mann auf den ersten Blick rein gar nichts gemein. Hatte er lange auch nicht, zumal er während seiner Karriere im Ring seine Hochleistungsmaschine mit Fleisch fütterte.

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James Wilks während seiner Zeit als MMA-Kämpfer: Im Jahr 2009 wird er "The Ultimate Fighter". Bild: netflix

Doch dann folgt eine bittere Verletzung. Während eines Trainings macht er sich beide Knie kaputt. Mindestens sechs Monate kein Sport, so das Verdikt der Ärzte.

Wilks will so schnell wie möglich wieder auf die Beine kommen und beginnt zu recherchieren: Welche Ernährung unterstützt den Heilungsprozess am besten?

Er ist davon überzeugt, dass er tierische Proteine für den Wiederaufbau seiner Muskulatur braucht. Dann stößt er auf eine Studie, die ihn ins Grübeln bringt. Angeblich sollen sich römische Gladiatoren zu einem Großteil mit pflanzlichen Lebensmitteln fit gehalten haben.

Wilks Neugier ist geweckt: Er trifft sich mit veganen Spitzensportlern und Wissenschaftlern und bereist vier Kontinente. Was er erfährt, wird seine Welt auf den Kopf stellen.

Was sind die Erkenntnisse?

Fünf Jahre lang hat Wilks recherchiert. Er kommt zum Schluss, dass man auf tierische Proteine komplett verzichten kann. Die Logik dahinter: Hühner oder Rinder bauen ihre Muskelmasse auch mit einer fleischlosen Ernährung auf. Landen sie bei uns auf dem Teller, sind sie letztlich nur Träger der pflanzlichen Proteine.

Also, schlussfolgert Wilks, könnte man sich genauso gut auch direkt bei der Quelle bedienen.

Eine auf Pflanzen basierende Ernährung hat zahllose Vorteile, wie sich im Verlauf der Doku herausstellt. Etwa:

Damit noch nicht genug: Durch eine vegane Ernährung soll sich sogar die Potenz steigern. Für die Dokumentation haben drei Athleten den Härtetest gemacht. Ihr Resultat: Nach einem veganen Abendessen wurden in der Nacht deutlich mehr Erektionen gemessen als nach dem Verzehr eines Fleisch-Menüs.

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Der Effekt ist unübersehbar: Nach einem veganen Abendessen hatte dieser Athlet fast fünf Mal öfter eine spontane Erektion über Nacht. Bild: netflix

Wilks stellt fest: Das Einzige, was bei einer veganen Ernährung wirklich fehlt, ist das Vitamin B12. Er schlägt vor, dass man dieses per Präparat zu sich nimmt. Allerdings erwähnt er, dass auch Fleischesser und Vegetarier zunehmend unter B12-Mangel leiden. Der Grund: Wegen der industriellen Landwirtschaft essen die Tiere weniger Dreck. Doch dort würden sich die fürs B12 zuständigen Bakterien befinden.

"The Game Changers" geht in der Analyse hart mit der Fleischindustrie ins Gericht. Bewusst beschönige diese das Bild, wonach Fleisch für eine gesunde Ernährung unabdingbar sei. Die zahlreich porträtierten Wissenschaftler in der Dokumentation behaupten jedoch das Gegenteil.

In der Dokumentation wird die Fleischindustrie gar mit der Zigarettenindustrie verglichen. Letztere hat jahrzehntelang Werbung gemacht und die Gefahren verharmlost, um den Konsum anzukurbeln.

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Ein Sportler präsentiert sich mit Zigarette: Die Tabakindustrie führte die Konsumenten lange hinters Licht. Bild: netflix

Sind wir Nicht-Veganer also einem gigantischen Marketing-Stunt aufgesessen und haben uns ein Leben lang falsch ernährt?

Wilks gibt mit seinem Werk eine unverblümte Antwort: Ja.

Welche Sportler werden vorgestellt?

Die rund 90-minütige Doku will Fleischesser nicht verteufeln. Sie zeigt aber auf, was auch ohne tierische Produkte erreicht werden kann.

Wilks porträtiert mehrere Sportler, von denen man gemeinhin kaum erwarten dürfte, dass sie Veganer wären.

Etwa:

Patrik Baboumian. Der Deutsch-Armenier ist einer der stärksten Männer der Welt. In der Doku trainiert er dafür, 555 Kilo zehn Meter weit zu tragen. Am Ende schafft er es.

"Jemand hat mich gefragt, wie ich so stark wie ein Ochse werden konnte, ohne Fleisch zu essen. Ich habe geantwortet: Hast du jemals einen Ochsen gesehen, der Fleisch isst?"

Patrik Baboumian

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Bild: netflix

Morgan Mitchell. Olympionikin, die in Australien über 400 Meter alle in Grund und Boden rennt.

"Viele Leute zweifelten meine Entscheidung, Veganerin zu werden, an, aber mein Energieniveau stieg erheblich und meine Eisen- und B12-Werte, für die mir Defizite vorausgesagt wurden, waren großartig."

Morgan Mitchell

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Scott Jurek. Er rennt in der Dokumentation den Appalachian Trail ab und stellt dabei einen neuen Rekord auf. Die 3540 Kilometer spult er in 46 Tagen, 8 Stunden und 7 Minuten ab. Das heißt, er absolviert pro Tag etwa zwei Marathons.

"Ich zweifelte sogar noch eine Woche vor dem Lauf. Vielleicht hätte ich Fleisch essen sollen. Doch ich führte den Lauf von Anfang bis Ende an und gewann ihn sieben Jahre in Folge."

Scott Jurek kurz nach der Umstellung auf eine vegane Diät.

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Bild: netflix

Arnold Schwarzenegger. Der Terminator und Mister Olympia ist zwar selbst nicht vegan. Doch er hat die Zufuhr an tierischen Proteinen stark reduziert.

"Ich habe meine 15 Eier pro Tag gegessen. Ich hatte meine 250 Gramm Protein pro Tag, weil ich 250 Pfund wog. Doch als ich älter wurde und als ich mich darüber informierte, habe ich festgestellt, dass man sein Protein wirklich nicht von Fleisch braucht."

Erwähnung finden in der Dokumentation auch Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton und Tennis-Star Novak Djokovic, die zu den Produzenten von "The Game Changers" gehören.

Ob die beiden gänzlich auf tierische Produkte verzichten, ist nicht ganz klar. Zumindest Djokovic bezeichnet sich selber nicht als vegan. Er setzt aber auf eine Diät, die auf Pflanzen basiert. Lewis Hamilton gehört derweil zu den größten Fürsprechern des Veganismus. Kürzlich forderte der Rennfahrer seine 13 Millionen Instagram-Follower dazu auf, vegan zu werden. Es sei der einzige Weg, um die Welt wirklich zu retten.

Die Reaktionen

Auf Social Media erhielt die Dokumentation viel Zuspruch. Viele Personen geben an, ebenfalls auf eine vegane Diät umzusteigen.

Die Dokumentation rief jedoch auch die Kritiker auf den Plan. In einem viel beachteten Artikel von "Men's Health" wird etwa bemängelt, dass der Zuschauer mit unzähligen Studien überschüttet wird. Die Fitness- und Lifestyle-Bibel meint:

"Die Datenmenge ist gewaltig, sie impliziert beim Zuschauer: Sieh dir die ganze Wissenschaft an! Wie kann Veganismus falsch sein?!!

Das Problem ist, dass die Studienergebnisse dem Betrachter oft verdreht präsentiert werden, ohne dass er ein vollständiges Verständnis der Forschung erhält."

So wird etwa der Vergleich zur Zigarettenindustrie kritisiert. Die Wissenschaft liefere keine Beweise, dass Fleisch ebenso schädlich sei wie Tabak.

Angekreidet wird auch ein Experiment, das zeigen soll, wie viel Fett im Blut-Plasma nach einer Fleisch-Mahlzeit kursiert. Bei den drei porträtierten Football-Spielern war das Plasma nach einem veganen Menü zwar deutlich klarer, jedoch seien keinerlei weitere Faktoren für den Test berücksichtigt worden, meint Men's Health.

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Umstrittener Blut-Test: Wird das Plasma wirklich so viel klarer nach einer veganen Mahlzeit? screenshot

Wilks konterte die Kritik von "Men's Health" umgehend. Du kannst dir seine Argumente in folgendem Video ansehen:

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James Wilks verteidigt sein Werk. Video: YouTube/PLANT BASED NEWS

Abgesehen vom "Men's Health"-Artikel ist der Grundtenor aber durchwegs positiv. Vielleicht, weil der Film nicht Angst vor einem Verzicht macht, sondern die Lust auf etwas Neues weckt. Oder wie es die Zeitung "Daily Camera" schreibt:

"Der Game Changer ist anders. Weil es nicht hochmütig oder predigend ist. Es ist informativ und öffnet die Augen."

"Daily Camera"

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