Leben
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Alkohol ist eines der ältesten Rauschmittel der Menschheit. Bild: imago stock&people

Wein auf Bier, das rat' ich dir – 15 Alkohol-Mythen im Faktencheck

Daniel Huber / watson.ch

Alkohol – es ist mit Abstand die beliebteste Droge in unserem Alltag. Das enthemmende, entspannende und berauschende Genussmittel, das freilich nur zu oft zum Suchtmittel wird, ist stark in unserer Kultur verankert. Deshalb glauben wir auch, wir wüssten Bescheid über Wirkungen und Auswirkungen alkoholischer Getränke. Aber längst nicht alles, was wir wissen, ist wirklich wahr – es gibt eine ganze Reihe von Mythen rund um den Alkohol. Hier sind 15 davon.

Mischen macht einen schlimmen Kater

Randmotiv,Feature-Spirituosen,Flaschen,Alkohol, alkoholische Getraenke stehen im Regal einer Bar, 129. Ordentliche Hauptversammlung 2018 AUDI AG am 09.05.2018 in I N G O L S T A D T. *** Randmotiv Feature Spirits Bottles Alcohol Alcoholic drinks stand on the shelf of a bar 129 Annual General Meeting 2018 AUDI AG on 09 05 2018 in I N G O L S T A D T

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"Bier auf Wein, das lasse sein – Wein auf Bier, das rat' ich dir." Den Spruch kennt jeder, aber er wird deshalb nicht wahrer. Es spielt keine Rolle, in welcher Form und Reihenfolge man den Alkohol zu sich nimmt – am Schluss zählt einzig die Menge. Möglicherweise hält sich dieser Mythos so hartnäckig, weil er der persönlichen Erfahrung zu entsprechen scheint. 

Für den Kater am nächsten Tag machen wir dann den Mischkonsum verantwortlich – statt der größeren Menge. Ebenfalls eine Rolle könnte spielen, dass jemand, der bereits schnell ein paar Biere gekippt hat und dann in diesem Tempo mit Spirituosen weitermacht, in kurzer Zeit viel Alkohol aufnimmt.

Auch hier aber ist es die Menge, die den Ausschlag gibt. 

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Wer viel und fett isst, verträgt mehr

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Eine üppige Mahlzeit vor dem Trinken verhindert nicht, dass der Alkohol ins Blut und damit ins Hirn gelangt – es ist also keine Maßnahme, die vor Trunkenheit schützt. Allerdings verzögert ein reichhaltiges Essen, besonders wenn Fett dabei im Spiel ist, diesen Vorgang.

Fette bedecken die Magen- und Darmschleimhaut und verlangsamen die Aufnahme von Alkohol ins Blut. Wer weiß, dass es an einer Party viel Alkohol geben wird, tut also gut daran, nicht mit leerem Magen dort anzukommen. Die Verzögerung wiederum kann den Trinker in falscher Sicherheit wiegen – am Ende gelangt der Alkohol eben doch ins Hirn. Gerade Autofahrer sollten sich dessen bewusst sein. 

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Rotwein macht schläfrig, Weißwein weckt

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Vor mehr als zehn Jahren erschien eine Studie von italienischen Wissenschaftlern, die in bestimmten Rotwein-Sorten das Schlafhormon Melatonin nachgewiesen haben wollte. Doch offenbar handelte es sich in Wahrheit lediglich um einen Melatonin-ähnliche Substanz, und so fehlt nach wie vor ein wissenschaftlicher Nachweis für die oft gehörte Vermutung, dass Rotwein schläfrig mache. 

Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass die vermeintlich unterschiedliche Wirkung eher mit dem Zeitpunkt des Konsums zu tun hat als mit der Art des Getränks. Weißwein trinken wir oft am frühen Abend. Die Stimmung ist dann eher leicht und spritzig – wie der Wein. Beim Essen später wird dann Rotwein gereicht, von dem wir womöglich auch mehr als ein Glas trinken. Der zunehmende Alkoholpegel in Verbindung mit der späteren Zeit und eventuell auch noch einem vollen Magen kann sehr wohl dazu führen, dass wir uns dann müde fühlen. 

Ein weiterer Faktor könnte die Temperatur sein: Rotwein wird in aller Regel wärmer getrunken als Weißwein – übrigens oft zu warm, wie Weinkenner bemängeln. Je wärmer aber der Wein ist, desto stärker spüren wir den Alkohol. 

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Mit einem Strohhalm wird man schneller betrunken

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Wer ein alkoholisches Getränk über einen Strohhalm zu sich nehme, soll schneller betrunken werden, wird gern behauptet. Der Grund dafür sei, dass der Alkohol über die Mundschleimhaut schneller ins Blut gelange als über den Rest des Verdauungskanals. Das trifft jedoch nicht zu, denn die Fläche der Mundschleimhaut entspricht nur etwa zwei Bierdeckeln. Das reicht nicht aus, um genug Alkohol aufzunehmen. 

Auch die Magenschleimhaut, die immerhin so groß wie eine Serviette ist, nimmt lediglich bis zu einem Viertel des Alkohols auf. Der Löwenanteil gelangt erst in der Darmschleimhaut ins Blut. Kein Wunder: Sie ist rund 100 Quadratmeter groß. 

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Alkohol verdunstet beim Kochen

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Manche Speisen gewinnen, wenn man sie mit alkoholischen Getränken verfeinert. Es ist aber nicht so, dass der Alkohol beim Kochen schnell verdampft, wie viele Leute glauben. Alkohol hat zwar einen niedrigeren Siedepunkt als Wasser (78.4 °C) und verdunstet schneller. Doch beim Kochen sind noch weitere Zutaten vorhanden, darunter Fett, mit dem sich die Alkoholmoleküle verbinden. Nach einer Kochzeit von einer Viertelstunde sind daher immer noch 40 Prozent des beigegebenen Alkohols im Essen enthalten. Trockene Alkoholiker sollten aus diesem Grund Speisen meiden, die mit alkoholischen Getränken abgeschmeckt wurden. 

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Schnaps regt die Verdauung an

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Besonders nach einer fetthaltigen Mahlzeit soll ein Schnaps der Verdauung auf die Sprünge helfen. Leider tut er das nicht – im Gegenteil. Alkohol verdünnt die Säure im Magen, der dadurch mehr Zeit benötigt, um die Fette abzubauen. Auch im Darm verzögert Alkohol den Verdauungsprozess. Selbst Kräuterschnäpse haben keine verdauungsfördernde Wirkung, da der Alkohol die Wirkung der Kräuter kompensiert. 

Das Wohlbefinden, das sich einstellt, wenn man nach einem schweren Essen einen Schnaps trinkt, ist nur von kurzer Dauer. Es rührt daher, dass der hochprozentige Alkohol die Magenmuskulatur kurzfristig entspannt. 

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Geübte Trinker vertragen mehr

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Tatsächlich ist es so, dass sich "geeichte" Trinker bei derselben Menge Alkohol weniger betrunken fühlen als solche, die sich nicht an Alkohol gewohnt sind. Wenn man merkt, dass man Alkohol besser verträgt als früher, ist das ein Warnsignal des Körpers – die Alkoholtoleranz nimmt zu.  

Doch auch wenn sich das Gehirn an den Alkohol gewöhnt, so ist das bei der Leber nicht der Fall. Es spielt keine Rolle, wie oft und wie viel Alkohol man trinkt – die Leber baut stets zwischen 0.1 und 0.2 Promille pro Stunde ab. Das Gefühl, gar nicht betrunken zu sein, ist für Leute besonders gefährlich, die sich dann ans Steuer setzen. Ihre Fahrtüchtigkeit ist nämlich trotzdem herabgesetzt – und bei einer Verkehrskontrolle ist der Führerschein weg. 

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Frauen werden schneller betrunken

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Hier haben wir es für einmal mit einer Behauptung zu tun, die kein Mythos ist: Frauen haben mehr Körperfett als Männer, der Flüssigkeitsgehalt ihres Körpers ist um etwa zehn Prozentpunkte niedriger. Dies führt dazu, dass dieselbe Menge Alkohol sich bei Frauen auf weniger Flüssigkeit verteilt und die Alkoholkonzentration im Blut somit höher ist. Zudem haben Männer ohnehin oft mehr Körpermasse. 

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Alkohol hilft beim Einschlafen

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Schon Shakespeare wusste: "Wer Wein trinkt, schläft gut, wer gut schläft, sündigt nicht, wer nicht sündigt, wird selig, wer also Wein trinkt, wird selig." In der Tat wirkt Alkohol nach einer gewissen Menge ermüdend, und man schläft schneller ein. Doch der Schlaf ist oberflächlicher, unruhiger und weniger erholsam; die Phasen des REM-Schlafes – der besonders erholsam ist – sind seltener.

Wer getrunken hat, leidet eher an Schweißausbrüchen; viele wachen mitten in der Nacht wieder auf und verspüren ein Durstgefühl. Zudem verstärkt Alkohol den Harndrang, so dass man eher während der Nacht aufstehen und zur Toilette gehen muss. 

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Nach dem Schlaf ist man wieder nüchtern

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Das hängt natürlich davon ab, wie lange man schläft. Auf jeden Fall ist es aber nicht so, dass der Körper den Alkohol im Schlaf schneller abbaut – es bleibt bei der Rate von 0.1 bis 0.2 Promille pro Stunde. Wer sich mit 1.5 Promille ins Bett legt, ist auch nach acht Stunden Schlaf noch nicht nüchtern – was besonders gefährlich ist, wenn man nach dem Aufstehen Auto fährt. 

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Alkohol hält warm

A Scotch on the rocks with 100,000 year old glacier ice on the deck of the Akademik Sergey Vavilov, an ice strengthened ship on an expedition cruise to Antarctica, off the Antarctic peninsula at the Gerlache Strait. The Antarctic peninsula is one of the most rapidly warming places on the planet., Antarctica PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: AshleyxCooper COAS000126

Bild: imago stock&people

Subjektiv stimmt das, objektiv aber nicht – und darum handelt es sich um einen gefährlichen Irrtum. Wer bei Kälte Alkohol trinkt, um sich warm zu halten, tut sich keinen Gefallen. Alkohol erweitert die Blutgefäße, so dass mehr Blut aus dem Körperinneren in die peripheren Bereiche fließt. Dies führt zu einem angenehmen Gefühl der Wärme. Der Körper hat jedoch die Blutzirkulation bei Kälte nicht umsonst reduziert; er hält so die lebenswichtigen inneren Organe warm und vermindert die Abgabe von Wärme an die Umgebung.

Eine halbe Flasche Wein lässt die Körpertemperatur um etwa ein halbes Grad sinken – bei starkem Alkoholkonsum kann es daher zu einer Unterkühlung kommen. Zugleich führt der Alkohol dazu, dass die Kälte weniger wahrgenommen wird. Die Folgen können letal sein: Im Winter können Alkoholisierte draußen schnell erfrieren, wenn sie stürzen und einfach liegen bleiben.   

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Kaffee oder eine kalte Dusche machen nüchtern

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Wenn wir zu viel getrunken haben und gerne schnell wieder nüchtern wären, greifen wir gern zu Hilfsmitteln. Kaffee, zum Beispiel. Andere erhoffen sich einen ernüchternden Effekt von frischer Luft oder einer kalten Dusche. Alle diese Maßnahmen mögen uns erfrischen, aber nüchtern machen sie uns nicht – das tut nur unser Körper. Nieren, Lunge, vor allem aber die Leber – zu 90 Prozent – bauen den Alkohol ab. Und das braucht Zeit. Es gibt keine Möglichkeit, diesen Vorgang zu beschleunigen. 

Sogar wenn man sich – feiwillig oder unfreiwillig – übergibt, verkürzt das die Zeit der Trunkenheit nicht; es sei denn, im Magen hätte sich noch eine substanzielle Menge Alkohol befunden. Auch wenn man sich womöglich erleichtert fühlt, hat dies keinen Einfluss auf den Alkohol, der sich bereits im Blut befindet.  

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Ein Konterbier hilft gegen den Kater

Haben wir zu tief ins Glas geschaut, ist der Kater die unvermeidliche Quittung. Kopfschmerzen und Übelkeit werden dann am schlimmsten, wenn der Körper den restlichen Alkohol abgebaut hat. Wenn wir uns nun erneut Alkohol zuführen, bevor der Alkoholpegel auf null gesunken ist, können wir das Tief hinauszögern, aber nicht verhindern. 

Es gibt allerdings Indizien dafür, dass ein Konterbier den Kater auf andere Weise mildern könnte: Zu schaffen macht dem Kater-Opfer nicht nur der Alkohol, sondern auch dessen Abbauprodukte. In besonderem Masse gilt das für die Spaltprodukte des Methanols, die Giftstoffe Ameisensäure und Formaldehyd. Der Fuselalkohol Methanol ist in geringen Mengen in fast jedem alkoholischen Getränk vorhanden.

Zu Beginn des Katers maßvoll genossener Alkohol könnte nun die Spaltung von Methanol verzögern oder gar verhindern, denn beim Abbau kümmert sich der Körper zuerst um den Trinkalkohol, das Ethanol. Erst wenn kein Ethanol mehr nachfließt, kommt das Methanol an die Reihe. Diesen Umstand macht sich die Medizin bei einer Methanolvergiftung zunutze: Es wird dann gezielt Ethanol zugeführt, damit das Methanol nicht in seine giftige Bestandteile gespalten wird. In geringerem Masse geschieht dies beim Konterbier: Es verzögert die Spaltung des Methanols, bis es der Körper über Atem und Urin ausgeschieden hat. 

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Je reiner ein Getränk, desto harmloser der Kater

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Wodka oder Whisky? Der Verfasser dieser Zeilen weiss es aus leidvoller Erfahrung: Der Katzenjammer nach einer vergleichbaren Menge Alkohol ist bei Wodka kleiner als beim Whisky – das belegen auch Studien. Der Grund dafür sind Zusatzstoffe wie Methanol, Tannin oder Fuselöl. Rotwein, Whisky, Cognac oder Tequila enthalten viele davon, Wodka oder Gin weniger. Bourbon zum Beispiel enthält 37 Mal so viele Zusatzstoffe wie Wodka. Es ist also gar kein Mythos, dass der Kater bei alkoholischen Getränken, die neben Ethanol und Wasser nur wenige zusätzliche Stoffe enthalten, harmloser ausfällt. 

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Alkohol zerstört Gehirnzellen

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Bild: imago stock&people

Es klingt plausibel: Wer sich einen schweren Rausch antrinkt, zerstört dabei tausende, wenn nicht hunderttausende von Hirnzellen. Nur die Tatsache, dass unser Gehirn über etwa 90 Milliarden Neuronen verfügt, bewahrt uns demnach vor sofortiger alkoholbedingter Verblödung. Doch das stimmt nicht. Alkohol ist an Manchem schuld, aber er killt keine Gehirnzellen. 

Alkohol hemmt zwar die Kommunikation zwischen den Neuronen, aber sobald er abgebaut ist, erholen sie sich wieder. Nur der chronische Missbrauch von Alkohol kann schließlich – über indirekte Auswirkungen – auch das Gehirn schädigen. So ist das Wernicke-Korsakow-Syndrom, das schwere Alkoholiker treffen kann, eine Folge eines gravierenden alkoholbedingten Vitamin-B1-Mangels. 

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