Leben

Nazi-Familie Ritter an neuem Tiefpunkt angelangt: So geht es den Söhnen heute

Als Fernsehzuschauer ist man mittlerweile viel gewohnt, wenig kann einen noch schockieren. Doch jedes Mal, wenn die Nazi-Familie Ritter aus Köthen im TV zu sehen ist, kann man vor dem Bildschirm nur ungläubig mit dem Kopf schütteln. Seit 25 Jahren berichtet "Stern TV" regelmäßig über die Ritters. Die Familie wurde in ganz Deutschland bekannt, weil die Söhne von Mutter Karin schon im Grundschulalter rechtsradikale Parolen in die Kamera sprachen. Es sind Bilder, die hängen blieben.

An diesem Mittwoch ging es bei "Stern TV" erneut um Familie Ritter. Die Frage, die in der RTL-Sendung behandelt wird: Welche Chancen hat die nächste Generation des Ritter-Clans überhaupt noch? Gemeint sind damit die Enkel von Karin Ritter – und nicht mehr ihre Söhne Norman, Christopher und Andy. (Lest dazu: Kinder leiden bis heute darunter – Jugendamt-Chef erklärt perfide Methode von Karin Ritter).

Vor allem zwei der drei Söhne scheinen nämlich an einem neuen Tiefpunkt in ihrem Leben angelangt, wie "Stern TV" am vergangenen Mittwoch in einer ausführlichen 90-Minuten-Doku zeigte. Und das Schlimme: Sie ziehen die 19 Jahre junge Nichte Jasmin mit in den Sumpf aus Drogen und Verbrechen.

Christopher Ritter

Er ist der jüngste der drei Ritter-Brüder. 32 Jahre alt ist er heute. Laut RTL saß er bereits dreimal im Gefängnis – mehr als ein Drittel seines Lebens. Besserung ist nicht in Sicht. Christopher Ritter fällt immer wieder mit Straftaten auf.

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Bild: RTL/SternTV

Schon im September 2018 wurde er wegen Körperverletzung und Raub zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Er ging jedoch in Berufung – und war im Frühjahr 2019 noch immer auf freiem Fuß, wegen einer Justizpanne, wie es in dem Bericht heißt. Eigentlich müsste er zu dem Zeitpunkt schon längst wieder in U-Haft sitzen – weil neue Anzeigen gegen ihn vorliegen.

In der RTL-Reportage ist zu sehen, wie Christopher aggressiv auf das RTL-Team losgeht und versucht, die Kamera aus der Hand zu schlagen. Neonazi-Gedankengut? Trägt er noch immer tief in sich. "Grüß den Führer, wenn du schon grüßt", sagt er in die Kamera. Er spricht von "Kanaken", hetzt gegen Flüchtlinge.

Christopher ist schwerer Alkoholiker. "Ich mache jetzt eine Entgiftung, wollte ich eigentlich heute anfangen", sagt er bei "Stern TV". Aus einer Entzugsklinik heraus wolle er eine zwei- bis dreijährige Langzeittherapie angehen. "Das ist jetzt schon die dritte Flasche heute", sagt er und hält eine Vodka-Flasche in die Höhe.

Seine guten Vorsätze hat er bislang nicht umgesetzt. "Eine Entgiftung oder Therapie hat Christoph bis heute nicht begonnen", sagt der RTL-Sprecher in dem Beitrag.

Stattdessen wird er wohl erneut ins Gefängnis wandern. Christopher hat gemeinsam mit Bruder Norman und seiner Nichte Jasmin (19 Jahre jung) einen Obdachlosen überfallen, zusammengeschlagen und ausgeraubt. Jasmin wurde im Frühjahr 2019 deswegen zu zehn Monaten Haft verdonnert – ohne Bewährung. Christopher Ritter wurde zu zwei Jahren Knast verurteilt.

Andy Ritter

Andy Ritter ist der mittlere Sohn, 34 Jahre alt. Zwei Jahre und zehn Monate saß er bisher im Knast. Im Frühjahr 2019 lebte er gemeinsam mit seiner Mutter in einer Obdachlosenunterkunft.

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Bild: RTL/SternTV

Die neue Regelung, wonach er und seine Mutter tagsüber die Unterkunft verlassen müssen, findet er miserabel. "Da kann ich gleich in den Knast zurückgehen."

Andy ist seit acht Jahren mit Freundin Annett zusammen. Sie beklagt gegenüber RTL, dass Andy gebrandmarkt sei. Bei der Wohnungssuche habe er keine Chance mit dem Namen Ritter – und das, obwohl er laut Annett schon lange nicht mehr mit Straftaten aufgefallen sei. Über den Namen Ritter sagt sie: "Das ist einfach nur reine Schikane, Mobbing. Durch so einen Mist haben wir überhaupt keine Perspektive mehr." Andy ist der einzige der drei Ritter-Söhne, der nicht in die Straftat mit Nichte Jasmin verwickelt war.

Norman Ritter

Norman ist der älteste Sohn. Von seinen 35 Lebensjahren hat er fast zwölf bisher im Knast verbracht. Schon als Neunjähriger beging er einen Überfall, kam danach in ein Heim. Ebenfalls schon damals streckte der kleine Bub die Hand zum Hitlergruß in die RTL-Kamera.

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Bild: RTL/SternTV

Im September 2018 filmt RTL Norman Ritter auf der Couch neben seiner Mutter. Im Vergleich zu vorherigen Aufnahmen hat er heftig abgebaut. Ihm merkt man die Spuren heftigsten Alkoholmissbrauchs mit Abstand am deutlichsten an. "Ich versuche jetzt, bei der Security-Firma anzufangen. Ich versuche es. Ob er mich nimmt mit meinem polizeilichen Führungszeugnis... ist mir egal", sagt Norman in die Kamera. Er hat sichtbar Mühe beim Sprechen.

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Bild: RTL/SternTV

Norman leugnet die Taten, für die er im Gefängnis gesessen sei. Er sei für seine Brüder im Knast gesessen, behauptet er. Als er seine Kinder aufzählt, kommt er durcheinander, spricht einmal von drei, einmal von vier Kindern. "Ach, ich hab schon wieder einen im Turm", sagt er schließlich.

Wegen des Überfalls auf einen Obdachlosen gemeinsam mit Christopher und Nichte Jasmin wird er im Frühjahr 2019 zu einem Jahr und zehn Monaten Haft verurteilt.

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Es ist mittlerweile ganze 25 Jahre her, dass RTL erstmals über die Nazi-Familie Ritter aus Köthen berichtete. Die Familie war in dieser Zeit aufgefallen, weil die drei Brüder Norman, Christopher und Andy bereits im Grundschulalter gewalttätig wurden und Einwohner der Stadt terrorisierten.

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