Leben
Stewardess on the airfield. Place for your text.

Das ist natürlich nicht Laura, sondern eine andere Flugbegleiterin. Bild: Getty Images/iStockphoto

"Natürlich hatte ich schon mit Piloten Sex": Eine Flugbegleiterin erzählt

Laura jettet seit fünf Jahren als Swiss-Flugbegleiterin um die Welt. Passagiere wollten sie schon mehrmals verklagen. Hier berichtet sie von ihren Erfahrungen.

Mein Name ist Laura. Ich bin Flugbegleiterin bei Swiss Air. Ihr könnt mich Stewardess nennen, das ist mir egal. Ich fliege oft auf der Langstrecke mit Boeing 777 oder A330/A340. Meinen Feierabend verbringe ich am liebsten in Hongkong. Dann ziehen wir nach der Landung direkt in die Clubs weiter. Party, schlafen, Party, fliegen. So läuft das. Manchmal.

Heute ist Montag und ich bin ein bisschen verkatert. Gestern ist es ziemlich ausgeartet. Als Flugbegleiterin lebe ich oft zwischen den Welten und weiß nicht genau, was für ein Tag ist. Momentan gehe ich meist erst um 3 Uhr ins Bett. Auf Dauer ist das sicher nicht gut für meinen Körper. Aber ich bin ja noch jung.

Die Respektlosigkeit gegenüber Flugbegleitern

Was mich momentan nervt, ist nicht der Zickenkrieg zwischen Flugbegleiterinnen. Es sind nicht die chinesischen Passagiere, die neben die Toilette scheißen. Es sind nicht die bekifften Alkoholleichen, die in Amsterdam vor dem Start in Ohnmacht fallen.

"Ein Passagier wollte mich wegen eines Gehörschadens verklagen"

Es ist die Respektlosigkeit, die einige Passagiere gegenüber der Crew und den Mitreisenden an den Tag legen. Die Passagiere behandeln dich als Flugbegleiter oft wie Luft und denken: "Das ist eh nur eine dumme Stewardess".

Kürzlich wollte mich ein Fluggast anzeigen, weil ich die Gepäckablage direkt über seinem Kopf geschlossen habe. Das Geräusch habe bei ihm einen Gehörschaden verursacht, klagte er. Was soll das denn? Ein anderer Passagier wollte mich verklagen, weil ich mit dem Food-Trolley in sein Bein gefahren bin, das er bis in den Gang gestreckt hatte. Von beiden habe ich nie mehr was gehört.

Fluggäste können total rücksichtslos und egoistisch sein: Ein Typ verlangte tatsächlich, dass wir ein schreiendes Baby in der Gepäckablage versorgen. Unglaublich. Alleine wegen zurückgestellten Sitzlehnen zanken sich Kunden manchmal wie Kinder. Da denkst du nur "was zur Hölle..." Nach der Landung benehmen sich die Flugreisenden manchmal wie Tiere. Noch bevor die Maschine am Gate andockt, stehen sie auf und rennen nach vorne. Das regt mich so auf. Denken die etwa, die Flugzeugtüre öffnet deshalb schneller?

"Flugreisende benehmen sich manchmal wie Tiere"

Das größte Problem: der Alkohol

Beim Boarding strahlen wir die Passagiere mit unserem Profi-Lächeln an. Wir sind auch darauf trainiert, nach möglichen Problem-Passagieren Ausschau zu halten. Da hören wir auf unser Bauchgefühl. In Amsterdam fiel mir eine Gruppe junger Burschen auf. Die kamen direkt vom Ausgang und stanken nach Gras und Alkohol. Ein Typ war kreidebleich und zitterte. Ich fragte ihn, ob er in diesem Zustand wirklich fliegen wolle. Als ich das nächste Mal vorbeiging, war er für kurze Zeit ohnmächtig. "So junger Herr, heute fliegst du nirgendwo hin", sagte ich zu ihm. Dann alarmierten wir die Ambulanz.

"Wenn dich Passagiere am Rock ziehen, ist Schluss mit lustig"

Das wohl größte Problem für Flugbegleiter und Flugbegleiterinnen ist der Alkohol. Genauer gesagt, der Moment, wenn man betrunkenen Passagieren keine Drinks mehr ausschenkt. Da drehen einige total durch. Ich bin sehr tolerant: Mein Gott, drei Gin Tonics sind völlig okay, wenn sich der Gast normal benimmt. Bei mir ist Schluss mit lustig, wenn die Fluggäste nur noch lallen, herumtorkeln oder "touchy" werden. Dich etwa beim Vorbeilaufen am Rock oder der Uniform ziehen, um noch mehr Hochprozentiges zu kriegen. Dabei bleibt es nicht: Ein Mann hat kürzlich eine Kollegin sogar weggeschubst, weil sie ihm keinen Whiskey mehr geben wollte.

Auf den Flügen nach Bangkok sind Passagiere – sagen wir es mal anständig – manchmal ziemlich abstoßend. Einige Typen saufen sich schon beim Hinflug richtig zu und sind sehr flirty drauf. Dabei weißt du genau, warum die nach Thailand fliegen.

Am mühsamsten sind aber die Routen nach Peking. Die Klischees stimmen schon. Die Chinesen sind wirklich die undiszipliniertesten Passagiere. Oft fliegen sie als 50-köpfige Reisegruppe, von denen eine Person Englisch spricht. Stell dir vor, wie mühsam es ist, die richtigen Getränke auszuschenken. Es ist wirklich so: Etliche Chinesen wissen nach wie vor nicht, wie ein westliches WC funktioniert. Sie scheißen dann irgendwie in der Toilette herum. Auweia.

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Hier sitzen die Piloten. Mit denen hatte Laura auch schon Sex. Bild: reuters

"Natürlich habe ich schon mit Piloten Sex gehabt"

Das Zwischenmenschliche an Bord

Natürlich lästern wir Flugbegleiterinnen über besonders mühsame Passagiere, oder wenn sie dich blöd angemacht haben. Wir quatschen natürlich auch über die Piloten. Freundinnen von mir checken manchmal schon vor dem Flug ab, ob im Cockpit ein guter Fang wartet. Viele Kolleginnen sind auf der Suche nach einem Partner. Ich bin da weniger pilotenfixiert. Aber natürlich habe ich schon mehrmals mit Piloten Sex gehabt.

Gelegenheiten dazu gibt es genug. Denn die Layover (Pause zwischen den Flügen) dauern auf Langstrecken bis zwei Tage. Neben Hongkong sind meine Lieblingsziele Miami, Johannesburg und Tokio. In diesen Städten geht meist die ganze Crew zusammen essen und feiern. Man ist weit weg von daheim, ist entspannter und offener. Und jeder hat ein eigenes Zimmer. Da läuft natürlich oft was zwischen den Mitarbeitenden. Einmal knutschte ich mit einem Copiloten im Club herum. Wir nahmen das Taxi zurück ins Hotel. Jedoch ließ er mich vor dem Zimmer stehen.

Sex auf der Flugzeug-Toilette käme für mich niemals in Frage. Ich habe aber schon einmal ein lesbisches Paar auf dem WC erwischt. Dummerweise berührten sie bei ihrem Treiben den Alarm-Knopf und schlossen die Türe nicht ab. Ich persönlich finde es aber nicht wirklich schlimm, wenn jemand Sex auf der Toilette hat. Für den Notfall sind dort übrigens sogar zwei Sauerstoffmasken installiert. Aber seien wir ehrlich: Die Toiletten sind eng und nach einem langen Flug oftmals total ekelhaft. Wenn es am Boden nass ist, ist das in Gottes Namen kein Wasser, sondern Urin. Da willst du doch keinen Sex haben!

"Einmal hatte ich Angst, dass der Flügel auf die Piste kracht"

Ein guter Ort für einen Aufriss sind hingegen die Swiss-Personalpartys: Zu später Stunde habe ich mich da beim letzten Mal herumgeschaut und gedacht: "Hey, was geht den hier ab." Nicht wenige knutschten mit anderen, obwohl sie vergeben waren. Und becherten, was das Zeug hält. Firmenfeiern arten halt auch bei der Swiss manchmal aus.

Angst hatte ich in meiner Zeit als Flugbegleiterin erst einmal richtig. Als wir in London-City landeten, windete es extrem. Wir starteten dreimal durch. Beim letzten Versuch hat es so geschüttelt. Da dachte ich, jetzt kracht der Flügel auf den Boden und das war's.

Ich liebe meinen Job

Entgegen den Befürchtungen bin ich noch nie an einem Körperteil begrabscht worden. Dann und wann berühren sich Passagiere an der Schulter. Ich denke, bei der Swiss haben die Passagiere immer noch einen gewissen Anstand. Ich möchte mir nicht ausmalen, wie das etwa bei Ryanair zugeht.

Das hört sich jetzt alles ziemlich negativ an. Aber die meisten Passagiere sind eigentlich nett, der Beruf bereitet mir viel Spaß. Ich liebe meinen Job bei der Swiss. Ich komme komme extrem viel in der Welt herum. Es ist unglaublich cool, jeden Tag so viele unterschiedliche Menschen und Kulturen kennen zu lernen. Ich will noch viele Jahre Flugbegleiterin bleiben. Trotz des miesen Lohnes. Ich verdiene netto 3000 Franken im Monat (umgerechnet 2822 Euro, Anm.). Es dürfte schon etwas mehr sein.

Und etwas darf nicht vergessen gehen: Ich schätze meine Kolleginnen und Kollegen sehr. Meistens ist es wirklich lustig mit den Crews.

Bonus: So kriegst du ein Upgrade (oder eben nicht)

Übrigens, liebe Leser: Ich nehme keine Bestechungsgelder an, damit ihr ein Upgrade für die Businessclass kriegt. Das mag bei anderen Airlines möglich sein, aber nicht bei der Swiss. Hier gibt es nur ein Upgrade, wenn die Economyclass überbucht ist. Und dann bekommt es der Fluggast, der Vielflieger ist oder am meisten für das Ticket bezahlt hat. Es gibt sogar Leute, die sich krank stellen, um ein Upgrade zu bekommen. So blöd sind wir aber nicht.

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(Aufgezeichnet: amü/watson.ch)

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